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Abschnitt 1.4

ABC-Analyse

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du erklärst, wozu ein Unternehmen seine Materialien nach dem Verbrauchswert ordnet.
  • Du ordnest Materialien mit vorgegebenen Wertgrenzen den Klassen A, B und C zu.
  • Du leitest für A- und C-Güter passende Beschaffungsmaßnahmen ab.

Worum es geht

Ein Betrieb kauft oft Hunderte verschiedener Materialien ein – vom teuren Bauteil bis zur Schraube. Wer alle gleich gründlich plant, verschwendet Zeit an Kleinkram und hat für die wichtigen Posten zu wenig.

Die zeigt, in welchen wenigen Materialien das meiste Geld steckt. Dort lohnt sich genaues Planen und Verhandeln. Bei den vielen kleinen Posten reicht ein einfacher Bestellweg.

Wozu die ABC-Analyse dient

Definition

Die ordnet die Materialien eines Unternehmens nach ihrem Anteil am gesamten eines Zeitraums und teilt sie in drei Klassen ein: (wenige Materialien mit hohem Wertanteil), B-Güter (Mittelfeld) und (viele Materialien mit kleinem Wertanteil).

Im Register

Das Ziel ist, die Arbeit im Einkauf dorthin zu lenken, wo sie am meisten bringt:

  • Kosten senken: Ein Preisnachlass von 3 % bei einem A-Gut spart viel mehr als derselbe Rabatt bei einem C-Gut.
  • senken: Teure Materialien sollen nicht lange im Lager liegen.
  • Aufwand sparen: Für C-Güter genügen einfache, schnelle Bestellwege.

Beispiel aus dem Alltag

Sparen im eigenen Haushalt

Wer im Monat Geld sparen will, vergleicht den Handyvertrag, die Versicherung fürs Mofa und den Wocheneinkauf. Den Preis von Radiergummis vergleicht niemand – selbst ein halbierter Preis brächte kaum etwas. Genau so denkt die ABC-Analyse.

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Erläutere die Zielsetzung der ABC-Analyse – gefragt ist der Zweck, nicht die Rechnung.

Worauf es ankommt – der Verbrauchswert

Verglichen wird nicht der Preis eines einzelnen Stücks, sondern der : wie viel Geld in einem Zeitraum (meist einem Jahr) insgesamt für ein Material ausgegeben wird.

Formel

Verbrauchswert

Verbrauchswert = Verbrauchsmenge × Preis je Einheit

Verbrauchsmenge eines Zeitraums, meist eines Jahres; als Preis dient der .

Formel

Wertanteil (ABC-Analyse)

Wertanteil in % = Verbrauchswert des Materials ÷ Verbrauchswert aller Materialien × 100

Typischer Fehler

Nach dem Stückpreis sortieren. Ein Bauteil für 90 € ist kein , wenn davon nur 20 Stück im Jahr gebraucht werden (1.800 €). Eine Dichtung für 0,30 € kann bei 40.000 Stück mehr Geld binden (12.000 €).

Das Vorgehen

Schritt für Schritt

ABC-Analyse der Holmberg Küchentechnik GmbH

Die Holmberg Küchentechnik GmbH baut Kaffeemaschinen. Für sechs Materialien liegen die Jahreszahlen vor. Grenzen laut Geschäftsleitung (kumulierte Wertanteile): A bis 80 %, B bis 95 %, C der Rest.

MaterialMenge (Stück)Preis je Stück
Pumpen3.00024,00 €
Edelstahlgehäuse4.00012,00 €
Steuerplatinen1.5009,00 €
Dichtungsringe30.0000,25 €
Kabelsätze5.0001,20 €
Schrauben60.0000,05 €
  1. je Material berechnen (Menge × Preis) und alles addieren.

    Ergebnis:

    Pumpen 72.000 €, Gehäuse 48.000 €, Platinen 13.500 €, Dichtungsringe 7.500 €, Kabelsätze 6.000 €, Schrauben 3.000 € – zusammen 150.000 €

  2. Nach dem Verbrauchswert absteigend sortieren und Ränge vergeben.

    Ergebnis:

    1 Pumpen, 2 Gehäuse, 3 Platinen, 4 Dichtungsringe, 5 Kabelsätze, 6 Schrauben

  3. Den Wertanteil jedes Materials ausrechnen, z. B. Pumpen 72.000 € ÷ 150.000 € × 100.

    Ergebnis:

    48 %, 32 %, 9 %, 5 %, 4 %, 2 %

  4. Die Wertanteile von oben nach unten aufaddieren (kumulieren).

    Ergebnis:

    48 %, 80 %, 89 %, 94 %, 98 %, 100 %

  5. Mit den Grenzen der Aufgabe einteilen.

    Ergebnis:

    A = Pumpen, Gehäuse · B = Platinen, Dichtungsringe · C = Kabelsätze, Schrauben

Der Blick auf die Mengen zeigt das typische Bild:

KlasseMaterialienAnteil an der MengeAnteil am Wert
APumpen, Gehäuseca. 7 %80 %
BPlatinen, Dichtungsringeca. 30 %14 %
CKabelsätze, Schraubenca. 63 %6 %

Die ABC-Kurve – je steiler der Anfang, desto stärker ballt sich der Wert in wenigen Materialien.

Merksatz

Erst Verbrauchswert, dann sortieren, dann Anteile, dann kumulieren, dann einteilen.

Wo die Klassengrenzen liegen

Achtung

Die Grenzen sind nicht einheitlich festgelegt. Üblich sind zum Beispiel:

  • Wertanteile 80 % / 15 % / 5 % (A / B / C),
  • Wertanteile 75 % / 20 % / 5 %,
  • kumuliert bis 80 % / bis 95 % / Rest – das entspricht der ersten Variante.

Jedes Unternehmen legt seine Grenzen selbst fest. In einer Aufgabe gelten immer die Grenzen, die dort stehen.

Typischer Fehler

Die Grenzen auf die Mengenanteile anwenden. Die Prozentgrenzen beziehen sich auf den Wert. Dass zugleich einen kleinen Mengenanteil haben, ist ein Ergebnis der Analyse, keine Regel zum Einteilen.

Merksatz

Die Grenzen stehen in der Aufgabe, nicht im Gedächtnis.

Was aus den Klassen folgt

Planunggenaue Bedarfsermittlung, laufende Kontrollegrobe Schätzung genügt
EinkaufMarktanalyse, Angebotsvergleich, Preisverhandlungeinfache Bestellung, Rahmenvertrag, Sammelbestellung
BereitstellungEinzelbeschaffung oder Just-in-time, z. B. mit
Lagerkleine Bestände, kurze größere Bestände sind unproblematisch

B-Güter liegen dazwischen; je nach Material wird eher wie bei A oder wie bei C verfahren.

Beispiel aus der Praxis

Holmberg zieht Konsequenzen

Für die Pumpen holt Holmberg jedes Jahr Angebote von drei Herstellern ein und lässt sie wöchentlich nach dem Produktionsplan anliefern. Im Lager liegen höchstens zwei Tage Vorrat. Die Schrauben kommen über einen Rahmenvertrag: Ein Lieferant füllt einmal im Monat die Regale an der Montagelinie auf.

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Typisch ist: „Begründen Sie, ob eine Vorratshaltung für Bauteil X geeignet ist.“ Für ein A-Gut eher nicht – sie bindet viel Kapital. Für ein C-Gut schon – der Vorrat kostet wenig und spart Bestellaufwand.

Typischer Fehler

„A-Güter sind wichtig, also viel davon lagern.“ Genau umgekehrt: Weil in A-Gütern viel Geld steckt, hält man ihre Bestände klein.

Was die ABC-Analyse nicht zeigt

Die schaut nur auf den Wert. Sie sagt nichts darüber,

  • ob der Verbrauch gleichmäßig oder schwankend ist – das prüft die XYZ-Analyse und ABC/XYZ-Matrix,
  • ob ein billiges Teil die Produktion stoppt, wenn es fehlt,
  • wie zuverlässig ein Lieferant ist oder wie gut die Qualität stimmt.

Ein Dichtungsring ist ein . Fehlt er, steht trotzdem das ganze Band still.

Merksatz

ABC zeigt, wo das Geld steckt – nicht, was unverzichtbar ist.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Von einem Kunststoffgriff werden im Jahr 25.000 Stück zu je 0,80 € verbraucht. Berechne den .

    Lösung anzeigen

    Verbrauchswert = 25.000 × 0,80 € = 20.000 €.

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Fahrradhändler wertet fünf Teile aus ( im Jahr): Rahmen 90.000 €, Laufräder 45.000 €, Sättel 7.500 €, Schläuche 4.500 €, Ventilkappen 3.000 €. Grenzen (kumuliert): A bis 85 %, B bis 95 %, C Rest. Teile die Materialien ein.

    Lösung anzeigen

    Summe 150.000 €. Wertanteile: Rahmen 60 %, Laufräder 30 %, Sättel 5 %, Schläuche 3 %, Ventilkappen 2 %. Kumuliert: 60 %, 90 %, 95 %, 98 %, 100 %.

    • A: Rahmen (60 % liegt unter 85 %).
    • B: Laufräder (90 %) und Sättel (95 %, genau auf der Grenze „bis 95 %“).
    • C: Schläuche und Ventilkappen.

    Achtung: Die Laufräder sind trotz 30 % Wertanteil kein – mit ihnen steigt die Summe auf 90 % und damit über die A-Grenze von 85 %.

  3. Übung 3Klausurniveau

    Die Holmberg GmbH überlegt, für die Pumpen () und die Schrauben () jeweils einen Vorrat für drei Monate anzulegen, „damit nie etwas fehlt“. Beurteile den Vorschlag für beide Materialien.

    Lösung anzeigen

    Pumpen: Ein Dreimonatsvorrat entspräche einem Viertel des , also 18.000 €. Dieses Geld wäre im Lager gebunden, dazu kämen , Schwund und das Risiko, dass ein neues Modell andere Pumpen braucht. Besser: genaue Planung, häufige Lieferungen, kleiner . Der Vorschlag ist für die Pumpen nicht sinnvoll.

    Schrauben: Ein Dreimonatsvorrat kostet nur 750 € (ein Viertel von 3.000 €). Dafür spart Holmberg Bestellungen, und die Montage steht nie wegen einer fehlenden Schraube still. Für die Schrauben ist der Vorschlag sinnvoll.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • Die teilt Materialien nach ihrem Anteil am in A-, B- und ein.
  • Vorgehen: Verbrauchswert → sortieren → Wertanteile → kumulieren → mit den Grenzen der Aufgabe einteilen.
  • : wenige Materialien, großer Wertanteil → genau planen, verhandeln, wenig lagern.
  • C-Güter: viele Materialien, kleiner Wertanteil → einfach bestellen, ruhig auf Vorrat.
  • Die Grenzen sind nicht einheitlich; Schwankungen im Verbrauch zeigt erst die .

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