Abschnitt 1.3
Das Angebot
Das kannst du danach
- Du erklärst das Gesetz des Angebots und begründest, warum die Marktangebotskurve steigt.
- Du nennst Faktoren, die die Angebotskurve verschieben.
- Du unterscheidest Bewegung auf der Angebotskurve und Verschiebung der Angebotskurve.
- Du liest aus einer Angebotsfunktion den Mindestpreis und angebotene Mengen ab.
Worum es geht
Fünf Höfe rund um die Stadt bauen Erdbeeren an. Bei 2 € je Kilo lohnt sich das Pflücken nur für den größten Hof mit seinen Maschinen. Steigt der Preis auf 4 €, schicken auch die kleineren Höfe Helferinnen auf die Felder – und der große pflückt jetzt sogar die späten, mühsamen Reihen am Waldrand. Je höher der Preis, desto mehr Erdbeeren kommen auf den Markt.
Warum höhere Preise mehr Angebot bringen
Definition
: Steigt der Preis, bieten die Anbieter mehr an – sinkt er, weniger. Die steigt deshalb von links unten nach rechts oben.
Dahinter stecken zwei Gründe:
- Steigende Grenzkosten: Ab einer gewissen Menge wird jedes weitere Stück teurer – längere Wege, Überstunden, schlechtere Felder. Eine größere Menge lohnt sich für den einzelnen Anbieter nur, wenn der Preis diese zusätzlichen Kosten deckt.
- Neue Anbieter: Bei niedrigem Preis können nur die effizientesten Betriebe kostendeckend liefern. Steigt der Preis, kommen auch die mit höheren Kosten hinzu.
Definition
Das ist die Summe der Mengen aller Anbieter bei einem Preis. Es beginnt bei dem Preis, ab dem der effizienteste Anbieter überhaupt liefert – darunter wird nichts angeboten.
Beispiel aus der Praxis
Zwei Höfe, ein Angebot
Hof Brenner bietet nach x = −40 + 20p an (ab 2 € je Kilo), Hof Ziegler nach x = −90 + 30p (ab 3 €). Bei 2,50 € liefert nur Brenner: −40 + 50 = 10 kg. Ab 3 € liefern beide: x = −130 + 50p, bei 5 € also 60 + 60 = 120 kg. Die Kurve des Marktangebots knickt bei 3 €, weil dort ein zweiter Anbieter dazukommt.
Merksatz
Höherer Preis deckt höhere Grenzkosten und lockt zusätzliche Anbieter – die Angebotskurve steigt.
Die Angebotsfunktion
Definition
Die gibt an, welche Menge x die Anbieter bei welchem Preis p verkaufen wollen. Linear lautet sie meist x(p) = −c + d · p. Das Minus vor c bedeutet: Unterhalb eines bestimmten Preises wird gar nichts angeboten.
Formel
Lineare Angebotsfunktion
x(p) = −c + d · p
Angeboten wird erst ab p = c ÷ d; darunter ist die Menge null.
Schritt für Schritt
Das Erdbeerangebot am Markttag
Das lautet x(p) = −200 + 100p (x in kg, p in € je kg). Ab welchem Preis wird angeboten? Wie viel bei 2,50 € und bei 6 €?
Preis, ab dem angeboten wird – Menge null setzen.
Ergebnis:0 = −200 + 100p → p = 2 €
Menge bei 2,50 €.
Ergebnis:−200 + 250 = 50 kg
Menge bei 6 €.
Ergebnis:−200 + 600 = 400 kg
Typischer Fehler
Das Vorzeichen verlieren. Wer das Minus vor dem festen Teil übersieht, rechnet mit doppelt so vielen Erdbeeren, wie bei 6 € tatsächlich angeboten werden. Auch beim Gleichsetzen mit der Nachfrage wechselt der feste Teil auf der anderen Seite das Vorzeichen.
Achtung
Den Preis, ab dem angeboten wird, nennen die Lektionen „Mindestpreis der Anbieter“. Das ist nicht der staatliche Mindestpreis, den der Staat über dem Gleichgewicht festsetzt (Kapitel Wohlfahrt und Staatseingriffe). Manche Übungen verwenden Angebotsfunktionen mit positivem Achsenabschnitt (x = 50 + 50p) – dann wird schon bei einem Preis von null etwas angeboten; gerechnet wird genauso.
Was die Angebotskurve verschiebt
Ändert sich der Preis des Gutes selbst, bewegt man sich auf der . Die ganze Kurve verschiebt sich, wenn sich die Bedingungen der Anbieter ändern:
| Ursache | Richtung |
|---|---|
| Kosten sinken (billigere Rohstoffe, Energie, Löhne) | rechts – mehr bei jedem Preis |
| technischer Fortschritt, höhere Produktivität | rechts |
| Subventionen | rechts |
| Kosten steigen, neue Auflagen, Steuern je Stück | links – weniger bei jedem Preis |
| Missernte, Unwetter, Schädlinge | links |
| mehr Anbieter (Markteintritt) / weniger Anbieter | rechts / links |
Beispiel aus dem Alltag
Frost in Brasilien
Ein später Frost vernichtet einen Teil der Kaffeeernte in Brasilien. Bei jedem Preis kommt weniger Kaffee auf den Weltmarkt – das Angebot verschiebt sich nach links. Ein Jahr später stehen neue, frostfeste Sorten auf den Plantagen: Das Angebot rückt wieder nach rechts.
Typischer Fehler
Einen Kostenanstieg als Verschiebung der Nachfrage deuten. Teurere Rohstoffe treffen zuerst die Anbieter: Sie bieten bei jedem Preis weniger an – die Angebotskurve wandert nach links. Dass dann weniger gekauft wird, ist eine Bewegung auf der .
Prüfungsrelevant · Abitur 2016, Klausurübung J1
Gründe für eine Verschiebung des Angebots nennen und ihre Richtung begründen – etwa eine Sanierungspflicht für Vermieter oder eine Missernte bei Baumwolle.
Merksatz
Kosten runter, Technik besser, mehr Anbieter – Angebot nach rechts; Kosten rauf, Missernte, Auflagen – nach links.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Das Angebot an Brennholz lautet x(p) = −84 + 4p (x in Ster, p in € je Ster). Ab welchem Preis wird angeboten? Wie viele Ster bei 45 €?
Lösung anzeigen
- 0 = −84 + 4p → 21 €
- bei 45 €: −84 + 180 = 96 Ster
Übung 2Anwendung
Bilde aus den Angeboten der Höfe Brenner (x = −40 + 20p) und Ziegler (x = −90 + 30p) das und bestimme die Menge bei 2,50 €, 3 € und 5 €.
Lösung anzeigen
- Brenner liefert ab 2 €, Ziegler ab 3 €.
- 2 bis 3 €: x = −40 + 20p; ab 3 €: x = −130 + 50p
- 2,50 €: 10 kg; 3 €: 20 + 0 = 20 kg; 5 €: −130 + 250 = 120 kg
Übung 3Klausurniveau
Begründe für den Markt für Brot, ob sich das Angebot verschiebt (Richtung) oder ob man sich auf der Kurve bewegt: (a) Der Weizenpreis steigt stark. (b) Ein neuer Ofen backt mit halb so viel Energie. (c) Brot wird teurer, weil mehr nachgefragt wird. (d) Drei Bäckereien in der Stadt schließen.
Lösung anzeigen
- (a) links – höhere Rohstoffkosten, bei jedem Preis weniger Angebot
- (b) rechts – niedrigere Kosten durch technischen Fortschritt
- (c) Bewegung auf der nach rechts oben – der eigene Preis steigt; verschoben hat sich die Nachfrage
- (d) links – weniger Anbieter
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- : höherer Preis → größere angebotene Menge; Gründe: steigende Grenzkosten und zusätzliche Anbieter.
- = Summe der Angebote; Knick dort, wo ein weiterer Anbieter dazukommt.
- x(p) = −c + d · p: angeboten wird ab p = c ÷ d.
- Eigener Preis → Bewegung; Kosten, Technik, Staat, Natur, Zahl der Anbieter → Verschiebung (rechts = mehr bei jedem Preis).
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