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Abschnitt 2.5

Maschinenstundensatzrechnung

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du begründest, warum Fertigungslöhne in automatisierten Betrieben keine gute Bezugsgröße für Gemeinkosten mehr sind.
  • Du nennst die Bestandteile der Maschinenkosten und berechnest kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen.
  • Du ermittelst die jährliche Maschinenlaufzeit und den Maschinenstundensatz.
  • Du setzt den Maschinenstundensatz in der Kalkulation eines Auftrags ein.

Worum es geht

Eine Laserschneidanlage für 360.000 € arbeitet fast allein, eine Fachkraft legt nur die Bleche ein. Die meisten Kosten der Fertigung entstehen hier durch die Anlage: Abschreibung, Zinsen, Strom, Wartung. Würde man sie wie bisher auf die Löhne verteilen, trüge der Auftrag mit viel Handarbeit die Kosten des Lasers. Gerechter ist es, die Maschinenkosten nach der Zeit zu verteilen, in der ein Auftrag die Maschine belegt.

Wenn die Maschine die Kosten macht

Die Stanztechnik Mössner GmbH hat 420.000 € Fertigungsgemeinkosten im Jahr, aber nur 120.000 € Fertigungslöhne – ein Zuschlag von 350 %. Zwei Aufträge im Vergleich:

Auftrag AAuftrag B
Arbeitsstunden (Lohn 30 € je Stunde)1 h3 h
Laufzeit am Laser4 h0,5 h
Fertigungslöhne30 €90 €
Fertigungsgemeinkosten mit 350 %105 €315 €

Auftrag A belegt den Laser achtmal so lange, bekommt aber nur ein Drittel der . A wird zu billig, B zu teuer kalkuliert – weil der Lohn nicht mehr zeigt, wer die Kosten verursacht.

Beispiel aus dem Alltag

Der Waschsalon

Ein Waschsalon verlangt 4,50 € je Waschgang. Darin stecken die Maschine, ihre Wartung, Wasser, Strom und die Miete. Wer drei Maschinen eine Stunde lang belegt, zahlt dreimal so viel wie jemand mit einer Maschine – ganz gleich, wie lange er selbst danebensitzt. Genau so verteilt der die Kosten: nach der Zeit an der Maschine.

Merksatz

Verursacht die Maschine die Kosten, wird nach Maschinenstunden verteilt – nicht nach Lohn.

Maschinenkosten und Laufzeit

Definition

Der gibt an, was eine Stunde Laufzeit einer Maschine kostet. Dazu sammelt man die Kosten der Maschine für ein Jahr – im Maschinenkostenblatt – und teilt sie durch die Laufstunden des Jahres.

Im Register

MaschinenkostenHinweis
Wertverlust vom Wiederbeschaffungswert
auf das halbe Kapital
Wartung, Instandhaltungmeist ein fester Jahresbetrag
Stellflächeanteilige Raumkosten
Stromoft je Laufstunde angegeben
Hilfsstoffe, Werkzeugeetwa Schneidgas oder Kühlmittel

Was nicht an der Maschine hängt – das Gehalt der Meisterin, die Reinigung der Halle –, bleibt als beim Lohnzuschlag.

Definition

Der ist der Preis, den eine gleichwertige neue Maschine heute kosten würde. Die Kostenrechnung schreibt von ihm ab, damit die Preise am Ende der Nutzung auch eine teurere Ersatzmaschine verdient haben.

Im Register

Formel

Kalkulatorische Abschreibung (Kostenrechnung)

kalk. Abschreibung = Wiederbeschaffungswert ÷ Nutzungsdauer

Formel

Kalkulatorische Zinsen (Maschinenstundensatz)

kalk. Zinsen = (Wiederbeschaffungswert + Restwert) ÷ 2 × Zinssatz

Über die Nutzungsdauer ist im Durchschnitt nur die Hälfte gebunden; meist ist der null.

Definition

Die sind die Stunden, in denen die Maschine tatsächlich arbeitet – ohne Rüsten, Einrichten, Wartung und Stillstand.

Im Register

Formel

Laufstunden im Jahr

Laufstunden = Arbeitstage × Schichten × tatsächliche Laufstunden je Schicht

Formel

Maschinenstundensatz

Maschinenstundensatz = Maschinenkosten im Jahr ÷ Laufstunden im Jahr

Ist die Energie je Stunde angegeben, erst die übrigen Kosten auf eine Stunde umrechnen und dann die Energie je Stunde addieren.

Schritt für Schritt

Der Laser der Stanztechnik Mössner

Wiederbeschaffungswert 360.000 €, Nutzungsdauer 10 Jahre, kein Restwert, kalkulatorischer Zinssatz 6 %. Wartung 8.400 €, Raumkosten 6.000 € und Schneidgas 3.600 € im Jahr, Energie 14,00 € je Laufstunde. Der Laser läuft an 225 Tagen in 2 Schichten; von 8 Stunden je Schicht gehen 2 für Rüsten und Einrichten ab.

  1. Kalkulatorische Abschreibung.

    Ergebnis:

    360.000 € ÷ 10 = 36.000 €

  2. Kalkulatorische Zinsen.

    Ergebnis:

    360.000 € ÷ 2 × 6 % = 10.800 €

  3. Maschinenkosten ohne Energie.

    Ergebnis:

    36.000 € + 10.800 € + 8.400 € + 6.000 € + 3.600 € = 64.800 €

  4. Laufstunden im Jahr.

    Ergebnis:

    225 × 2 × 6 h = 2.700 h

  5. Kosten je Stunde ohne Energie.

    Ergebnis:

    64.800 € ÷ 2.700 h = 24,00 €

  6. Maschinenstundensatz mit Energie.

    Ergebnis:

    24,00 € + 14,00 € = 38,00 € je Stunde

Typischer Fehler

Die Energie je Stunde zu den Jahreskosten zählen und dann teilen. 14 € je Stunde sind schon ein Stundenbetrag. Erst die Jahreskosten ohne Energie durch die Laufstunden teilen, dann die Energie dazuzählen.

Achtung

Die Investitionsrechnung schreibt von den Anschaffungskosten abzüglich Restwert ab (Kostenvergleich), die Kostenrechnung vom Wiederbeschaffungswert. Manche Aufgaben geben die Zinsbasis ausdrücklich vor, etwa den halben Anschaffungswert – dann gilt die Aufgabe.

Den Stundensatz in der Kalkulation einsetzen

Definition

Mit dem wird die Fertigungskalkulation zweigeteilt. Die Maschinenkosten gehen nach Maschinenstunden in den Preis, die übrigen Fertigungsgemeinkosten – die – weiter als Zuschlag auf die Löhne. Dieser Restzuschlag ist viel kleiner als der alte Fertigungszuschlag.

Im Register

Formel

Fertigungskosten mit Maschinenstundensatz

Fertigungskosten = Maschinenstunden × Maschinenstundensatz + Fertigungslöhne + Restfertigungsgemeinkosten

Schritt für Schritt

50 Blechgehäuse für eine Lüftungsfirma

Der Auftrag belegt den Laser 6 Stunden. Eine Fachkraft arbeitet 4 Stunden daran (26,00 € je Stunde). Die Restfertigungsgemeinkosten betragen 80 % der Fertigungslöhne, der Maschinenstundensatz 38,00 €.

  1. Maschinenkosten des Auftrags.

    Ergebnis:

    6 h × 38,00 € = 228,00 €

  2. Fertigungslöhne.

    Ergebnis:

    4 h × 26,00 € = 104,00 €

  3. Restfertigungsgemeinkosten – auf die Löhne.

    Ergebnis:

    80 % von 104,00 € = 83,20 €

  4. Fertigungskosten.

    Ergebnis:

    228,00 € + 104,00 € + 83,20 € = 415,20 €

  5. Vergleich mit dem alten Zuschlag von 320 % auf die Löhne.

    Ergebnis:

    104,00 € + 332,80 € = 436,80 € – der Auftrag war um 21,60 € zu teuer kalkuliert

Beispiel aus der Praxis

„Jetzt wird alles teurer!“

Der Vertriebsleiter von Mössner fürchtet, dass mit dem Maschinenstundensatz alle Produkte teurer werden. Das stimmt nicht: Die Kosten insgesamt bleiben gleich, sie werden nur anders verteilt. Teurer werden Aufträge, die den Laser lange belegen, billiger solche mit viel Handarbeit und wenig Laufzeit. Für den Vertrieb ist das ein Vorteil: Er kann bei lohnintensiven Aufträgen günstiger anbieten und erkennt, welche Aufträge bisher zu billig verkauft wurden.

Typischer Fehler

Den Restzuschlag auf die Maschinenkosten rechnen. Die Restfertigungsgemeinkosten beziehen sich auf die Fertigungslöhne. Die Maschinenkosten tragen schon ihren eigenen Anteil.

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Den Maschinenstundensatz ermitteln – auch rückwärts aus der Veränderung der –, mit ihm prüfen, ob ein Preis bei einer Rabattaktion die Kosten noch deckt, die höchstens zulässige Laufzeit eines Auftrags berechnen und zur Sorge Stellung nehmen, alle Produkte würden teurer.

Merksatz

Maschinenkosten nach Maschinenstunden, Restkosten nach Lohn – teurer wird nur, was die Maschine lange belegt.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Eine Presse läuft an 230 Tagen in einer Schicht; von 8 Stunden entfällt eine auf das Rüsten. Ihr beträgt 180.000 €, der 20.000 €, der kalkulatorische Zinssatz 5 %. Berechne die und die kalkulatorischen Zinsen im Jahr.

    Lösung anzeigen
    • Laufstunden: 230 × 1 × 7 h = 1.610 h
    • : (180.000 € + 20.000 €) ÷ 2 × 5 % = 5.000 €
  2. Übung 2Anwendung

    Eine Fräse: 200.000 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, kein , Zinssatz 6 %, Wartung 5.000 €, Raumkosten 3.000 € im Jahr, Energie 10,00 € je Stunde, 2.000 . Berechne den .

    Lösung anzeigen
    • Abschreibung: 200.000 € ÷ 8 = 25.000 €
    • Zinsen: 200.000 € ÷ 2 × 6 % = 6.000 €
    • Kosten ohne Energie: 25.000 € + 6.000 € + 5.000 € + 3.000 € = 39.000 €
    • je Stunde: 39.000 € ÷ 2.000 h = 19,50 €; mit Energie 29,50 €
  3. Übung 3Klausurniveau

    Für einen Auftrag dürfen die Fertigungskosten laut höchstens 1.000 € betragen. Er braucht 4 Arbeitsstunden zu 25,00 €, die betragen 90 %, der 36,00 €. Wie lange darf der Auftrag die Maschine höchstens belegen? Die Arbeitsvorbereitung rechnet mit 24 Stunden – beurteile die Lage.

    Lösung anzeigen
    • Fertigungslöhne 100,00 €, Restfertigungsgemeinkosten 90,00 € → 190,00 €
    • Für die Maschine bleiben 1.000,00 € − 190,00 € = 810,00 €
    • Höchstlaufzeit: 810,00 € ÷ 36,00 € = 22,5 Stunden

    Mit 24 Stunden lägen die Fertigungskosten bei 1.054,00 €, also 54,00 € über der Grenze – der Auftrag brächte zum Marktpreis nicht den geplanten Gewinn. Möglich sind eine schnellere Bearbeitung (anderes Programm, weniger Rüsten), ein höherer Preis oder die Annahme mit weniger Gewinn, wenn die Maschine sonst stillstünde.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • Bei hoher Automatisierung verzerrt der Lohn als Bezugsgröße – die Maschinenkosten werden nach Maschinenstunden verteilt.
  • Maschinenkosten: kalk. Abschreibung ( ÷ Nutzungsdauer), kalk. Zinsen ((WBW + ) ÷ 2 × Zinssatz), Wartung, Raum, Energie, Hilfsstoffe.
  • = Tage × Schichten × tatsächliche Stunden; = Maschinenkosten ÷ Laufstunden (Energie je Stunde danach).
  • Fertigungskosten = Maschinenstunden × Stundensatz + Fertigungslöhne + (% der Löhne).
  • Die Kosten insgesamt ändern sich nicht – sie werden nur verursachungsgerechter verteilt.

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