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Abschnitt 1.8

Lagerkennzahlen

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du berechnest den durchschnittlichen Lagerbestand aus Jahres-, Quartals- oder Monatswerten, in Stück und in Euro.
  • Du berechnest Umschlagshäufigkeit, durchschnittliche Lagerdauer, Lagerzinssatz und Lagerzinsen.
  • Du deutest die Kennzahlen und beurteilst, wie sich ein kleinerer Lagerbestand auswirkt.

Worum es geht

Ein Lager kostet Geld – für Fläche, Versicherung und vor allem für das Kapital, das in den Regalen steckt. Ob ein Lager wirtschaftlich arbeitet, zeigen Lagerkennzahlen: Wie viel liegt im Schnitt da, wie schnell wird es verbraucht, wie lange wartet ein Teil, und was kostet das gebundene Geld?

Der durchschnittliche Lagerbestand

Definition

Der gibt an, wie viel Material im Laufe eines Zeitraums im Mittel im Lager liegt – in Mengeneinheiten oder, mit dem multipliziert, in Euro.

Im Register

Formel

Ø Lagerbestand aus Jahreswerten

Ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2

Formel

Ø Lagerbestand aus Quartalswerten

Ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + 4 Quartalsendbestände) ÷ 5

Formel

Ø Lagerbestand aus Monatswerten

Ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13

Geteilt wird immer durch die Anzahl der Bestandswerte. Je mehr Werte, desto genauer der Durchschnitt.

Typischer Fehler

Bei zwölf Monatsendbeständen durch 12 teilen. Der Anfangsbestand ist ein dreizehnter Wert – also durch 13. Entsprechend bei Quartalen durch 5.

Achtung

Im Modell der und beim Sägezahn wird der Durchschnitt anders bestimmt: ohne Bestellmenge ÷ 2, mit Mindestbestand Mindestbestand + Bestellmenge ÷ 2. Welche Formel passt, hängt davon ab, welche Daten die Aufgabe liefert – Inventurwerte oder Bestellmenge und Reserve.

Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer

Formel

Umschlagshäufigkeit

Umschlagshäufigkeit = Jahresverbrauch ÷ Ø Lagerbestand

Beide Größen in derselben Einheit – Stück, kg oder Euro.

Formel

Durchschnittliche Lagerdauer

Ø Lagerdauer in Tagen = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit

kaufmännisches Jahr mit 360 Tagen

Die sagt, wie oft sich der durchschnittliche Bestand im Jahr komplett erneuert. Die sagt, wie viele Tage ein Teil im Mittel im Lager wartet. Beide hängen direkt zusammen: Wird der Bestand 12-mal umgeschlagen, liegt ein Teil im Schnitt 30 Tage.

Beispiel aus dem Alltag

Der Kühlschrank in der WG

Wird der Kühlschrank einmal pro Woche aufgefüllt und bis zum nächsten Einkauf leer gegessen, schlägt er sich etwa 50-mal im Jahr um, und ein Joghurt wartet im Schnitt ein paar Tage. Die Gläser mit Kapern hinten links werden dagegen vielleicht einmal im Jahr umgeschlagen – sie liegen monatelang.

Typischer Fehler

Einheiten mischen. Jahresverbrauch in Euro durch einen Bestand in Kilogramm zu teilen, ergibt keine sinnvolle Zahl. Erst alles in dieselbe Einheit bringen.

Was das gebundene Kapital kostet

Geld, das im Lager steckt, kann nichts anderes tun: keine Zinsen auf dem Konto bringen, keinen Kredit tilgen. Diese entgangenen Zinsen sind die Kosten der . Der Marktzins gilt für ein ganzes Jahr – das Material liegt aber nur einen Teil davon im Lager.

Formel

Lagerzinssatz

Lagerzinssatz in % = Marktzinssatz × Ø Lagerdauer ÷ 360

Formel

Lagerzinsen

Lagerzinsen = Ø Lagerbestand in € × Lagerzinssatz

Schritt für Schritt

Haselnüsse in der Großbäckerei Lindner

StichtagBestand
Anfangsbestand 1. Januar2.400 kg
Ende 1. Quartal2.000 kg
Ende 2. Quartal2.800 kg
Ende 3. Quartal1.600 kg
Ende 4. Quartal2.200 kg

Jahresverbrauch 33.000 kg, 6,50 € je kg, Marktzinssatz 6 %.

  1. aus fünf Werten.

    Ergebnis:

    (2.400 + 2.000 + 2.800 + 1.600 + 2.200) ÷ 5 = 2.200 kg

  2. .

    Ergebnis:

    33.000 kg ÷ 2.200 kg = 15

  3. Ø .

    Ergebnis:

    360 ÷ 15 = 24 Tage

  4. .

    Ergebnis:

    6 % × 24 ÷ 360 = 0,4 %

  5. Ø Lagerbestand in Euro.

    Ergebnis:

    2.200 kg × 6,50 € = 14.300 €

  6. .

    Ergebnis:

    14.300 € × 0,4 % = 57,20 €

Prüfungsrelevant · Klassenarbeit J1 (Beschaffung)

Lagerkennzahlen werden gern zusammen mit Mindest- und abgefragt – erst berechnen, dann deuten.

Die Kennzahlen deuten

Sinkt der bei gleichem Verbrauch, dann

  • steigt die ,
  • sinken , und ,
  • ist weniger Kapital gebunden, und die fallen.

Aber: Ein kleinerer Bestand puffert weniger ab. Das Risiko von Fehlmengen steigt – der Zielkonflikt zwischen Kosten und Versorgungssicherheit.

Beispiel aus der Praxis

Lindner senkt den Nussvorrat

Lindner bestellt Haselnüsse künftig häufiger in kleineren Mengen. Der Ø Lagerbestand sinkt auf 1.650 kg. Die Umschlagshäufigkeit steigt auf 20, die Lagerdauer sinkt auf 18 Tage, der Lagerzinssatz auf 0,3 %. Die Lagerzinsen fallen von 57,20 € auf 32,18 € (1.650 kg × 6,50 € × 0,3 %). Dafür steigen die , und eine verspätete Lieferung wird schneller zum Problem.

Merksatz

Hohe Umschlagshäufigkeit = kurze Lagerdauer = wenig – aber weniger Puffer.

Typischer Fehler

Kennzahlen ohne Vergleich bewerten. Ob 15 Umschläge gut sind, zeigt erst der Vergleich – mit dem Vorjahr, mit anderen Materialien oder mit einem Zielwert. Frische Lebensmittel brauchen eine viel höhere Umschlagshäufigkeit als Ersatzteile.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Material hat eine von 8. Wie lange liegt es im Durchschnitt im Lager?

    Lösung anzeigen

    360 ÷ 8 = 45 Tage.

  2. Übung 2Anwendung

    Anfangsbestand 500 Stück, Summe der zwölf Monatsendbestände 5.350 Stück, Jahresverbrauch 4.050 Stück. Berechne , und Ø .

    Lösung anzeigen
    • Ø Lagerbestand: (500 + 5.350) ÷ 13 = 450 Stück
    • Umschlagshäufigkeit: 4.050 ÷ 450 = 9
    • Ø Lagerdauer: 360 ÷ 9 = 40 Tage
  3. Übung 3Klausurniveau

    Die Geschäftsleitung will die aller Materialien verdoppeln. Erläutere die Auswirkungen auf , und Versorgungssicherheit und beurteile den Vorschlag.

    Lösung anzeigen

    Bei gleichem Verbrauch heißt doppelte Umschlagshäufigkeit: halber . Die Lagerdauer halbiert sich, ebenso der ; weil auch der Bestand in Euro halbiert ist, sinken die Lagerzinsen auf ein Viertel. Es wird viel Kapital frei.

    Dafür muss öfter bestellt werden (höhere ), und der Puffer gegen Lieferverzug schrumpft – das Risiko von Fehlmengen steigt.

    Beurteilung: Für teure Materialien mit gut planbarem Verbrauch (A-, X-Güter) sinnvoll. Für billige Teile lohnt sich der Aufwand kaum, für unregelmäßig gebrauchte (Z-Güter) wäre der kleine Puffer riskant. Eine pauschale Verdopplung ist daher nicht sinnvoll – besser je Material entscheiden.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • = Summe der Bestandswerte ÷ Anzahl der Werte (Jahr: ÷ 2, Quartale: ÷ 5, Monate: ÷ 13).
  • = Jahresverbrauch ÷ Ø Lagerbestand; Ø = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit.
  • = Marktzinssatz × Ø Lagerdauer ÷ 360; = Ø Lagerbestand in € × Lagerzinssatz.
  • Weniger Bestand → schnellerer Umschlag, weniger Zinsen – aber weniger Sicherheit.

Verknüpfte Themen

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