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Abschnitt 1.1

Aufgaben und Ziele der Beschaffung

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du beschreibst, welche Aufgabe die Beschaffung im Unternehmen hat.
  • Du unterscheidest ökonomische, ökologische und soziale Beschaffungsziele.
  • Du erklärst den Zielkonflikt zwischen niedrigen Kosten und sicherer Versorgung.
  • Du berechnest den Servicegrad eines Lieferanten und beurteilst das Ergebnis.

Worum es geht

Ohne Material keine Produktion: Fehlt einem Skateboard-Hersteller nur das Griptape, bleiben fertige Bretter liegen. Die Beschaffung sorgt dafür, dass so etwas nicht passiert – und dass es trotzdem nicht zu teuer wird.

Dabei verfolgt sie mehrere Ziele zugleich, und die passen nicht immer zusammen.

Was die Beschaffung leisten muss

Definition

Die Beschaffung besorgt alle Güter und Leistungen, die ein Unternehmen braucht, aber nicht selbst herstellt. In der Industrie geht es vor allem um Material: Rohstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fremdbezogene Bauteile.

Im Register

Gut beschafft ist ein Material erst, wenn fünf Dinge stimmen:

  1. die Art – das passende Material in der verlangten Qualität,
  2. die Menge – nicht zu wenig, aber auch nicht unnötig viel,
  3. der Zeitpunkt – da, bevor es gebraucht wird,
  4. der Ort – dort, wo es verarbeitet wird,
  5. die Kosten – so niedrig wie möglich, ohne die anderen Punkte zu gefährden.

Beispiel aus dem Alltag

Der Grillabend der Klasse

Wer für den Grillabend einkauft, denkt an dieselben Punkte: Genug Würstchen für 28 Leute (Menge), etwas Vegetarisches (Art und Qualität), alles da, bevor die Kohle glüht (Zeitpunkt), auf dem Grillplatz und nicht im Kofferraum (Ort) – und das Ganze passend zur Klassenkasse (Kosten).

Drei Zielbereiche

ZielbereichWorum es gehtBeispiele
ökonomisch (wirtschaftlich)Geld und sichere Versorgungniedrige , geringe Bestell- und , hohe Liefertreue, gute Qualität, Unabhängigkeit von einzelnen Lieferanten
ökologischUmweltkurze Transportwege, gebündelte Lieferungen, Mehrwegverpackungen, Recyclingmaterial, wenig Abfall
sozialMenschen in der faire Löhne, sichere Arbeitsplätze, keine Kinderarbeit, Einhaltung von Arbeitszeiten

Ökologische und soziale Ziele kosten oft zunächst Geld. Sie können sich aber auszahlen: Viele Kundinnen und Kunden achten auf nachhaltige Produkte, und Zertifikate öffnen Türen zu Auftraggebern, die das verlangen.

Typischer Fehler

Ein Ziel dem falschen Bereich zuordnen. „Kurze Transportwege“ sind in erster Linie ein ökologisches Ziel (weniger CO₂), auch wenn sie nebenbei die Lieferzeit verkürzen. „Faire Löhne beim Zulieferer“ sind ein soziales Ziel – nicht ökonomisch, obwohl sie den Preis beeinflussen.

Wenn Ziele sich widersprechen

Definition

Ein liegt vor, wenn die bessere Erfüllung eines Ziels die Erfüllung eines anderen verschlechtert. Unterstützen sich zwei Ziele gegenseitig, spricht man von Zielharmonie.

Im Register

Typische Zielkonflikte in der Beschaffung:

  • Kosten ↔ Versorgungssicherheit: Ein großer Vorrat schützt vor Engpässen, bindet aber Kapital und verursacht . Ein kleiner Vorrat spart Geld, doch schon eine späte Lieferung kann die Produktion stoppen (mehr dazu bei den Lagerbeständen).
  • Preis ↔ Umwelt und Menschen: Der günstigste Lieferant sitzt oft weit weg. Lange Transporte erzeugen viel CO₂, und die Arbeitsbedingungen lassen sich schwer kontrollieren.
  • Preis ↔ Qualität: Billiges Material kann mehr Ausschuss und Reklamationen verursachen.

Ein Beispiel für Zielharmonie: Ein Lieferant aus der Region liefert schneller (Versorgung) und mit weniger CO₂ (Umwelt).

Beispiel aus der Praxis

Brettwerk und das Griptape

Die Brettwerk GmbH bezieht Griptape von einem Hersteller in Übersee für 1,10 € je Bogen. Ein Anbieter aus Tschechien verlangt 1,35 €, liefert aber in zwei Tagen statt in sechs Wochen und weist faire Arbeitsbedingungen mit einem Zertifikat nach. Brettwerk entscheidet sich für einen Mittelweg: Der Großteil kommt künftig aus Tschechien, ein kleiner Teil weiter aus Übersee – so steigen die Kosten nur mäßig, und die Abhängigkeit von einem langen Seeweg sinkt.

Typischer Fehler

„Der billigste Lieferant ist der beste.“ Entscheidend sind die gesamten Kosten: Fracht, Zoll, Ausschuss, Verzögerungen und Lagerpuffer für lange Lieferzeiten kommen zum Angebotspreis hinzu.

Merksatz

Mehr Sicherheit kostet Geld – weniger Kosten kosten Sicherheit. Abwägen und begründen!

Zuverlässigkeit messen – der Servicegrad

Formel

Servicegrad eines Lieferanten

Servicegrad in % = Anzahl einwandfreier Lieferungen ÷ Anzahl der Bestellungen × 100

Einwandfrei heißt pünktlich, vollständig und ohne Mängel.

Achtung

Der Begriff hat zwei Bedeutungen. Im Einkauf misst er die Zuverlässigkeit eines Lieferanten (Formel oben). Für das eigene Lager misst er die Lieferbereitschaft: Wie viele Anforderungen der Produktion konnten sofort aus dem Lager bedient werden? Lies in der Aufgabe genau, welche Bedeutung gemeint ist.

Schritt für Schritt

Den Rollen-Lieferanten von Brettwerk beurteilen

Brettwerk verlangt von seinen Lieferanten einen Servicegrad von mindestens 95 %. Für den Lieferanten der Rollen liegen diese Zahlen vor:

QuartalBestellungeneinwandfreie Lieferungen
1220211
2240226
3180175
4260238
  1. Servicegrad je Quartal berechnen, z. B. 1. Quartal 211 ÷ 220 × 100.

    Ergebnis:

    95,91 % · 94,17 % · 97,22 % · 91,54 %

  2. Den Servicegrad für das ganze Jahr aus den Summen berechnen (nicht die Prozentwerte mitteln).

    Ergebnis:

    850 ÷ 900 × 100 = 94,44 %

  3. Mit dem Ziel vergleichen und die Entwicklung deuten.

    Ergebnis:

    Ziel von 95 % knapp verfehlt; im 4. Quartal deutlicher Einbruch auf 91,54 %

  4. Handlungsempfehlungen ableiten.

    Ergebnis:

    Ursachen mit dem Lieferanten klären, Vertragsstrafe vereinbaren, einen zweiten Lieferanten aufbauen, vorübergehend erhöhen

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Aus Quartalsdaten den Servicegrad berechnen, die Erfüllung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Beschaffungsziele analysieren und Handlungsempfehlungen entwickeln – eine typische Aufgabe mit vielen Bewertungseinheiten.

Typischer Fehler

Die vier Quartalswerte mitteln. (95,91 + 94,17 + 97,22 + 91,54) ÷ 4 = 94,71 % ist falsch, weil die Quartale unterschiedlich viele Bestellungen haben. Richtig: alle einwandfreien Lieferungen durch alle Bestellungen.

Nachhaltig einkaufen – was ein Unternehmen tun kann

  • Lieferanten auswählen nach Umwelt- und Sozialkriterien, nicht nur nach Preis und Qualität; Nachweise über Zertifikate verlangen.
  • Kontrollieren: einen Verhaltenskodex vertraglich vereinbaren und durch Besuche (Audits) prüfen.
  • Regional einkaufen, wo es möglich ist – kürzere Wege, leichtere Kontrolle (Local Sourcing).
  • Transporte bündeln und Mehrwegbehälter einsetzen.
  • Material wählen: Recyclingmaterial, langlebige und reparierbare Teile.

Merksatz

Ökonomisch, ökologisch, sozial – jede Empfehlung sollte sagen, welches Ziel sie stärkt und was sie kostet.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Nenne zu jedem Zielbereich der Beschaffung ein Beispiel.

    Lösung anzeigen
    • ökonomisch: niedrigere durch Mengenrabatte
    • ökologisch: Lieferungen bündeln, damit weniger Lkw fahren
    • sozial: nur Lieferanten wählen, die nachweislich faire Löhne zahlen
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Lieferant erhielt im Jahr 480 Bestellungen. 24 Lieferungen kamen zu spät, 12 hatten Mängel; keine Lieferung war doppelt betroffen. Berechne den und beurteile ihn bei einem Ziel von 95 %.

    Lösung anzeigen

    Einwandfrei: 480 − 24 − 12 = 444 Lieferungen. Servicegrad = 444 ÷ 480 × 100 = 92,5 %. Das Ziel von 95 % wird verfehlt. Gut jede dreizehnte Lieferung macht Probleme – das kann die Produktion stören.

  3. Übung 3Klausurniveau

    Die Geschäftsleitung der Brettwerk GmbH schlägt vor, künftig bei jedem Material den Lieferanten mit dem niedrigsten Angebotspreis zu wählen und alle Lagerbestände zu halbieren. Beurteile den Vorschlag.

    Lösung anzeigen

    Dafür spricht: niedrigere , weniger und geringere – das ökonomische Kostenziel wird besser erreicht.

    Dagegen spricht:

    • Der billigste Anbieter ist oft weit entfernt oder unzuverlässig. Zusammen mit halbierten Beständen steigt das Risiko von Fehlmengen und Produktionsstillstand deutlich ( Kosten ↔ Versorgungssicherheit).
    • Qualität, Fracht, Zoll und Ausschuss bleiben unberücksichtigt; die Gesamtkosten können sogar steigen.
    • Ökologische und soziale Ziele spielen keine Rolle, obwohl sie für das Image wichtig sein können.

    Fazit: In dieser pauschalen Form nicht sinnvoll. Besser: je Material entscheiden – etwa nach ABC-Klasse und Zuverlässigkeit des Lieferanten – und neben dem Preis auch , Qualität und Nachhaltigkeit bewerten.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • Die Beschaffung stellt Material in passender Art, Menge und Qualität rechtzeitig am richtigen Ort bereit – bei möglichst geringen Kosten.
  • Drei Zielbereiche: ökonomisch (Kosten, Versorgung, Qualität), ökologisch (Umwelt), sozial (Menschen in der ).
  • Ziele geraten in Konflikt, vor allem Kosten und Versorgungssicherheit. Dann wird abgewogen und begründet.
  • = einwandfreie Lieferungen ÷ Bestellungen × 100 – für das Jahr aus den Summen, nicht aus Mittelwerten.

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