Abschnitt 1.1
Der Markt und der vollkommene Markt
Das kannst du danach
- Du beschreibst, was ein Markt ist und welche Ziele Anbieter und Nachfrager verfolgen.
- Du unterscheidest Polypol, Oligopol und Monopol nach der Zahl der Anbieter.
- Du nennst die Annahmen des vollkommenen Marktes und prüfst reale Märkte daran.
- Du erklärst die Funktionen des Preises.
Worum es geht
Samstagmorgen auf dem Wochenmarkt: Sechs Stände verkaufen Erdbeeren. Um sieben Uhr verlangt einer 7 € je Kilo, ein anderer 5,50 €. Nach einer Stunde hat sich herumgesprochen, wo es billiger ist – und gegen zehn kosten die Erdbeeren fast überall 6 €. Wie kommt dieser Preis zustande, obwohl ihn niemand festlegt? Und warum klappt das bei Wohnungen oder Smartphones nicht genauso?
Wer sich auf dem Markt trifft
Definition
Ein ist jeder Ort, an dem Angebot und Nachfrage nach einem Gut aufeinandertreffen und sich ein Preis bildet – ein Wochenmarkt, eine Börse, ein Online-Shop. Die Anbieter, meist Unternehmen, wollen ihren Gewinn maximieren; die Nachfrager, meist private Haushalte, ihren Nutzen.
Definition
Wie viel Einfluss der einzelne auf den Preis hat, hängt von der ab – vor allem von der Zahl der Anbieter:
| Marktform | Anbieter | Nachfrager | Spielraum beim Preis |
|---|---|---|---|
| viele | viele | keiner – der Preis ergibt sich am Markt | |
| wenige | viele | groß, aber die Konkurrenz reagiert | |
| einer | viele | der Anbieter legt ihn selbst fest |
Auch auf der Nachfrageseite kann es wenige oder nur einen geben, etwa wenn ein einziger Staat Kampfflugzeuge kauft (Nachfragemonopol).
Beispiel aus dem Alltag
Pausenbrot in der Schule
Gibt es in der Schule nur einen Kiosk und darf niemand das Gelände verlassen, ist er für die Pause ein Monopolist: Er kann die Brezel für 1,50 € verkaufen, auch wenn sie beim Bäcker 90 Cent kostet. Liegen rund um die Schule zehn Bäckereien, ist der Markt ein Polypol – verlangt eine 1,50 €, gehen alle zur nächsten.
Merksatz
Viele, wenige, einer – Polypol, Oligopol, Monopol; je weniger Anbieter, desto mehr Macht über den Preis.
Der vollkommene Markt – ein Modell
Definition
Der vollkommene Markt ist ein gedachtes Idealmodell. Auf ihm gibt es für ein Gut nur einen einheitlichen Preis. Dafür müssen fünf Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:
- – die Angebote unterscheiden sich in nichts außer im Preis.
- Keine – weder für eine Marke (sachlich), eine Person (persönlich), einen Ort (räumlich) noch einen Zeitpunkt (zeitlich).
- Vollständige – alle kennen alle Preise und Angebote.
- Sofortige Reaktion – auf jede Preisänderung wird ohne Verzögerung reagiert.
- Ein Ort, eine Zeit – Angebot und Nachfrage treffen gleichzeitig an einem Punkt aufeinander.
Definition
Ist auch nur eine Bedingung verletzt, ist der Markt unvollkommen. Dann kann dasselbe Gut bei verschiedenen Anbietern Unterschiedliches kosten – fast alle realen Märkte sind so.
Beispiel aus der Praxis
Börse und Wohnungsmarkt
Die Börse kommt dem Modell am nächsten: Eine Aktie ist wie die andere, alle Kurse stehen in Echtzeit im Netz, Aufträge laufen in Sekunden, gehandelt wird über ein zentrales System.
Der Wohnungsmarkt einer Großstadt ist das Gegenteil: Keine Wohnung gleicht der anderen (nicht homogen), Mieter wollen in bestimmte Stadtteile (räumliche Präferenz), niemand überblickt alle Angebote (keine Transparenz), und ein Umzug braucht Monate (keine sofortige Reaktion).
Schritt für Schritt
Ist der Weizenmarkt einer Region vollkommen?
Rund 400 Höfe verkaufen ihren Weizen über eine regionale Getreidebörse an Mühlen. Gehandelt wird Weizen einer festgelegten Qualitätsstufe; die Preise stehen für alle sichtbar auf der Plattform. Prüfe die fünf Annahmen.
Homogene Güter?
Ergebnis:ja – eine Qualitätsstufe, ein Korn wie das andere
Keine Präferenzen?
Ergebnis:weitgehend – nur die Entfernung zur Mühle (Transportkosten) kann zählen
Markttransparenz?
Ergebnis:ja – alle Preise stehen auf der Plattform
Sofortige Reaktion und ein Marktplatz?
Ergebnis:ja – gehandelt wird gleichzeitig über eine Börse
Ergebnis.
Ergebnis:nahezu vollkommen – solche Märkte kommen dem Modell am nächsten; der Preis ist fast überall gleich
Typischer Fehler
Viele Anbieter für einen halten. Auch auf einem können die Güter verschieden sein oder die Käufer Vorlieben haben – zehn Friseure in einer Straße bilden ein Polypol, aber einen . Die sagt nur, wie viele es sind, nicht, ob der Markt vollkommen ist.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 4), Abitur 2016
Die Annahmen des vollkommenen Marktes nennen und an einem realen Markt (Weizen, Wohnungen) prüfen, welche davon erfüllt sind.
Merksatz
Homogen, keine Präferenzen, transparent, sofort, ein Ort – fehlt eine Bedingung, ist der Markt unvollkommen.
Was der Preis leistet
Definition
Der Marktpreis ist mehr als eine Zahl auf dem Schild. Er erfüllt fünf :
| Funktion | Was der Preis tut | Beispiel |
|---|---|---|
| Ausgleich | bringt angebotene und nachgefragte Menge zusammen | bei 6 € werden alle Erdbeeren verkauft |
| Signal | zeigt an, wie knapp ein Gut ist | Holzpreis steigt nach einem Sturmwinter |
| Lenkung | leitet Produktion und Kauf dorthin, wo Knappheit herrscht | Waldbesitzer schlagen mehr Holz |
| Erziehung | hält Anbieter zu niedrigen Kosten und Käufer zum Sparen an | Bäcker suchen günstigere Öfen |
| Auslese | lässt Anbieter ausscheiden, deren Kosten dauerhaft über dem Preis liegen | ein teurer Stand gibt auf |
Typischer Fehler
Signal und Lenkung verwechseln. Das Signal ist die Information („Holz ist knapp“), die Lenkung die Reaktion darauf („mehr Holz wird geschlagen, weniger verbaut“). Oft wirken beide nacheinander.
Achtung
Die Auslesefunktion heißt im Klassenheft Selektionsfunktion – gemeint ist dasselbe. Manche Bücher zählen die Erziehung nicht als eigene Funktion, sondern als Teil der Auslese.
Merksatz
Der Preis gleicht aus, signalisiert, lenkt, erzieht und liest aus.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Ordne die zu: (a) Vier Konzerne liefern fast alle Smartphones in Deutschland. (b) Hunderte Imkereien verkaufen Honig an viele Läden. (c) Nur ein Unternehmen darf in einer Stadt das Trinkwasser liefern.
Lösung anzeigen
- (a) – wenige Anbieter, viele Nachfrager
- (b) – viele Anbieter, viele Nachfrager
- (c) – ein Anbieter
Übung 2Anwendung
Auf einem Weihnachtsmarkt verkaufen zwölf Stände Glühwein. Prüfe anhand von drei Annahmen, ob der Glühweinmarkt ein ist.
Lösung anzeigen
Nein – mehrere Annahmen sind verletzt, zum Beispiel:
- Homogenität: Der Glühwein schmeckt an jedem Stand anders, manche bieten Bio-Wein oder Tassen mit Motiv.
- : Man kauft beim Stand der Freunde (persönlich) oder dort, wo man gerade steht (räumlich).
- Transparenz: Wer nicht über den ganzen Markt läuft, kennt nicht alle Preise.
Deshalb kostet die Tasse an einem Stand 3,50 €, am anderen 4,50 € – auf einem vollkommenen Markt gäbe es nur einen Preis.
Übung 3Klausurniveau
Nach einer Missernte steigt der Preis für Olivenöl innerhalb eines Jahres stark an. Erläutere an diesem Beispiel drei .
Lösung anzeigen
- Signal: Der hohe Preis zeigt Käufern und Erzeugern, dass Olivenöl knapp geworden ist.
- Lenkung: Käufer weichen auf Raps- oder Sonnenblumenöl aus, Erzeuger in anderen Ländern pflanzen mehr Olivenbäume – Nachfrage und Produktion werden umgelenkt.
- Ausgleich: Beim höheren Preis kaufen nur noch so viele Olivenöl, wie vorhanden ist; der Markt wird trotz Knappheit geräumt.
Auch möglich: Erziehung – Haushalte gehen sparsamer mit Olivenöl um; Auslese – Händler mit hohen Kosten geben auf, weil sie zum Marktpreis nicht mehr mithalten können.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- Ein Markt bringt Anbieter (Gewinnmaximierung) und Nachfrager (Nutzenmaximierung) zusammen.
- nach der Zahl der Anbieter: (viele), (wenige), (einer).
- : , keine , Transparenz, sofortige Reaktion, ein Ort und eine Zeit – dann gibt es nur einen Preis.
- : Ausgleich, Signal, Lenkung, Erziehung, Auslese.
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