Abschnitt 1.4
Das Marktgleichgewicht
Das kannst du danach
- Du bestimmst Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge rechnerisch und beschreibst sie grafisch.
- Du erklärst Angebots- und Nachfrageüberschuss und wie der Markt zum Gleichgewicht findet.
- Du leitest ab, wie sich Verschiebungen von Angebot oder Nachfrage auf Preis und Menge auswirken.
Worum es geht
Um sieben Uhr verlangen die Höfe auf dem Wochenmarkt 7 € für das Kilo Erdbeeren. Gegen neun stapeln sich die Schalen, viele Kundinnen gehen weiter. Die ersten Stände senken auf 6,50 €, dann auf 6 € – und plötzlich wird alles verkauft, niemand bleibt auf Ware sitzen, und niemand geht leer aus. Ohne Absprache haben Angebot und Nachfrage einen Preis gefunden, der den Markt räumt.
Wo sich Angebot und Nachfrage treffen
Definition
Im ist die angebotene Menge genau so groß wie die nachgefragte. Im Diagramm ist das der Schnittpunkt von Angebots- und : Er zeigt den und die .
Formel
Gleichgewicht rechnen
a − b · p = −c + d · p → p* = (a + c) ÷ (b + d)
Den Preis p* in eine der beiden Funktionen einsetzen ergibt die Gleichgewichtsmenge; die andere dient als Probe.
Schritt für Schritt
Der Erdbeermarkt am Samstag
Nachfrage x(p) = 1.000 − 100p, Angebot x(p) = −200 + 100p (x in kg, p in € je kg). Bestimme Gleichgewichtspreis und -menge.
Funktionen gleichsetzen.
Ergebnis:1.000 − 100p = −200 + 100p
Nach p auflösen.
Ergebnis:1.200 = 200p → p = 6 €
In die Nachfrage einsetzen.
Ergebnis:x = 1.000 − 600 = 400 kg
Probe mit dem Angebot.
Ergebnis:−200 + 600 = 400 kg ✓
Über dem Gleichgewicht bleibt Ware liegen, darunter gehen Kunden leer aus – beides drückt den Preis zu 6 €.
Wer kommt zum Zug? Beim Gleichgewichtspreis von 6 € kaufen alle, die mindestens 6 € zahlen wollen, und verkaufen alle, die mit 6 € auskommen. Käufer, deren Höchstpreis darunter liegt, und Anbieter, die mehr verlangen müssten, gehen leer aus.
Merksatz
Gleichsetzen, nach p auflösen, einsetzen, Probe – der Schnittpunkt räumt den Markt.
Wenn der Preis nicht stimmt
Definition
Liegt der Preis über dem Gleichgewicht, wird mehr angeboten als nachgefragt – ein . Die Anbieter bleiben auf Ware sitzen und senken die Preise.
Definition
Liegt der Preis unter dem Gleichgewicht, wollen mehr kaufen, als angeboten wird – ein . Wer leer ausgeht, ist bereit, mehr zu zahlen; der Preis steigt.
Schritt für Schritt
Überschüsse auf dem Erdbeermarkt
Wie groß ist der Überschuss bei 7 € und bei 5 € je Kilo, und in welche Richtung bewegt sich der Preis?
Mengen bei 7 €.
Ergebnis:Nachfrage 1.000 − 700 = 300 kg; Angebot −200 + 700 = 500 kg
Überschuss bei 7 €.
Ergebnis:500 − 300 = 200 kg Angebotsüberschuss – der Preis sinkt
Mengen bei 5 €.
Ergebnis:Nachfrage 500 kg; Angebot 300 kg
Überschuss bei 5 €.
Ergebnis:500 − 300 = 200 kg Nachfrageüberschuss – der Preis steigt
Beispiel aus dem Alltag
Konzertkarten in fünf Minuten ausverkauft
Eine Band verkauft 8.000 Karten zu 45 €, aber 30.000 Fans wollen hin: ein riesiger Nachfrageüberschuss. Weil der Preis fest bleibt, regelt nicht er, wer eine Karte bekommt, sondern die Schnelligkeit beim Klicken – und auf Wiederverkaufsplattformen tauchen die Karten für das Dreifache auf. Dort zeigt sich der Preis, der den Markt geräumt hätte.
Typischer Fehler
Angebots- und Nachfrageüberschuss vertauschen. Ein Preis über dem Gleichgewicht macht das Gut für Anbieter attraktiv und für Käufer teuer – also bleibt Angebot übrig. Merkhilfe: Der Überschuss heißt nach der Seite, die zu viel hat.
Merksatz
Preis zu hoch → Angebotsüberschuss, Preis sinkt; Preis zu niedrig → Nachfrageüberschuss, Preis steigt.
Wenn sich eine Kurve verschiebt
Drei Fragen klären jede Situation: Welche Kurve ist betroffen? In welche Richtung verschiebt sie sich? Was passiert im neuen Schnittpunkt?
| Verschiebung | ||
|---|---|---|
| Nachfrage nach rechts | steigt | steigt |
| Nachfrage nach links | sinkt | sinkt |
| Angebot nach rechts | sinkt | steigt |
| Angebot nach links | steigt | sinkt |
Nach dem Hagel kommen bei jedem Preis 200 kg weniger auf den Markt – der Preis steigt, die Menge sinkt.
Schritt für Schritt
Hagel über den Erdbeerfeldern
Ein Hagelschauer vernichtet einen Teil der Ernte. Das Angebot lautet jetzt x(p) = −400 + 100p, die Nachfrage bleibt x(p) = 1.000 − 100p. Wie verändert sich das Gleichgewicht?
Welche Kurve, welche Richtung?
Ergebnis:Angebot – bei jedem Preis 200 kg weniger, also nach links
Neues Gleichgewicht berechnen.
Ergebnis:1.000 − 100p = −400 + 100p → 1.400 = 200p → p = 7 €
Neue Menge.
Ergebnis:1.000 − 700 = 300 kg (Probe: −400 + 700 = 300)
Ergebnis.
Ergebnis:Preis +1 € (6 € → 7 €), Menge −100 kg (400 → 300 kg)
Beispiel aus der Praxis
Ein Erdbeer-Trend im Netz
Ein Video mit Erdbeer-Desserts geht viral; bei jedem Preis wollen 300 kg mehr gekauft werden: x(p) = 1.300 − 100p. Die Nachfrage verschiebt sich nach rechts. Neues Gleichgewicht: 1.300 − 100p = −200 + 100p → p = 7,50 €, x = 550 kg – Preis und Menge steigen beide.
Typischer Fehler
Bei jedem Ereignis beide Kurven verschieben. Ein Hagel trifft die Anbieter, nicht die Käufer: Nur das Angebot verschiebt sich. Dass danach weniger gekauft wird, ist eine Bewegung auf der unveränderten .
Achtung
Verschieben sich beide Kurven zugleich, ist eine der beiden Größen ohne Zahlen nicht bestimmbar: Steigen Angebot und Nachfrage, steigt die Menge sicher, der Preis kann steigen, fallen oder gleich bleiben. Wie stark sich Preis und Menge bei einer Verschiebung ändern, hängt von der Steilheit der anderen Kurve ab – das ist Thema der .
Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 4), Abitur 2016, Klausur J1 2024/25
Das rechnerisch und grafisch bestimmen, Überschüsse bei einem anderen Preis angeben und die Folgen einer Angebots- oder Nachfrageverschiebung – etwa durch eine Sanierungspflicht oder eine Missernte – für Preis und Menge erklären.
Merksatz
Nachfrage und Preis bewegen sich gleich, Angebot und Preis entgegen.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Auf dem Markt für Fahrradhelme gelten die Nachfrage x(p) = 180 − 4p und das Angebot x(p) = −36 + 5p (x in Tausend Stück, p in €). Berechne und -menge.
Lösung anzeigen
- 180 − 4p = −36 + 5p → 216 = 9p → p = 24 €
- x = 180 − 96 = 84 Tausend Helme (Probe: −36 + 120 = 84)
Übung 2Anwendung
Mit den Daten der vorigen Übung wird der Helm für 28 € angeboten. Was liegt vor, wie groß ist es, und wie reagiert der Markt?
Lösung anzeigen
- Nachfrage: 180 − 112 = 68; Angebot: −36 + 140 = 104 (jeweils Tausend Stück)
- von 36.000 Helmen: Händler bleiben auf Helmen sitzen und senken die Preise, bis wieder 24 € erreicht sind.
Übung 3Klausurniveau
Eine Helmpflicht für Radfahrende wird eingeführt, und gleichzeitig senkt ein neues Spritzgussverfahren die Kosten. Neue Funktionen: Nachfrage x(p) = 228 − 4p, Angebot x(p) = −36 + 7p. Berechne das neue Gleichgewicht und erkläre, warum sich der Preis nicht geändert hat.
Lösung anzeigen
- 228 − 4p = −36 + 7p → 264 = 11p → p = 24 €; x = 228 − 96 = 132 Tausend Helme
- Die Nachfrage verschiebt sich nach rechts (Helmpflicht), das Angebot ebenfalls (niedrigere Kosten). Die Menge steigt in beiden Fällen, der Preis würde durch die Nachfrage steigen und durch das Angebot sinken. Hier heben sich beide Wirkungen genau auf – mit anderen Zahlen hätte der Preis auch steigen oder fallen können.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- : angebotene = nachgefragte Menge, Schnittpunkt der Kurven; rechnen: gleichsetzen, nach p auflösen, einsetzen, Probe.
- Preis über dem Gleichgewicht → , Preis sinkt; darunter → , Preis steigt.
- Nachfrage rechts → Preis und Menge steigen; Angebot rechts → Preis sinkt, Menge steigt (links jeweils umgekehrt).
- Verschieben sich beide Kurven, ist eine Größe ohne Zahlen offen.
Verknüpfte Themen
Lies weiter
Bereit? 2 Lektionen warten im Lernpfad.
Jetzt üben