Abschnitt 1.7
Lagerhaltung und Bestellverfahren
Das kannst du danach
- Du nennst die Funktionen eines Lagers und ordnest Beispiele zu.
- Du vergleichst Festplatzsystem und chaotische Lagerung.
- Du erklärst Mindest-, Melde- und Höchstbestand und berechnest Melde- und Höchstbestand.
- Du unterscheidest Bestellpunkt- und Bestellrhythmusverfahren und wählst das passende Verfahren.
Worum es geht
Einkauf, Herstellung und Verkauf laufen selten im selben Takt: Mehl kommt mit dem Lkw in großen Mengen, gebacken wird jeden Tag, und vor Weihnachten gehen doppelt so viele Plätzchen über die Theke. Das Lager gleicht diese Unterschiede aus. Damit es weder leerläuft noch überquillt, braucht es klare Regeln: wie viel liegen bleibt und wann nachbestellt wird.
Wozu ein Lager dient
Definition
Ein Lager ist ein Ort, an dem Material oder Waren aufbewahrt werden, bis sie gebraucht oder verkauft werden. Es überbrückt Unterschiede in Zeit und Menge zwischen Beschaffung, Produktion und Absatz.
| Funktion | Was das Lager leistet | Beispiel |
|---|---|---|
| Sicherungsfunktion | schützt vor Lieferverzug und unerwartet hohem Bedarf | Reserve an Mehl, falls der Lkw im Schnee stecken bleibt |
| Ausgleichsfunktion (Pufferfunktion) | gleicht aus, dass große Lieferungen auf gleichmäßigen Verbrauch treffen – oder gleichmäßige Herstellung auf saisonalen Verkauf | Plätzchen werden ab Oktober vorproduziert |
| Spekulationsfunktion | Vorrat, um Rabatte oder niedrige Preise vor einer Preiserhöhung zu nutzen | Butter kaufen, bevor der Preis steigt |
| Veredelungsfunktion | das Gut wird durch die Lagerung besser | Sauerteig reift, Käse und Wein entwickeln Aroma, Holz trocknet |
Beispiel aus dem Alltag
Der Kleiderschrank
Der Winterpullover liegt im Sommer im Schrank (Ausgleich zwischen Kauf und Gebrauch), Ersatzsocken für den Fall der Fälle (Sicherung), die im Schlussverkauf gekaufte Jacke (Spekulation). Nur veredelt wird im Kleiderschrank leider nichts.
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Funktionen der Lagerhaltung nennen und erläutern.
Wo was hinkommt – Festplatz oder chaotisch
| (Freiplatzsystem) | ||
|---|---|---|
| Prinzip | jeder Artikel hat seinen festen Platz | jede Lieferung kommt auf den nächsten freien Platz, die Software merkt sich den Ort |
| Vorteile | einfach, auch ohne Computer übersichtlich; Mitarbeitende finden Ware „blind“ | Platz wird gut genutzt, kurze Wege, flexibel bei schwankenden Mengen |
| Nachteile | Plätze bleiben leer, wenn wenig da ist; viel Fläche nötig | ohne funktionierende Software findet niemand etwas; Aufwand für Technik |
| passt zu | wenigen Artikeln, gleichbleibenden Mengen, kleinen Betrieben | vielen Artikeln, stark schwankenden Mengen, großen Versandlagern |
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Lagerordnungssysteme darstellen – also Festplatzsystem und chaotische Lagerung mit Vor- und Nachteilen.
Mindest-, Melde- und Höchstbestand
Definition
Der (auch Sicherheitsbestand oder eiserner Bestand) ist eine Reserve für Störungen, etwa verspätete Lieferungen. Im Normalfall wird er nicht angegriffen.
Definition
Der (Bestellpunkt) ist der Bestand, bei dem bestellt wird. Er ist so hoch, dass der Vorrat bis zum Eintreffen der Lieferung reicht, ohne den Mindestbestand anzugreifen.
Definition
Der ist die Obergrenze, bis zu der das Lager gefüllt wird – begrenzt durch Lagerfläche, oder Haltbarkeit.
Formel
Meldebestand
Meldebestand = Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Mindestbestand
(Lieferzeit) in Tagen – von der Bestellung, bis das Material einsatzbereit ist.
Formel
Höchstbestand
Höchstbestand = Mindestbestand + Bestellmenge
gilt, wenn beim Meldebestand bestellt wird und pünktlich geliefert wird
Schritt für Schritt
Mehl in der Großbäckerei Lindner
Die Großbäckerei Lindner verbraucht täglich 800 kg Mehl. Die Mühle liefert 3 Tage nach der Bestellung. Als Reserve sollen 1.200 kg im Lager bleiben. Bestellt werden jeweils 6.400 kg. Am Tag 0 ist das Lager voll.
Meldebestand berechnen.
Ergebnis:800 kg × 3 + 1.200 kg = 3.600 kg
Höchstbestand berechnen.
Ergebnis:1.200 kg + 6.400 kg = 7.600 kg
Wie lange reicht eine Lieferung? Daraus folgt der Bestellrhythmus.
Ergebnis:6.400 kg ÷ 800 kg = alle 8 Tage
Wann wird zum ersten Mal bestellt?
Ergebnis:(7.600 kg − 3.600 kg) ÷ 800 kg = am Tag 5
Kontrolle – Bestand beim Eintreffen der Lieferung an Tag 8.
Ergebnis:7.600 kg − 8 × 800 kg = 1.200 kg = Mindestbestand ✓
Der Sägezahn – bestellt wird am Meldebestand, geliefert, wenn der Mindestbestand erreicht ist.
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Den Lagerbestandsverlauf skizzieren und Sicherheits-, Melde- und Höchstbestand sowie den Bestellrhythmus berechnen.
Typischer Fehler
Den Mindestbestand im Meldebestand vergessen (hier 2.400 kg statt 3.600 kg) oder den Monats- statt den Tagesverbrauch einsetzen. Steht nur ein Monats- oder Jahresverbrauch in der Aufgabe, zuerst auf einen Tag umrechnen – mit den Arbeitstagen, die die Aufgabe nennt.
Bestellpunkt- oder Bestellrhythmusverfahren
| Wann bestellt? | sobald der erreicht ist | zu festen Terminen, z. B. alle 14 Tage |
| Wie viel? | meist feste Menge | fest oder so viel, dass das Lager nach der Lieferung wieder den erreicht |
| Vorteile | reagiert auf Schwankungen im Verbrauch; Lager läuft seltener leer | gut planbar, Bestellungen lassen sich bündeln |
| Nachteile | Bestand muss laufend überwacht werden (heute per Software) | bei steigendem Verbrauch droht ein Engpass vor dem nächsten Termin |
| passt zu | wichtigen Teilen mit schwankendem Verbrauch | Material mit gleichmäßigem Verbrauch, festen Liefertagen |
Beispiel aus der Praxis
Brötchentüten und Mehl
Lindner bestellt Brötchentüten jeden zweiten Montag beim Großhändler (Bestellrhythmus) – der Verbrauch ist gleichmäßig, die Tüten sind billig, und der Großhändler liefert ohnehin montags. Für Mehl gilt das Bestellpunktverfahren: Die Lagersoftware meldet, sobald 3.600 kg unterschritten sind.
Merksatz
Bestellpunkt: Die Menge im Lager entscheidet, wann bestellt wird. Bestellrhythmus: Der Kalender entscheidet.
Wenn die Lieferung zu spät kommt
Kommt eine Lieferung später als geplant, sinkt der Bestand unter den – im Sägezahn fällt die Linie unter die untere Grenze. Reicht auch die Reserve nicht, entsteht eine Fehlmenge: Die Produktion steht, Aufträge platzen. Der des Lagers (Anteil der sofort erfüllten Anforderungen) sinkt.
Was hilft:
- einen höheren Mindestbestand halten (kostet und ),
- früher bestellen, also mit einer realistischeren, längeren Lieferzeit rechnen,
- einen zuverlässigeren Lieferanten wählen oder einen zweiten aufbauen (Double Sourcing),
- den Verbrauch besser planen.
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Aus einer Skizze des Lagerbestands beim die Situation hinsichtlich des Servicegrades analysieren und Lösungsvorschläge entwickeln.
Typischer Fehler
„Einfach den erhöhen.“ Das macht das Lager voller, schützt aber nicht vor einer späten Lieferung. Entscheidend ist, wann bestellt wird und wie groß die Reserve ist.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Täglicher Verbrauch 60 Stück, 4 Tage, 120 Stück. Berechne den .
Lösung anzeigen
Meldebestand = 60 × 4 + 120 = 360 Stück.
Übung 2Anwendung
Ein Betrieb verbraucht im Monat 1.100 Verpackungsrollen und arbeitet an 22 Tagen im Monat. Die Lieferzeit beträgt 6 Arbeitstage, als gelten 3 Tagesverbräuche. Bestellt werden jeweils 1.500 Rollen. Berechne Mindest-, Melde- und .
Lösung anzeigen
- Tagesverbrauch: 1.100 ÷ 22 = 50 Rollen
- Mindestbestand: 3 × 50 = 150 Rollen
- : 50 × 6 + 150 = 450 Rollen
- Höchstbestand: 150 + 1.500 = 1.650 Rollen
Übung 3Klausurniveau
Bei Lindner kommt die Mehllieferung, die am Tag 13 bestellt wurde, erst nach 5 statt 3 Tagen. Beschreibe, was im Lager passiert, und entwickle zwei Vorschläge.
Lösung anzeigen
Bis Tag 16 sinkt der Bestand planmäßig auf 1.200 kg. Weil die Lieferung erst an Tag 18 kommt, wird zwei Tage lang die Reserve verbraucht: 1.200 kg − 2 × 800 kg = −400 kg. Die Reserve reicht also nur 1,5 Tage, am letzten halben Tag fehlen 400 kg Mehl – es entsteht eine Fehlmenge, und der des Lagers sinkt.
Vorschläge:
- erhöhen, z. B. auf 2.800 kg (zwei Tage Verzug plus bisherige Reserve). Nachteil: mehr und .
- Mit der Mühle verhandeln (Vertragsstrafe bei Verspätung) oder einen zweiten Lieferanten aufbauen.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- Das Lager erfüllt Sicherungs-, Ausgleichs-, Spekulations- und Veredelungsfunktion.
- Festplatz: einfach, aber Platz bleibt leer. Chaotisch: platzsparend, aber abhängig von der Software.
- = Tagesverbrauch × + ; = Mindestbestand + Bestellmenge.
- : bestellen beim Meldebestand. : bestellen zu festen Terminen.
- Verspätungen greifen den Mindestbestand an; reicht er nicht, entstehen Fehlmengen.
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