Abschnitt 2.1
Kosten, Leistungen und Abgrenzung
Das kannst du danach
- Du unterscheidest Aufwand und Ertrag der Finanzbuchhaltung von Kosten und Leistungen der Kosten- und Leistungsrechnung.
- Du erkennst neutrale Aufwendungen und Erträge (betriebsfremd, außerordentlich, periodenfremd).
- Du erklärst Grund-, Anders- und Zusatzkosten und nennst die wichtigsten kalkulatorischen Kosten.
- Du ermittelst in einer Abgrenzungsrechnung Kosten, Leistungen, Betriebsergebnis und neutrales Ergebnis.
Worum es geht
Die Buchhaltung meldet 138.000 € Gewinn – läuft das Geschäft also gut? Nicht unbedingt. Ein Teil des Gewinns kann aus Zinsen oder dem Verkauf einer alten Maschine stammen. Und manches fehlt ganz: Arbeitet der Inhaber ohne Gehalt mit, taucht seine Arbeit nirgends auf. Die rechnet deshalb nur mit dem, was der eigentliche Betrieb verursacht, und ergänzt, was in der Buchhaltung fehlt. Erst dann zeigt sich, was das Kerngeschäft wirklich einbringt.
Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung
Jedes Unternehmen rechnet zweimal – mit unterschiedlichem Ziel:
| Teil des Rechnungswesens | extern | intern |
| für wen? | Finanzamt, Banken, Eigentümer | Unternehmensleitung |
| Regeln | Handels- und Steuerrecht | frei, nach Zweckmäßigkeit |
| rechnet mit | Aufwand und Ertrag | Kosten und Leistungen |
| Ergebnis | (Gewinn) | |
| wozu? | Jahresabschluss, Steuer | Preise kalkulieren, Bereiche kontrollieren |
Definition
sind alles, was Herstellung und Verkauf der Produkte verbrauchen – Material, Arbeitszeit, Maschinen, Energie, Räume –, in Euro bewertet. ist dagegen jeder Werteverzehr, den die Finanzbuchhaltung erfasst, auch wenn er mit dem Betrieb nichts zu tun hat.
Definition
sind der Wert dessen, was der Betrieb hervorbringt: verkaufte Erzeugnisse und solche, die hergestellt wurden und noch auf Lager liegen. ist jeder Wertzuwachs, also auch Zinsen oder Mieteinnahmen.
Beispiel aus dem Alltag
Was kostet der Roller wirklich?
Mia führt ein Haushaltsbuch. Im Mai stehen dort 45 € Sprit, 12 € Versicherung, 30 € für ein Konzert und 20 € als Geschenk für ihren Bruder. Was kostet sie der Roller? Nur Sprit und Versicherung – Konzert und Geschenk sind Ausgaben, haben aber mit dem Roller nichts zu tun. Dafür fehlt etwas: Der Roller verliert jeden Monat an Wert. Will Mia in drei Jahren einen neuen kaufen, muss sie den Wertverlust einrechnen, obwohl dafür kein Geld fließt. Genau so trennt die KLR – und genau so ergänzt sie.
Neutraler Aufwand und neutraler Ertrag
Definition
ist Aufwand, der keine Kosten ist. Es gibt drei Arten:
- betriebsfremd – hat mit dem Betriebszweck nichts zu tun: Spenden, Kursverluste bei Wertpapieren
- außerordentlich – betrieblich, aber selten und ungewöhnlich: Brand- und Sturmschäden, große Diebstähle, der Verkauf einer Anlage unter Buchwert
- periodenfremd – gehört wirtschaftlich zu einem anderen Jahr: Steuernachzahlung für das Vorjahr
Auf der Ertragsseite gilt dasselbe: sind etwa Zinsen auf Geldanlagen und Mieten für Räume, die der Betrieb nicht nutzt (betriebsfremd), der Verkauf einer Maschine über Buchwert (außerordentlich) und eine Steuererstattung für ein früheres Jahr (periodenfremd).
Warum der Aufwand? Ein Brandschaden im Juni würde sonst die Kosten des Junis aufblähen, und jedes Angebot dieses Monats wäre zu teuer kalkuliert.
Typischer Fehler
Den Gewinn aus dem Verkauf einer alten Maschine als Leistung zählen. Leistungen entstehen aus dem Betriebszweck – Kerzen herstellen und verkaufen, nicht Maschinen. Der Gewinn über Buchwert ist ein neutraler Ertrag, ein Verlust unter Buchwert neutraler Aufwand.
Grund-, Anders- und Zusatzkosten
Definition
- – Aufwand, der in gleicher Höhe auch Kosten ist (aus Sicht der Buchhaltung heißt er Zweckaufwand): Material, Löhne, Energie.
- – Kosten, die die mit einem anderen Betrag ansetzt als die Buchhaltung den Aufwand.
- – Kosten, denen gar kein Aufwand gegenübersteht.
Anders- und Zusatzkosten heißen zusammen .
bleibt draußen, kalkulatorische Kosten kommen hinzu.
| kalkulatorische Kosten | Art | Grundgedanke |
|---|---|---|
| Anderskosten | vom und über die tatsächliche Nutzungsdauer statt nach Steuerrecht | |
| Anders- bzw. Zusatzkosten | auch das Eigenkapital könnte anderswo Zinsen bringen | |
| Zusatzkosten | Inhaber im Einzelunternehmen oder in der Personengesellschaft arbeiten ohne Gehalt | |
| Miete | Zusatzkosten | eigene Räume könnten vermietet werden |
Kalkulatorische Kosten sind reine Rechengrößen: Es fließt kein Geld, und sie ändern weder den Gewinn der noch die Steuer.
Beispiel aus der Praxis
Zwei Malerbetriebe im Vergleich
Die Malerwerkstatt Brenner GmbH zahlt ihrem Geschäftsführer 66.000 € Gehalt im Jahr – das ist Aufwand und Kosten. Malermeister Oskar Fendt führt seinen Betrieb als Einzelunternehmen und arbeitet genauso viel, bezieht aber kein Gehalt. Ohne kalkulatorischen Unternehmerlohn wirkt sein Betrieb um 66.000 € günstiger, und seine Angebote decken seine eigene Arbeit nicht. Mit dem Unternehmerlohn rechnen beide Betriebe vergleichbar.
Merksatz
Anders = anderer Betrag. Zusatz = gar kein Aufwand. Neutral = Aufwand, aber keine Kosten.
Die Abgrenzungsrechnung
Die trennt das der in zwei Teile: das aus der eigentlichen Tätigkeit und das .
Formel
Kosten aus dem Aufwand
Kosten = Aufwand − neutraler Aufwand − ersetzte bilanzielle Beträge + kalkulatorische Kosten
„Ersetzt“ heißt: Die bilanzielle Abschreibung fliegt heraus, die kalkulatorische kommt hinein – sonst stünde die Abschreibung doppelt in den Kosten.
Formel
Leistungen aus dem Ertrag
Leistungen = Erträge − neutrale Erträge
Formel
Betriebsergebnis
Betriebsergebnis = Leistungen − Kosten
Formel
Gesamtergebnis
Gesamtergebnis = Betriebsergebnis + neutrales Ergebnis
Schritt für Schritt
Die Kerzenmanufaktur Thalheim KG
Aus der Gewinn- und Verlustrechnung eines Jahres: Umsatzerlöse 740.000 €, Zinserträge 6.000 €, Gewinn aus dem Verkauf einer alten Gießmaschine über Buchwert 4.000 €. Aufwendungen: Material 260.000 €, Löhne und Gehälter 230.000 €, Abschreibungen 48.000 €, sonstige betriebliche Aufwendungen 62.000 €, Spende 5.000 €, Gewerbesteuernachzahlung für das Vorjahr 7.000 €.
Die setzt statt der bilanziellen eine von 56.000 € an und für den mitarbeitenden Komplementär einen von 54.000 €.
Gesamtergebnis der Finanzbuchhaltung.
Ergebnis:Erträge 750.000 € − Aufwendungen 612.000 € = 138.000 €
Leistungen – die herausnehmen.
Ergebnis:750.000 € − 6.000 € − 4.000 € = 740.000 €
– und bilanzielle Abschreibung herausnehmen.
Ergebnis:612.000 € − 5.000 € − 7.000 € − 48.000 € = 552.000 €
Kosten – hinzu.
Ergebnis:552.000 € + 56.000 € + 54.000 € = 662.000 €
Betriebsergebnis.
Ergebnis:740.000 € − 662.000 € = 78.000 €
Neutrales Ergebnis.
Ergebnis:138.000 € − 78.000 € = 60.000 €
In Prüfungen steht die Rechnung als Ergebnistabelle (Beträge in €). Links der Rechnungskreis I mit Aufwand und Ertrag, rechts der Rechnungskreis II mit Kosten und Leistungen, dazwischen die Abgrenzungen:
| Posten | Aufwand | Ertrag | neutr. Aufwand | neutr. Ertrag | Aufwand lt. FiBu | verrechnete Kosten | Kosten | Leistungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 740.000 | 740.000 | ||||||
| Zinserträge | 6.000 | 6.000 | ||||||
| Anlagenverkauf über Buchwert | 4.000 | 4.000 | ||||||
| Material | 260.000 | 260.000 | ||||||
| Löhne und Gehälter | 230.000 | 230.000 | ||||||
| Abschreibungen | 48.000 | 48.000 | 56.000 | 56.000 | ||||
| sonstige Aufwendungen | 62.000 | 62.000 | ||||||
| Spende | 5.000 | 5.000 | ||||||
| Steuernachzahlung | 7.000 | 7.000 | ||||||
| kalk. Unternehmerlohn | 54.000 | 54.000 | ||||||
| Summe | 612.000 | 750.000 | 12.000 | 10.000 | 48.000 | 110.000 | 662.000 | 740.000 |
| Ergebnis | +138.000 | −2.000 | +62.000 | +78.000 |
Die unternehmensbezogene Abgrenzung nimmt neutrale Posten heraus (−2.000 €). Die kostenrechnerischen Korrekturen zeigen, dass die KLR 62.000 € mehr Kosten verrechnet, als die Buchhaltung Aufwand bucht. Beides zusammen ist das neutrale Ergebnis: −2.000 € + 62.000 € = 60.000 €. Probe: 60.000 € + 78.000 € = 138.000 €.
Prüfungsrelevant · Klausurübung J1
Gesamt- und Betriebsergebnis aus einer Ergebnistabelle ermitteln und auswerten; begründen, warum einzelne Posten in Rechnungskreis I und II unterschiedlich hoch sind (bilanzielle gegen kalkulatorische Abschreibung, Unternehmerlohn ohne Aufwand).
Typischer Fehler
Die kalkulatorische Abschreibung zusätzlich zur bilanziellen ansetzen. Die kalkulatorische ersetzt die bilanzielle. Wer beide stehen lässt, rechnet die Abnutzung doppelt und macht das Betriebsergebnis zu schlecht.
Merksatz
Für Preise und Produkte zählt das Betriebsergebnis – für Steuer und Gewinnverteilung das Gesamtergebnis.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Ordne jeden Vorgang einer Getränkeabfüllung ein: , oder .
- Strom für die Abfüllanlage
- Spende an das Stadtfest
- für den mitarbeitenden Inhaber
- Nachzahlung von Kfz-Steuer für das Vorjahr
- Kronkorken für die Flaschen
- Verlust beim Verkauf eines alten Gabelstaplers unter Buchwert
Lösung anzeigen
- Grundkosten: 1 (Strom) und 5 (Kronkorken) – beides wird für die Abfüllung verbraucht.
- Neutraler Aufwand: 2 (betriebsfremd), 4 (periodenfremd), 6 (außerordentlich).
- Zusatzkosten: 3 – für die Arbeit des Inhabers gibt es keinen Aufwand, die setzt trotzdem Kosten an.
Übung 2Anwendung
Eine Polsterei hat Erträge von 420.000 €, davon 9.000 € , und Aufwendungen von 380.000 €, davon 14.000 € . Die bilanzielle Abschreibung von 22.000 € wird durch eine kalkulatorische von 26.000 € ersetzt, dazu kommt ein von 36.000 €. Ermittle Gesamtergebnis, Kosten, Leistungen, Betriebsergebnis und neutrales Ergebnis.
Lösung anzeigen
- : 420.000 € − 380.000 € = 40.000 €
- Kosten: 380.000 € − 14.000 € − 22.000 € + 26.000 € + 36.000 € = 406.000 €
- Leistungen: 420.000 € − 9.000 € = 411.000 €
- : 411.000 € − 406.000 € = 5.000 €
- : 40.000 € − 5.000 € = 35.000 €
Übung 3Klausurniveau
Ein Fahrradladen meldet laut Buchhaltung 25.000 € Gewinn. Die ergibt ein von −18.000 €. Der Inhaber sagt: „Die Kostenrechnung ist doch nur Theorie, wir verdienen Geld.“ Nimm Stellung.
Lösung anzeigen
Beide Zahlen können stimmen. Der Unterschied von 43.000 € ist das : Er kann aus stammen (etwa einem Grundstücksverkauf oder Mieten) und aus , die die Buchhaltung nicht kennt – vor allem dem des Inhabers.
Das negative Betriebsergebnis heißt: Das Kerngeschäft deckt seine Kosten nicht, wenn man die Arbeit des Inhabers und den Wertverlust der Ausstattung realistisch ansetzt. Der Inhaber arbeitet also faktisch unter Wert, oder der Gewinn hängt an Einnahmen, die sich nicht wiederholen. Er sollte Preise, Kosten und Sortiment prüfen. Die Kostenrechnung ist gerade für diese Frage gedacht – „Theorie“ ist sie nicht.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- Die rechnet mit Aufwand und Ertrag, die mit Kosten und Leistungen – nur dem, was der Betriebszweck verursacht.
- und Ertrag sind betriebsfremd, außerordentlich oder periodenfremd und bleiben aus der KLR draußen.
- = Zweckaufwand; = anderer Betrag; = kein Aufwand. Anders- und Zusatzkosten sind .
- Kosten = Aufwand − neutraler Aufwand − ersetzte bilanzielle Beträge + kalkulatorische Kosten; = Leistungen − Kosten.
- = Betriebsergebnis + (unternehmensbezogene Abgrenzung + kostenrechnerische Korrekturen).
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