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Abschnitt 2.1

Direkte Preiselastizität der Nachfrage

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du erklärst, was die direkte Preiselastizität misst, und berechnest sie aus zwei Preis-Mengen-Kombinationen.
  • Du deutest Elastizitätswerte (unelastisch, einheitselastisch, elastisch, vollkommen unelastisch/elastisch).
  • Du nennst Einflussfaktoren auf die Elastizität und verbindest sie mit der Steigung der Nachfragekurve.
  • Du beurteilst, wie Preisänderungen je nach Elastizität auf den Umsatz wirken, und leitest Folgen für Unternehmen und Staat ab.

Worum es geht

Die Apotheke am Marktplatz und der Dönerladen gegenüber erhöhen beide ihre Preise um zehn Prozent. In der Apotheke ändert sich kaum etwas – wer Fieber hat, kauft sein Medikament. Beim Dönerladen bleibt jeder vierte Gast weg, denn zwei Häuser weiter gibt es Pizza. Dass bei höheren Preisen weniger gekauft wird, wusste man schon. Neu ist die Frage: wie viel weniger – und ob sich die Preiserhöhung dann noch lohnt.

Wie stark reagiert die Menge?

Definition

Die setzt zwei Prozentwerte ins Verhältnis: die Änderung der nachgefragten Menge und die Änderung des eigenen Preises. Ein Wert von −2 heißt: Je Prozent Preisänderung bewegt sich die Menge um zwei Prozent in die Gegenrichtung. Sie misst nicht die Richtung – die kennt man aus dem –, sondern die Stärke der Reaktion.

Im Register

Formel

Direkte Preiselastizität der Nachfrage

E = (Δx ÷ x) ÷ (Δp ÷ p)

Δx = neue − alte Menge, Δp = neuer − alter Preis; x und p sind die alten Werte (Ausgangswerte).

Schritt für Schritt

Die Tageskarte der Kletterhalle

Eine Kletterhalle erhöht den Preis der Tageskarte von 12 € auf 15 €. Statt 800 kommen nur noch 680 Besucher in der Woche. Wie elastisch ist die Nachfrage?

  1. Prozentuale Mengenänderung – bezogen auf die alte Menge.

    Ergebnis:

    (680 − 800) ÷ 800 = −15 %

  2. Prozentuale Preisänderung – bezogen auf den alten Preis.

    Ergebnis:

    (15 − 12) ÷ 12 = +25 %

  3. – Mengenänderung oben, Preisänderung unten.

    Ergebnis:

    E = −15 % ÷ 25 % = −0,6

  4. Deuten – nach dem Betrag.

    Ergebnis:

    0,6 < 1 → unelastisch: Steigt der Preis um 1 %, sinkt die Menge nur um 0,6 %.

Formel

Preiselastizität bei linearer Nachfrage

E = −b · p ÷ x

Für x(p) = a − b · p, ausgewertet im Ausgangspunkt (p, x). Gilt genau, weil Δx ÷ Δp auf einer Geraden immer −b ist.

Schritt für Schritt

Ein Fahrradverleih mit Nachfragefunktion

Ein Fahrradverleih kennt seine Tagesnachfrage: x(p) = 300 − 10p (x in Rädern, p in € je Tag). Wie elastisch ist die Nachfrage beim heutigen Preis von 12 €?

  1. Menge beim Ausgangspreis.

    Ergebnis:

    x(12) = 300 − 120 = 180 Räder

  2. Elastizität mit b = 10.

    Ergebnis:

    E = −10 · 12 ÷ 180 ≈ −0,67

  3. Probe mit einem zweiten Punkt – 13 € statt 12 €.

    Ergebnis:

    x = 170: (−10 ÷ 180) ÷ (1 ÷ 12) = −5,6 % ÷ 8,3 % ≈ −0,67

  4. Deuten.

    Ergebnis:

    0,67 < 1 → unelastisch

Typischer Fehler

Auf die neuen Werte beziehen oder Zähler und Nenner tauschen. Wer bei der Kletterhalle durch 680 statt durch 800 teilt, erhält −17,6 % statt −15 %. Wer Preis durch Menge teilt (25 % ÷ −15 %), erhält −1,67 und hält eine für elastisch. Merke: Menge oben, Preis unten, alte Werte als Basis.

Achtung

Das Übungsblatt verlangt einmal „Mittelwerte als Basis“ (): Dann teilt man die Änderungen durch den Durchschnitt aus altem und neuem Wert. Für die Kletterhalle ergäbe das (−120 ÷ 740) ÷ (3 ÷ 13,5) ≈ −0,73 statt −0,6. Gerechnet wird mit den alten Werten, außer die Aufgabe verlangt Mittelwerte. Außerdem schreibt das Skript die Elastizität teils ohne Minuszeichen – gemeint ist dann der Betrag.

Prüfungsrelevant · Klausur J1 2024/25, Abitur 2026 (Aufgabe 6)

Die direkte Preiselastizität aus zwei Punkten einer Grafik oder aus berechnen und das Ergebnis deuten – etwa im oder für mehrere Käufergruppen im Vergleich.

Merksatz

E = % Mengenänderung ÷ % Preisänderung, beides bezogen auf die alten Werte; gedeutet wird der Betrag.

Elastisch oder unelastisch?

Definition

Ist der Betrag größer als 1, reagiert die Menge stärker als der Preis: . Liegt er zwischen 0 und 1, reagiert sie schwächer: .

Im Register

Betrag von EBezeichnungWas passiert
0Menge bleibt gleich – Kurve senkrecht
zwischen 0 und 1unelastischMenge reagiert schwächer als der Preis
genau 1Menge reagiert gleich stark
größer als 1elastischMenge reagiert stärker als der Preis
unendlichkleinste Preiserhöhung → niemand kauft – Kurve waagerecht

Gleiche Preiserhöhung um 20 % – auf der steilen Kurve fehlen 10 %, auf der flachen 40 % der Käufer.

Wovon hängt die ab?

  1. Art des Gutes: Lebensnotwendiges und Alltägliches wird unelastisch nachgefragt, Verzichtbares und Luxus elastisch.
  2. : Viele Alternativen machen die Nachfrage elastisch, Einzigartiges macht sie unelastisch.
  3. Anteil am Einkommen: Wer für ein Gut viel ausgibt, achtet stärker auf den Preis.
  4. Zeitraum: Kurzfristig fehlen oft Alternativen; langfristig wird die Nachfrage elastischer.
  5. Dringlichkeit: Was sofort gebraucht wird, wird unelastisch nachgefragt; was sich aufschieben lässt, elastisch.

Beispiel aus dem Alltag

Mensa und Kaffeeautomat

Das Tagesgericht der Mensa wird 50 Cent teurer – fast alle essen trotzdem dort, denn bis zum nächsten Imbiss sind es zehn Minuten (wenig Ersatz, Dringlichkeit). Der Kaffee am Automaten im Foyer wird ebenfalls 50 Cent teurer – und viele holen ihren Kaffee ab jetzt beim Bäcker gegenüber (gleichwertiger Ersatz direkt nebenan).

Beispiel aus der Praxis

Strompreis kurz- und langfristig

Ein Versorger erhöht den Strompreis deutlich. Im ersten Jahr verbrauchen die Haushalte kaum weniger: Kühlschrank, Herd und Licht laufen weiter, die Nachfrage ist unelastisch. Nach einigen Jahren sieht es anders aus – alte Geräte sind gegen sparsame getauscht, viele Dächer tragen eine Solaranlage. Über den längeren Zeitraum ist dieselbe Nachfrage deutlich elastischer.

Die Elastizität entscheidet mit, was eine Verschiebung bewirkt. Rückt das Angebot nach rechts, fällt bei unelastischer (steiler) Nachfrage vor allem der Preis, die Menge steigt kaum. Bei elastischer (flacher) Nachfrage steigt vor allem die Menge, der Preis fällt nur wenig.

Typischer Fehler

„Negativ heißt unelastisch.“ Das Minuszeichen sagt nur, dass Preis und Menge sich gegenläufig bewegen. Bei E = −2,5 ist die Nachfrage stark elastisch – entscheidend ist der Betrag.

Achtung

Das Skript liest die Elastizität an der Steigung ab: flach = elastisch, steil = unelastisch. Das stimmt, wenn man zwei Kurven im selben Punkt vergleicht wie in der Grafik. Auf einer Geraden ändert sich die Elastizität dagegen von Punkt zu Punkt, obwohl die Steigung gleich bleibt – siehe Elastizität und Umsatz.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 6), Klausur J1 2024/25, Klausurübung J1

Die mehrerer vergleichen; das Verhalten der Nachfrager unter Beachtung der Elastizität beschreiben; mit Diagrammen zeigen, wie eine Angebotszunahme bei steiler und bei flacher Nachfrage auf Preis und Menge wirkt.

Merksatz

Betrag unter 1 unelastisch, über 1 elastisch. Notwendig, einzigartig, billig, kurzfristig → unelastisch.

Elastizität und Umsatz

Formel

Umsatz

U = p · x

Umsatz, Erlös und Einnahmen meinen hier dasselbe – Preis mal verkaufte Menge.

Steigt der Preis, bringt jedes Stück mehr ein, aber es werden weniger Stück verkauft. Welcher Effekt überwiegt, sagt die :

NachfragePreiserhöhungPreissenkung
unelastisch (Betrag < 1)Umsatz steigtUmsatz sinkt
(Betrag = 1)Umsatz bleibt etwa gleichUmsatz bleibt etwa gleich
elastisch (Betrag > 1)Umsatz sinktUmsatz steigt

Deshalb arbeiten Unternehmen daran, die Nachfrage nach ihren Produkten unelastischer zu machen: Marke, Service und Werbung sollen den Eindruck erwecken, es gebe keinen gleichwertigen Ersatz. Je treuer die Kunden, desto größer der Spielraum für Preiserhöhungen.

Auf einer Geraden wandert die Elastizität – in der Mitte ist sie 1 und der Umsatz am größten.

Schritt für Schritt

Wann der Fahrradverleih mehr umsetzt

Nachfrage x(p) = 300 − 10p. Prüfe eine Preiserhöhung bei 12 € und eine Preissenkung bei 20 € und bestimme den umsatzmaximalen Preis.

  1. Bei 12 € ist die Nachfrage unelastisch (E ≈ −0,67) – Preis auf 14 € erhöhen.

    Ergebnis:

    12 · 180 = 2.160 € → 14 · 160 = 2.240 €, also +80 €

  2. Bei 20 € ist sie elastisch (E = −10 · 20 ÷ 100 = −2) – Preis auf 18 € senken.

    Ergebnis:

    20 · 100 = 2.000 € → 18 · 120 = 2.160 €, also +160 €

  3. Umsatzmaximum in der Mitte der Geraden – beim halben .

    Ergebnis:

    p = 300 ÷ (2 · 10) = 15 €, x = 150, U = 2.250 €

  4. Probe – dort ist die Nachfrage einheitselastisch.

    Ergebnis:

    E = −10 · 15 ÷ 150 = −1

Formel

Umsatzmaximaler Preis bei linearer Nachfrage

p = a ÷ (2 · b)

Für x(p) = a − b · p – die Hälfte des Prohibitivpreises; dort ist E = −1.

Beispiel aus der Praxis

Missernte – für alle Bauern oder für einen

Eine Dürre lässt die Kartoffelernte in ganz Europa um ein Fünftel schrumpfen. Weil Kartoffeln unelastisch nachgefragt werden, steigt der Preis viel stärker, als die Menge sinkt – die Bauern nehmen insgesamt mehr ein. Trifft der Hagel dagegen nur einen einzelnen Hof, bleibt der Marktpreis gleich, und dieser Hof verkauft einfach weniger: Sein Erlös sinkt.

Typischer Fehler

Mehr Umsatz mit mehr Gewinn verwechseln. Senkt der Fahrradverleih bei 20 € den Preis, steigt der Umsatz – aber er muss 20 Räder mehr bereitstellen, warten und reinigen. Ob der Gewinn steigt, hängt zusätzlich von den Kosten ab.

Prüfungsrelevant · Klausurübung J1

Mit der begründen, warum eine weltweite Missernte die Gesamterlöse der Landwirtschaft erhöhen, ein regionales Unwetter die Einnahmen der betroffenen Höfe aber senken kann.

Merksatz

Unelastisch – Preis rauf, Umsatz rauf. Elastisch – Preis runter, Umsatz rauf. Maximum bei E = −1.

Elastizität und Steuern

Eine Steuer auf ein Gut macht es teurer. Was der Staat damit erreicht, hängt von der ab:

NachfrageSteuereinnahmenLenkungswirkung (weniger Konsum)
unelastischhoch und stabil – die Menge bleibt fast gleichgering
elastischgering – die Menge bricht einstark

Ein Staat, der Geld einnehmen will, besteuert also unelastisch nachgefragte Güter wie Kraftstoff, Tabak oder Alkohol. Will er den Konsum senken, wirkt die Steuer nur dort stark, wo die Käufer ausweichen können.

Beispiel aus der Praxis

Die Zuckerabgabe in Großbritannien

Großbritannien erhebt seit 2018 eine Abgabe auf Softdrinks, gestaffelt nach dem Zuckergehalt. Viele Hersteller haben daraufhin ihre Rezepte geändert und weniger Zucker verwendet, um unter die Grenzen zu kommen – die Lenkung lief hier über das Angebot. Wer weiter stark gezuckerte Getränke trinkt, zahlt die Abgabe mit.

Typischer Fehler

„Bei bewirkt eine Steuer gar nichts.“ Unelastisch heißt nicht : Der Konsum sinkt – nur weniger stark als der Preis steigt. Dafür nimmt der Staat viel ein.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 4)

Eine Mengensteuer auf zuckerhaltige Getränke unter Berücksichtigung der beurteilen: Erreicht sie das Gesundheitsziel, oder bringt sie vor allem Einnahmen?

Merksatz

Unelastisch besteuert – viel Geld, wenig Lenkung. Elastisch besteuert – viel Lenkung, wenig Geld.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Eine Eisdiele erhöht den Preis je Kugel von 1,50 € auf 1,80 €. Statt 1.000 Kugeln verkauft sie an einem Samstag 850. Berechne die , deute sie und prüfe, wie sich der Umsatz ändert.

    Lösung anzeigen
    • Mengenänderung: (850 − 1.000) ÷ 1.000 = −15 %
    • Preisänderung: (1,80 − 1,50) ÷ 1,50 = +20 %
    • E = −15 % ÷ 20 % = −0,75 → Betrag unter 1: unelastisch
    • Umsatz: 1,50 · 1.000 = 1.500 € → 1,80 · 850 = 1.530 € – +30 €, wie bei zu erwarten.
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Konzertsaal kennt die Nachfrage nach Karten für ein Kammerkonzert: x(p) = 240 − 6p. Derzeit kostet eine Karte 25 €. Bestimme die bei 25 €, entscheide, ob der Saal den Preis erhöhen oder senken sollte, und berechne den umsatzmaximalen Preis.

    Lösung anzeigen
    • Menge bei 25 €: 240 − 150 = 90 Karten
    • E = −6 · 25 ÷ 90 ≈ −1,67 → elastisch: Eine Preissenkung erhöht den Umsatz.
    • Umsatzmaximum: p = 240 ÷ (2 · 6) = 20 €, x = 120, U = 2.400 € (bei 25 €: 2.250 €). Bei 20 € ist E = −6 · 20 ÷ 120 = −1.
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Freizeitpark verlangt 45 € Eintritt. Am Wochenende kommen 12.000 Gäste, die beträgt dort −0,4; unter der Woche kommen 2.500 Gäste bei einer Elastizität von −1,6. Die Geschäftsführung will den Umsatz steigern. Empfiehl für beide Zeiten eine Preisänderung um 10 %, rechne sie durch und beurteile, ob mehr Umsatz auch mehr Gewinn bedeutet.

    Lösung anzeigen
    • Wochenende (unelastisch): Preis +10 % auf 49,50 € → Menge −4 % auf 11.520 Gäste. Umsatz 540.000 € → 570.240 €, +30.240 €.
    • Unter der Woche (elastisch): Preis −10 % auf 40,50 € → Menge +16 % auf 2.900 Gäste. Umsatz 112.500 € → 117.450 €, +4.950 €.
    • Begründung: Am Wochenende kommen Familien, die den Ausflug lange geplant haben (Dringlichkeit, wenig Ersatz); unter der Woche sind es spontane Gäste mit vielen Alternativen.
    • Gewinn: Am Wochenende sinkt die Menge, und mit ihr sinken Kosten (Personal, Reinigung) – der Gewinn steigt sehr wahrscheinlich. Unter der Woche kommen 400 Gäste mehr; das lohnt sich, solange der zusätzliche Umsatz die zusätzlichen Kosten übersteigt. Weil die Fahrgeschäfte ohnehin laufen, sind diese Kosten meist gering.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • E = (Δx ÷ x) ÷ (Δp ÷ p) mit den alten Werten; bei x = a − b · p gilt E = −b · p ÷ x.
  • Betrag 0 / unter 1 / 1 / über 1 / unendlich: , unelastisch, , elastisch, .
  • Einflussfaktoren: Art des Gutes, , Anteil am Einkommen, Zeitraum, Dringlichkeit.
  • Umsatz = p · x: unelastisch → Preiserhöhung lohnt, elastisch → Preissenkung lohnt; Maximum bei E = −1, also bei p = a ÷ 2b.
  • Steuern: unelastisch → hohe Einnahmen, wenig Lenkung; elastisch → starke Lenkung, wenig Einnahmen.

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