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Abschnitt 1.3

Materialbereitstellung

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du unterscheidest Vorratsbeschaffung, Einzelbeschaffung und fertigungssynchrone Beschaffung.
  • Du erklärst Just in time und Just in sequence und nennst Voraussetzungen, Vor- und Nachteile.
  • Du beschreibst, wie das Kanban-System den Nachschub steuert.
  • Du erklärst Cross-Docking und unterscheidest die einstufige von der mehrstufigen Form.

Worum es geht

Material kann schon Wochen vorher im Lager liegen – oder erst in dem Moment ankommen, in dem es eingebaut wird. Je näher die Lieferung an den Verbrauch rückt, desto weniger Lager braucht man, desto genauer muss aber alles zusammenspielen. Diese Lernseite zeigt die Grundformen und die modernen Konzepte dazwischen.

Drei Grundformen

Definition

Die regelt, wie das Material zur Fertigung kommt: als (erst einlagern, dann verbrauchen), als (erst bestellen, wenn ein konkreter Auftrag da ist) oder fertigungssynchron (Lieferung genau dann, wenn das Material verarbeitet wird).

Im Register

VorratsbeschaffungEinzelbeschaffungfertigungssynchron
Lagergroßkeinesfast keines
Vorteilehohe Lieferbereitschaft, Mengenrabatte, Schutz vor Engpässenkeine , kein Restmaterialkaum und Lagerfläche, frisches Material
NachteileKapitalbindung, Lagerkosten, Schwund und VeraltenWartezeit, kaum RabatteAbhängigkeit vom Lieferanten, Stillstand bei Störungen
passt zugünstigen Teilen mit regelmäßigem Bedarf ()Sonderanfertigungen, unregelmäßigem Bedarfteuren Teilen mit gut planbarem Bedarf (AX-Güter)

Beispiel aus dem Alltag

Nudeln, Torte, Brötchen

Nudeln kauft man auf Vorrat – sie halten lange und kosten wenig (Vorratsbeschaffung). Die Geburtstagstorte bestellt man erst, wenn das Fest feststeht (Einzelbeschaffung). Und wer jeden Morgen frische Brötchen holt, die gleich gegessen werden, macht es fertigungssynchron.

Typischer Fehler

Einzelbeschaffung mit fertigungssynchroner Beschaffung verwechseln. Bei der Einzelbeschaffung wird für einen bestimmten Auftrag bestellt, oft mit Wartezeit. Fertigungssynchron heißt: laufende Serienfertigung, regelmäßige Lieferungen im Takt der Produktion.

Just in time

Definition

Bei (JIT, „gerade rechtzeitig“) liefert der Zulieferer die benötigte Menge zum benötigten Zeitpunkt an den benötigten Ort – oft mehrmals täglich direkt an die Montagelinie.

Im Register

Voraussetzungen: zuverlässige Lieferanten mit kurzen oder sehr sicheren Transportwegen; einwandfreie Qualität, weil für Eingangsprüfungen keine Zeit bleibt; laufender elektronischer Austausch der Produktionspläne; gleichmäßiger, gut planbarer Bedarf.

VorteileNachteile
kaum Lager, wenig Abhängigkeit vom Lieferanten
geringe und wenig Flächejede Störung (Stau, Streik, Unwetter) kann das Band stoppen
Probleme in der Qualität fallen sofort aufmehr Lkw-Fahrten und Verkehr, mehr CO₂
Lieferant muss selbst puffern und verlangt dafür höhere Preise

Typischer Fehler

„Bei Just in time gibt es gar kein Lager mehr.“ Das Lager verschwindet nicht, es verschiebt sich: zum Lieferanten oder auf die Straße. Lkw werden zum „rollenden Lager“.

Just in sequence

Definition

(JIS) erweitert : Die Teile kommen nicht nur pünktlich, sondern in genau der Reihenfolge, in der sie am Band eingebaut werden.

Im Register

Beispiel aus der Praxis

Sitze für die Nordtal Fahrzeugwerk AG

Am Band von Nordtal folgen ein Lieferwagen mit Stoffsitzen in Grau, einer mit Ledersitzen in Schwarz und einer mit Sitzheizung. Der Sitzhersteller bekommt die Reihenfolge einige Stunden vorher übermittelt und belädt seinen Lkw genau so. Am Band nimmt die Werkerin einfach den nächsten Sitz – ohne Suchen und Sortieren.

  • Vorteile: wie bei JIT, dazu kein Sortieren am Band, kaum Verwechslungen, Platz an der Linie gespart – besonders wertvoll bei Teilen mit vielen Varianten (Sitze, Stoßfänger, Cockpits).
  • Nachteile: noch engere Abhängigkeit, sehr kurze Vorlaufzeit; ein falsch sortiertes Teil stört sofort; verlangt kurze Wege, oft siedeln sich Lieferanten direkt neben dem Werk an.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026

Just in sequence und erklären sowie Vor- und Nachteile von Just in sequence erläutern.

Kanban – die Karte bestellt

Definition

(japanisch: Karte) steuert den Nachschub nach dem : Nachgeliefert wird nur, was tatsächlich verbraucht wurde. Ein leerer Behälter mit seiner Karte ist der Auftrag für eine feste Menge.

Im Register

Schritt für Schritt

Der Kreislauf mit zwei Behältern

An der Montagelinie von Nordtal stehen zwei Behälter mit je 200 Befestigungsclips. Verbraucht werden 50 Clips pro Stunde. Der Lieferant braucht 3 Stunden, bis ein voller Behälter zurück ist.

  1. Aus dem ersten Behälter wird entnommen, bis er leer ist.

    Ergebnis:

    nach 4 Stunden (200 ÷ 50)

  2. Der leere Behälter geht mit seiner Karte an den Lieferanten – die Karte nennt Teilenummer und Menge.

  3. Die Montage arbeitet mit dem zweiten Behälter weiter.

    Ergebnis:

    Er reicht 4 Stunden.

  4. Der Lieferant füllt den Behälter mit genau der Menge auf der Karte und bringt ihn zurück.

    Ergebnis:

    nach 3 Stunden – also bevor der zweite Behälter leer ist (noch 50 Clips übrig)

  5. Der Kreislauf beginnt von vorn, jetzt mit vertauschten Rollen.

Voraussetzungen: gleichmäßiger Verbrauch, genormte Behälter, feste Mengen je Karte, zuverlässige und nahe Lieferanten (die Lieferzeit muss kürzer sein als die Reichweite eines Behälters). Statt Papierkarten werden oft Barcodes oder Funkchips genutzt (E-Kanban).

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024), Abitur 2026

Voraussetzungen des Kanban-Konzepts erläutern; das Karten-Kanban-System erläutern.

Merksatz

Kanban: Leerer Behälter = Bestellung. Geliefert wird nur, was verbraucht wurde.

Cross-Docking – umladen statt einlagern

Definition

Beim schicken viele Lieferanten ihre Ware an einen Umschlagpunkt. Dort wird sie nicht eingelagert, sondern innerhalb weniger Stunden auf die Fahrzeuge zu den Empfängern verteilt.

Im Register

  • Einstufig: Die Lieferanten liefern schon fertig für jeden Empfänger zusammengestellt. Am Umschlagpunkt wird nur umgeladen.
  • Mehrstufig: Die Ware wird erst am Umschlagpunkt sortiert und für jeden Empfänger neu zusammengestellt (kommissioniert).

Vorteile: kaum Lagerbestände, volle Lkw statt vieler halbleerer Fahrten, schnelle Weitergabe. Voraussetzungen: genaue Zeitplanung und Datenaustausch zwischen allen Beteiligten.

Beispiel aus der Praxis

Die Supermarktkette

Zwanzig Hersteller liefern morgens an das Verteilzentrum einer Supermarktkette. Bis zum Mittag ist alles auf die Lkw zu den Filialen umgeladen – jede Filiale bekommt einen gemischten, vollen Lkw statt zwanzig kleiner Lieferungen.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Hersteller von Kühlaufbauten bestellt ein spezielles Kühlaggregat erst, wenn ein Kunde genau dieses Modell geordert hat. Welche Form der Bereitstellung ist das?

    Lösung anzeigen

    : bestellt wird erst bei einem konkreten Auftrag und nur in der benötigten Menge.

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Behälter fasst 120 Schrauben, verbraucht werden 30 Schrauben pro Stunde, der Nachschub dauert 5 Stunden. Reichen zwei Behälter? Begründe und mache einen Vorschlag.

    Lösung anzeigen

    Ein Behälter reicht 120 ÷ 30 = 4 Stunden. Der Nachschub dauert aber 5 Stunden – der zweite Behälter ist eine Stunde zu früh leer, die Montage steht.

    Vorschläge: größere Behälter (mindestens 150 Schrauben), einen dritten Behälter in den Kreislauf nehmen oder eine kürzere Lieferzeit vereinbaren.

  3. Übung 3Klausurniveau

    Nordtal will die Sitze künftig per beziehen. Der bisherige Sitzhersteller liegt 400 km entfernt. Beurteile das Vorhaben.

    Lösung anzeigen

    Dafür: Sitze gibt es in vielen Varianten – JIS spart das Sortieren und viel Platz an der Linie; es wird kaum Kapital in teuren Sitzen gebunden.

    Dagegen: JIS verlangt sehr kurze Vorlaufzeiten. Bei 400 km Entfernung reicht schon ein Stau, damit die richtigen Sitze nicht in der richtigen Reihenfolge ankommen – das Band steht. Das Risiko ist hoch.

    Empfehlung: JIS nur, wenn der Lieferant ein Montagewerk in Werksnähe einrichtet oder ein kleines Sequenzlager nahe am Werk betreibt. Sonst besser mit einem kleinen Puffer aus häufigen Varianten.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • (Lager, sicher, aber teuer), (bei Auftrag, kein Lager, aber Wartezeit), fertigungssynchron (im Takt der Fertigung, kaum Lager, aber hohe Abhängigkeit).
  • : richtige Menge, richtiger Zeitpunkt, richtiger Ort. : zusätzlich in der Einbaureihenfolge – ideal bei vielen Varianten.
  • : Ein leerer Behälter löst den Nachschub aus (); die Lieferzeit muss kürzer sein als die Reichweite eines Behälters.
  • : bündeln und umladen statt einlagern – einstufig nur umladen, mehrstufig auch neu zusammenstellen.

Verknüpfte Themen

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Goat.edu – Heft · Stand 22. September 2026 · Eigene Darstellung auf Grundlage des Unterrichts im Wirtschaftsgymnasium, Beispiele mit erfundenen Firmen und eigenen Zahlen · Entwurf, noch nicht fachlich geprüft