Abschnitt 2.6
Kostenträgerzeitrechnung
Das kannst du danach
- Du erklärst den Unterschied zwischen Normalkosten und Istkosten und warum mit Normalzuschlagssätzen kalkuliert wird.
- Du berechnest Kostenüberdeckungen und Kostenunterdeckungen je Kostenstelle und insgesamt.
- Du stellst Normal- und Istkosten einer Periode bis zu den Selbstkosten des Umsatzes gegenüber.
- Du deutest Abweichungen, nennst mögliche Ursachen und beurteilst ihre Wirkung auf Kalkulation und Ergebnis.
Worum es geht
Im Januar hat ein Rucksackhersteller Dutzende Angebote verschickt – kalkuliert mit , die auf den Durchschnitten der letzten Jahre beruhen. Ende Januar liegt der vor, und die waren höher als gedacht. Haben die Preise trotzdem gereicht? Die stellt für den ganzen Monat gegenüber, was verrechnet wurde und was tatsächlich angefallen ist.
Normalkosten und Istkosten
Definition
sind , die mit verrechnet wurden – Durchschnitten aus mehreren vergangenen Perioden. Mit ihnen werden Angebote kalkuliert, bevor die Periode vorbei ist. sind die Gemeinkosten, die laut tatsächlich angefallen sind.
Formel
Normalgemeinkosten
Normalgemeinkosten = Istwert der Bezugsgröße × Normalzuschlagssatz
Die (Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne) sind in beiden Rechnungen gleich – abweichen können nur die Gemeinkosten.
Formel
Kostenabweichung
Abweichung = Normalgemeinkosten − Istgemeinkosten
Definition
Ist die Abweichung positiv, liegt eine vor: Es wurden mehr Gemeinkosten verrechnet, als angefallen sind. Die Kalkulation war vorsichtig, das Ergebnis fällt besser aus als geplant.
Definition
Ist die Abweichung negativ, liegt eine vor: Die Preise enthielten weniger Gemeinkosten, als tatsächlich anfielen. Der geplante Gewinn schrumpft.
Beispiel aus dem Alltag
Das Mensabudget
Jonas gibt für die Mensa im Schnitt 25 € im Monat aus und plant deshalb 25 € ein – sein „Normalsatz“. Im November sind es 31 €, weil das Essen teurer geworden ist: eine Unterdeckung von 6 €. Passiert das nur einmal, ist es ein Ausreißer. Passiert es jeden Monat, muss er seinen Plan anpassen – genau wie ein Unternehmen seine Normalsätze.
Merksatz
Normal größer als Ist = Überdeckung (+). Normal kleiner als Ist = Unterdeckung (−).
Das Kostenträgerzeitblatt
Definition
Die rechnet für eine ganze Periode in zwei Spalten bis zu den des Umsatzes: links mit , rechts mit den aus dem . Die Differenz der Selbstkosten ist die gesamte Über- oder .
Schritt für Schritt
Die Outdoor Wernberg GmbH im Januar
Normalzuschlagssätze: Material 9 %, Fertigung 125 %, Verwaltung 11 % (auf die ), Vertrieb 6 % (auf die ). Im Januar: Fertigungsmaterial 640.000 €, Fertigungslöhne 360.000 €. Istgemeinkosten laut BAB: Material 61.400 €, Fertigung 462.000 €, Verwaltung 171.000 €, Vertrieb 86.000 €. Fertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 90.000 €, Schlussbestand 130.000 €; unfertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 52.000 €, Schlussbestand 46.000 €. Nettoverkaufserlöse 1.990.000 €.
– fertige und unfertige Erzeugnisse zusammen.
Ergebnis:Mehrung 40.000 € − Minderung 6.000 € = Mehrung 34.000 €
von Material und Fertigung.
Ergebnis:9 % von 640.000 € = 57.600 €; 125 % von 360.000 € = 450.000 €
der Erzeugung und des Umsatzes (Normal).
Ergebnis:HKE 1.507.600 €; HKU 1.507.600 € − 34.000 € = 1.473.600 €
Normalgemeinkosten von Verwaltung und Vertrieb.
Ergebnis:11 % von 1.507.600 € = 165.836 €; 6 % von 1.473.600 € = 88.416 €
Selbstkosten des Umsatzes – normal und ist.
Ergebnis:normal 1.727.852 €; ist 1.489.400 € + 171.000 € + 86.000 € = 1.746.400 €
Gesamtabweichung.
Ergebnis:1.727.852 € − 1.746.400 € = −18.548 € (Unterdeckung)
Das Kostenträgerzeitblatt (Beträge in €):
| Normalkosten | Istkosten | Abweichung | |
|---|---|---|---|
| Fertigungsmaterial | 640.000 | 640.000 | |
| + Materialgemeinkosten | 57.600 | 61.400 | −3.800 |
| Fertigungslöhne | 360.000 | 360.000 | |
| + Fertigungsgemeinkosten | 450.000 | 462.000 | −12.000 |
| = Herstellkosten der Erzeugung | 1.507.600 | 1.523.400 | |
| − Bestandsmehrung | 34.000 | 34.000 | |
| = Herstellkosten des Umsatzes | 1.473.600 | 1.489.400 | |
| + Verwaltungsgemeinkosten | 165.836 | 171.000 | −5.164 |
| + Vertriebsgemeinkosten | 88.416 | 86.000 | +2.416 |
| = Selbstkosten des Umsatzes | 1.727.852 | 1.746.400 | −18.548 |
| Nettoverkaufserlöse | 1.990.000 | 1.990.000 | |
| Umsatzergebnis | 262.148 | 243.600 |
Probe: Die Umsatzergebnisse unterscheiden sich genau um die Unterdeckung – 262.148 € − 243.600 € = 18.548 €.
Formel
Umsatzergebnis
Umsatzergebnis = Nettoverkaufserlöse − Selbstkosten des Umsatzes
Formel
Erreichter Gewinnzuschlag
Gewinnzuschlag = Umsatzergebnis ÷ Selbstkosten des Umsatzes × 100
Auf Istkostenbasis gerechnet – so viel Gewinn ist tatsächlich herausgekommen.
Typischer Fehler
Das Vorzeichen umdrehen. Gerechnet wird immer Normal minus Ist. Bei −18.548 € wurde zu wenig verrechnet – eine Unterdeckung. Wer Ist minus Normal rechnet, liest daraus fälschlich eine .
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Normal- und Istkosten bis zu den Selbstkosten des Umsatzes gegenüberstellen – mit Anfangs- und Schlussbeständen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen –, einen Istzuschlagssatz ermitteln, die Abweichung einer beschreiben und Ursachen erläutern, die Wirkung steigender Rohstoffpreise begründen und nachweisen, ob der angestrebte Gewinnzuschlag erreicht wurde.
Abweichungen deuten
Drei sind unterdeckt – die kleine im Vertrieb gleicht das nicht aus.
Ursachen einer in einer Kostenstelle:
- Die sind gestiegen – höhere Energiepreise, Tariferhöhung, eine große Reparatur, Schwund im Lager.
- Die Bezugsgröße ist gesunken, die aber nicht – weil viele Gemeinkosten fix sind. Weniger Fertigungslöhne bei gleicher Halle und gleichen Maschinen ergeben weniger verrechnete Gemeinkosten.
Folgen: Bei einer Unterdeckung waren die Preise zu knapp, der Gewinn schrumpft. Hält sie an, müssen die Normalsätze steigen. Eine dauerhafte Überdeckung ist auch nicht ideal: Die Preise sind höher als nötig, und Aufträge gehen an die Konkurrenz.
Beispiel aus der Praxis
Wenn die Rohstoffe teurer werden
Outdoor Wernberg zahlt ab Februar 10 % mehr für Stoffe und Reißverschlüsse; die Kosten von Einkauf und Lager bleiben gleich. Mit dem Normalsatz von 9 % werden jetzt mehr Materialgemeinkosten verrechnet, weil das Fertigungsmaterial teurer ist: 9 % von 704.000 € sind 63.360 € statt 57.600 €. Die Unterdeckung im Material verschwindet und wird bei gleichen Istkosten von 61.400 € sogar zu einer Überdeckung von 1.960 €. Das liegt nicht an sparsamerem Arbeiten, sondern daran, dass die Bezugsgröße mit den Preisen gewachsen ist.
Gewinnziel prüfen: Die Preise waren mit rund 15 % Gewinn kalkuliert. Tatsächlich ergibt sich 243.600 € ÷ 1.746.400 € × 100 = 13,95 % – das Ziel ist verfehlt, und die Unterdeckung erklärt die Lücke.
Wird ein Gewinnzuschlag nur im Durchschnitt über alle Produkte erreicht, können einzelne Produkte trotzdem Verluste bringen. Für Entscheidungen über ein Produkt braucht man seine eigene Kalkulation.
Typischer Fehler
Nur auf die Gesamtabweichung schauen. Eine Überdeckung in einer Kostenstelle kann eine Unterdeckung in einer anderen verdecken. Wo die Normalsätze nicht passen, zeigt nur der Blick auf jede Kostenstelle.
Merksatz
Unterdeckung frisst kalkulierten Gewinn – jede Kostenstelle einzeln prüfen, dauerhafte Abweichungen durch neue Normalsätze beheben.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Die Fertigungslöhne betrugen 250.000 €, der Normalzuschlag der Fertigung ist 140 %. Laut fielen 362.500 € Fertigungsgemeinkosten an. Berechne die Abweichung und benenne sie.
Lösung anzeigen
: 140 % von 250.000 € = 350.000 €. Abweichung: 350.000 € − 362.500 € = −12.500 € – eine .
Übung 2Anwendung
Ein Hersteller kalkuliert mit 16 % Gewinn. des Umsatzes: normal 940.000 €, ist 955.000 €. Nettoverkaufserlöse 1.100.000 €. Ermittle die Kostenabweichung und prüfe, ob das Gewinnziel erreicht wurde.
Lösung anzeigen
- Abweichung: 940.000 € − 955.000 € = −15.000 € ()
- Umsatzergebnis ist: 1.100.000 € − 955.000 € = 145.000 € → 145.000 € ÷ 955.000 € × 100 = 15,18 %
- zum Vergleich normal: 160.000 € ÷ 940.000 € × 100 = 17,02 %
Das Ziel von 16 % wurde verfehlt. Ohne die Unterdeckung wäre es erreicht worden; die Normalsätze sollten überprüft werden.
Übung 3Klausurniveau
In der Material besteht eine von 6.000 € (Fertigungsmaterial 500.000 €, Normalsatz 8 %, 46.000 €). Erläutere zwei mögliche Ursachen. Begründe dann, wie sich die Abweichung entwickelt, wenn die Rohstoffpreise um 10 % steigen, alles andere gleich bleibt und der Normalsatz beibehalten wird.
Lösung anzeigen
Ursachen: Die Materialgemeinkosten sind gestiegen – etwa höhere Miete oder Energie für das Lager, zusätzliche Aushilfen im Einkauf, mehr Schwund. Oder es wurde weniger Material verbraucht, die weitgehend von Einkauf und Lager blieben aber gleich.
Rohstoffpreise +10 %: Das Fertigungsmaterial steigt auf 550.000 €, die verrechneten auf 8 % × 550.000 € = 44.000 €. Bei gleichen Istkosten von 46.000 € sinkt die Unterdeckung auf −2.000 €. Grund: Der Zuschlag hängt am Wert des Materials, nicht an der Arbeit von Einkauf und Lager. Die Verbesserung ist also kein Erfolg der Kostenstelle – sie entsteht nur, weil die Bezugsgröße mit den Preisen gewachsen ist.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- = Istbezugsgröße × ; laut .
- Abweichung = Normal − Ist: positiv , negativ – je und insgesamt.
- Das rechnet beide Spalten bis zu den des Umsatzes; Umsatzergebnis = Erlöse − Selbstkosten.
- Erreichter Gewinnzuschlag = Umsatzergebnis ÷ Istselbstkosten × 100; eine Unterdeckung schmälert ihn.
- Ursachen: gestiegene oder gesunkene Bezugsgröße; dauerhafte Abweichungen → Normalsätze anpassen.
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