Abschnitt 2.3
Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Das kannst du danach
- Du beschreibst den Aufbau eines einstufigen BAB mit Kostenarten in den Zeilen und Kostenstellen in den Spalten.
- Du verteilst Gemeinkosten mit passenden Verteilungsschlüsseln auf die Kostenstellen.
- Du berechnest die Gemeinkostenzuschlagssätze für Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.
- Du ermittelst die Herstellkosten der Erzeugung und des Umsatzes unter Berücksichtigung von Bestandsveränderungen.
Worum es geht
Die Brauerei zahlt im Monat 30.000 € Miete für Lager, Sudhaus, Büro und Laden. Welcher Teil davon gehört ins Sudhaus? Der beantwortet solche Fragen für alle auf einmal: Er verteilt sie auf die , zählt je Stelle zusammen und macht daraus Prozentsätze, mit denen sich jedes Produkt kalkulieren lässt.
Gemeinkosten verteilen
Definition
Der ist eine Tabelle: In den Zeilen stehen die Gemeinkostenarten, in den Spalten die Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Jede Zeile wird auf die Kostenstellen verteilt, jede Spalte am Ende addiert.
Definition
Ist bekannt, was eine Kostenstelle verbraucht hat, wird direkt zugeordnet – etwa Gehälter laut Gehaltsliste. Sonst verteilt ein , der die Verursachung möglichst gut abbildet:
| Gemeinkostenart | üblicher Schlüssel |
|---|---|
| Miete, Heizung, Reinigung | Fläche in m² |
| Strom | Verbrauch in kWh oder Verhältniszahlen |
| Abschreibungen, Versicherung der Anlagen | Wert der Anlagen |
| Sozialkosten | Lohn- und Gehaltssumme |
| Verhältniszahlen laut Aufgabe |
Beispiel aus dem Alltag
Die Nebenkostenabrechnung
In einem Mehrfamilienhaus zahlt jede Wohnung ihren Anteil an den Nebenkosten: die Heizung nach Wohnfläche, das Wasser nach Zähler, den Müll nach der Zahl der Bewohner. Für jede Kostenart gilt ein anderer Schlüssel – der, der am besten zeigt, wer die Kosten verursacht. Ein BAB macht dasselbe mit den Kostenstellen eines Betriebs.
Schritt für Schritt
Der BAB der Brauerei Kesselbach GmbH
des Monats: Hilfsstoffe 46.000 € und Gehälter 97.400 € laut Belegen; Miete 30.000 € nach der Fläche (Material 300 m², Fertigung 1.500 m², Verwaltung 200 m², Vertrieb 500 m²); Strom 18.000 € im Verhältnis 2 : 14 : 3 : 1; Abschreibungen 64.000 € nach den Anlagenwerten (40.000 €, 560.000 €, 60.000 €, 140.000 €).
Hilfsstoffe und Gehälter laut Belegen direkt eintragen.
Ergebnis:siehe Tabelle unten
Miete nach Fläche – erst der Betrag je m².
Ergebnis:30.000 € ÷ 2.500 m² = 12 € je m² → 3.600 € | 18.000 € | 2.400 € | 6.000 €
Strom nach Verhältniszahlen – erst der Betrag je Teil.
Ergebnis:18.000 € ÷ 20 Teile = 900 € je Teil → 1.800 € | 12.600 € | 2.700 € | 900 €
Abschreibungen nach Anlagenwerten – Anteil am Gesamtwert.
Ergebnis:64.000 € ÷ 800.000 € = 8 % → 3.200 € | 44.800 € | 4.800 € | 11.200 €
Spalten addieren und die Probe machen.
Ergebnis:24.600 € + 149.400 € + 46.200 € + 35.200 € = 255.400 € = Summe aller Gemeinkosten
Der fertige BAB (Beträge in €):
| Gemeinkostenart | Betrag | Material | Fertigung | Verwaltung | Vertrieb |
|---|---|---|---|---|---|
| Hilfsstoffe | 46.000 | 2.000 | 38.000 | 1.000 | 5.000 |
| Gehälter | 97.400 | 14.000 | 36.000 | 35.300 | 12.100 |
| Miete | 30.000 | 3.600 | 18.000 | 2.400 | 6.000 |
| Strom | 18.000 | 1.800 | 12.600 | 2.700 | 900 |
| Abschreibungen | 64.000 | 3.200 | 44.800 | 4.800 | 11.200 |
| Summe | 255.400 | 24.600 | 149.400 | 46.200 | 35.200 |
Typischer Fehler
Bei Verhältniszahlen durch die Zahl der Kostenstellen teilen. 2 : 14 : 3 : 1 heißt nicht „durch 4“, sondern 20 Teile. Erst den Betrag je Teil bestimmen, dann mit den Teilen jeder Kostenstelle malnehmen. Die Probe – jede Zeile ergibt wieder ihren Betrag – deckt den Fehler sofort auf.
Zuschlagssätze berechnen
Definition
Ein gibt an, wie viel Prozent einer Bezugsgröße die einer ausmachen. Mit ihm lassen sich die Gemeinkosten später auf jedes Stück aufschlagen.
Formel
Gemeinkostenzuschlagssatz
Zuschlagssatz = Gemeinkosten der Kostenstelle ÷ Bezugsgröße × 100
| Kostenstelle | Bezugsgröße |
|---|---|
| Material (MGK) | Fertigungsmaterial (FM) |
| Fertigung (FGK) | Fertigungslöhne (FL) |
| Verwaltung (VwGK) | (HKE) |
| Vertrieb (VtGK) | (HKU) |
Material und Fertigung beziehen sich auf ihre . Verwaltung und Vertrieb arbeiten für alle Produkte – deshalb die .
Formel
Herstellkosten der Erzeugung
HKE = Fertigungsmaterial + Materialgemeinkosten + Fertigungslöhne + Fertigungsgemeinkosten
Schritt für Schritt
Die Zuschlagssätze der Brauerei Kesselbach
Zum oben: Fertigungsmaterial 205.000 €, Fertigungslöhne 83.000 €. Der Bestand an fertigen Erzeugnissen ist im Monat um 22.000 € gestiegen.
Materialgemeinkostenzuschlag.
Ergebnis:24.600 € ÷ 205.000 € × 100 = 12 %
Fertigungsgemeinkostenzuschlag.
Ergebnis:149.400 € ÷ 83.000 € × 100 = 180 %
Herstellkosten der Erzeugung.
Ergebnis:205.000 € + 24.600 € + 83.000 € + 149.400 € = 462.000 €
Verwaltungsgemeinkostenzuschlag auf die HKE.
Ergebnis:46.200 € ÷ 462.000 € × 100 = 10 %
Herstellkosten des Umsatzes – die abziehen.
Ergebnis:462.000 € − 22.000 € = 440.000 €
Vertriebsgemeinkostenzuschlag auf die HKU.
Ergebnis:35.200 € ÷ 440.000 € × 100 = 8 %
Typischer Fehler
Verwaltung und Vertrieb auf die Einzelkosten beziehen. Die Basis sind die Herstellkosten – also Einzel- und Gemeinkosten von Material und Fertigung zusammen. Wer nur FM + FL nimmt, erhält viel zu hohe Sätze.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026, Abitur 2021/2022, Nachprüfung 2023/2024
Einen BAB vervollständigen – Gemeinkosten mit Schlüsseln verteilen, auch die nach den der Anlagen und den nach Verhältniszahlen – und daraus die Gemeinkostenzuschlagssätze ermitteln, wenn sich der Bestand an Erzeugnissen verändert hat.
Herstellkosten der Erzeugung und des Umsatzes
Definition
Die (auch: der Produktion) umfassen alle Stücke, die in der Periode hergestellt wurden – verkauft oder nicht. Mit ihnen wird auch der Lagerbestand an Erzeugnissen bewertet.
Definition
Die umfassen nur die Stücke, die in der Periode verkauft wurden. Den Unterschied machen die an fertigen und unfertigen Erzeugnissen.
Formel
Herstellkosten des Umsatzes
HKU = HKE − Bestandsmehrung + Bestandsminderung
Formel
Bestandsveränderung
Bestandsveränderung = Schlussbestand − Anfangsbestand
Positiv ist eine Mehrung, negativ eine Minderung. Fertige und unfertige Erzeugnisse einzeln rechnen und dann zusammenfassen.
Beispiel aus der Praxis
Spielzeug für Weihnachten
Ein Hersteller von Holzspielzeug produziert ab September auf Vorrat: Er stellt mehr her, als er verkauft – eine Bestandsmehrung, die HKU sind kleiner als die HKE. Im Dezember leert sich das Lager: Es wird mehr verkauft als hergestellt – eine Bestandsminderung, die HKU sind größer als die HKE.
Typischer Fehler
Anfangs- und Schlussbestand verwechseln. Sinkt der Bestand an fertigen Erzeugnissen von 210.000 € auf 175.000 €, ist das eine Minderung um 35.000 € – sie wird zu den HKE addiert, denn es wurden auch Stücke aus dem Vorjahr verkauft.
Achtung
Unterrichtsskript und Prüfungen beziehen die Verwaltungsgemeinkosten auf die der Erzeugung (oft „Herstellkosten der Produktion“ genannt) und die Vertriebsgemeinkosten auf die Herstellkosten des Umsatzes. Manche Übungen nehmen für beide die HKU. Es gilt immer, was in der Aufgabe steht.
Merksatz
Mehrung minus, Minderung plus. Verwaltung auf die HKE, Vertrieb auf die HKU.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Versicherungsbeiträge von 7.200 € werden im Verhältnis 1 : 4 : 2 : 1 auf Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb verteilt. Wie viel trägt jede ?
Lösung anzeigen
1 + 4 + 2 + 1 = 8 Teile; 7.200 € ÷ 8 = 900 € je Teil.
Material 900 €, Fertigung 3.600 €, Verwaltung 1.800 €, Vertrieb 900 €. Probe: zusammen 7.200 €.
Übung 2Anwendung
Ein ergibt: Materialgemeinkosten 15.000 €, Fertigungsgemeinkosten 132.000 €, Verwaltungsgemeinkosten 33.360 €, Vertriebsgemeinkosten 21.500 €. Fertigungsmaterial 150.000 €, Fertigungslöhne 120.000 €. Der Bestand an fertigen Erzeugnissen sank von 48.000 € auf 35.000 €. Berechne alle vier (Verwaltung auf die , Vertrieb auf die ).
Lösung anzeigen
- MGK: 15.000 € ÷ 150.000 € × 100 = 10 %
- FGK: 132.000 € ÷ 120.000 € × 100 = 110 %
- HKE: 150.000 € + 15.000 € + 120.000 € + 132.000 € = 417.000 €
- VwGK: 33.360 € ÷ 417.000 € × 100 = 8 %
- 13.000 € → HKU: 417.000 € + 13.000 € = 430.000 €
- VtGK: 21.500 € ÷ 430.000 € × 100 = 5 %
Übung 3Klausurniveau
Die einer Möbelfabrik betragen 600.000 €. Fertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 80.000 €, Schlussbestand 104.000 €. Unfertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 30.000 €, Schlussbestand 21.000 €. Die Vertriebsgemeinkosten betragen 46.800 €. Berechne die und den Vertriebszuschlag. Erkläre, warum es falsch wäre, den Vertriebszuschlag auf die HKE zu beziehen.
Lösung anzeigen
- Fertige Erzeugnisse: 104.000 € − 80.000 € = Mehrung 24.000 €
- Unfertige Erzeugnisse: 21.000 € − 30.000 € = Minderung 9.000 €
- Zusammen eine Mehrung von 15.000 € → HKU = 600.000 € − 15.000 € = 585.000 €
- Vertriebszuschlag: 46.800 € ÷ 585.000 € × 100 = 8 %
Der Vertrieb hat nur mit den Stücken zu tun, die verkauft wurden – Werbung, Versand und Verkauf für Möbel, die noch im Lager stehen, fallen erst später an. Auf die HKE bezogen, wäre der Satz zu niedrig (7,8 %), und die verkauften Möbel trügen zu wenig Vertriebskosten.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- Der verteilt die : Kostenarten in den Zeilen, in den Spalten, direkt oder per .
- Verhältniszahlen: Teile addieren, Betrag je Teil, mal Teile der Kostenstelle. Probe: Jede Zeile ergibt wieder ihren Betrag.
- = Gemeinkosten ÷ Bezugsgröße × 100 – MGK auf FM, FGK auf FL, VwGK auf , VtGK auf .
- HKE = FM + MGK + FL + FGK; HKU = HKE − + Bestandsminderung.
Verknüpfte Themen
Lies weiter
Bereit? 3 Lektionen warten im Lernpfad.
Jetzt üben