Abschnitt 2.2
Kostenarten und Kostenstellen
Das kannst du danach
- Du beschreibst die Stufen der Vollkostenrechnung von der Abgrenzung bis zur Kostenträgerzeitrechnung.
- Du unterscheidest Einzelkosten und Gemeinkosten und ordnest typische Beispiele zu.
- Du nennst die vier Hauptkostenstellen und erklärst, wozu Hilfskostenstellen dienen.
- Du begründest, warum Gemeinkosten zuerst auf Kostenstellen verteilt werden.
Worum es geht
Eine Bäckerei weiß genau, wie viel Mehl in ein Roggenbrot gehört und wie lange der Teig geknetet wird. Aber wie viel Ofenstrom, Ladenmiete und Buchhaltung steckt in einem Brot? Diese Kosten fallen für alle Brote, Brezeln und Torten gemeinsam an. Die bringt sie trotzdem zum einzelnen Produkt – auf einem Umweg über die Bereiche des Betriebs, in denen sie entstehen.
Die Stufen der Vollkostenrechnung
Definition
Die verteilt alle Kosten einer Periode auf die – die Produkte oder Aufträge. Am Ende stehen die je Stück und daraus der Angebotspreis.
Sie läuft in Stufen, und jede Stufe beantwortet eine Frage:
| Stufe | Frage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Was ist überhaupt Kosten? | Kosten und | |
| Welche Kosten sind angefallen? | Einzel- und getrennt | |
| Wo sind sie angefallen? | Gemeinkosten je Bereich, | |
| Wofür – was kostet ein Stück? | Selbstkosten, Angebotspreis | |
| Was hat die Periode gekostet und gebracht? | Über- oder , Umsatzergebnis |
Die Kostenträgerstückrechnung heißt kurz auch Kalkulation.
gehen direkt zum Produkt, Gemeinkosten nehmen den Umweg über die .
Merksatz
Welche? – Wo? – Wofür? Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger.
Einzelkosten und Gemeinkosten
Definition
lassen sich einem Stück oder Auftrag direkt zurechnen, weil man den Verbrauch misst – aus Stückliste, Rezeptur oder Stundenzettel. Dazu gehören das Fertigungsmaterial (FM) und die Fertigungslöhne (FL).
Definition
fallen für viele Produkte gemeinsam an: Miete, Gehälter, Energie, Abschreibungen, Versicherungen. Man kann sie keinem einzelnen Stück direkt zuordnen und verteilt sie deshalb erst auf .
Definition
sind Einzelkosten, die nur für einen bestimmten Auftrag anfallen: in der Fertigung etwa eine eigens gebaute Form oder ein Gutachten, im Vertrieb etwa eine Spezialverpackung oder eine Provision für genau diesen Auftrag. Sie kommen mit ihrem Betrag in die Kalkulation, ohne Zuschlag.
Beispiel aus dem Alltag
Pizzaabend in der WG
Vier Mitbewohner bestellen Pizza. Jeder weiß, was seine eigene Pizza kostet – das sind seine Einzelkosten. Die Liefergebühr von 6 € und die große Flasche Cola fallen für alle gemeinsam an: Gemeinkosten. Für sie braucht die WG eine Regel, wer wie viel trägt – zu gleichen Teilen oder nach dem Preis der Pizza. Genau diese Frage löst im Betrieb der .
Typischer Fehler
Einzel- und Gemeinkosten mit variablen und verwechseln. Gefragt ist nicht „Ändern sich die Kosten mit der Menge?“, sondern „Kann ich sie einem Stück direkt zurechnen?“. Der Strom der Maschinen steigt mit der Menge, ist aber meist Gemeinkosten, weil kein Zähler den Verbrauch je Stück misst.
Kostenstellen
Definition
Eine ist ein Bereich des Betriebs, in dem Kosten entstehen und gesammelt werden. Die vier Hauptkostenstellen:
| Kostenstelle | Was dort anfällt |
|---|---|
| Material | Einkauf, Warenannahme, Lagern von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen |
| Fertigung | Herstellung: Maschinen, Energie, Werkzeuge, Aufsicht |
| Verwaltung | Geschäftsleitung, Buchhaltung, Personalabteilung, IT |
| Vertrieb | Verkauf, Werbung, Versand, Kundendienst |
Definition
arbeiten nicht an den Produkten, sondern für andere Kostenstellen – etwa eine eigene Reparaturwerkstatt oder der Fuhrpark. Ihre Kosten werden zuerst auf die Hauptkostenstellen umgelegt.
Wozu der Umweg über die Kostenstellen?
- Kontrolle: Man sieht, welcher Bereich teurer geworden ist.
- Verantwortung: Jede Kostenstelle hat eine Leitung, die für ihre Kosten geradesteht.
- Kalkulation: Aus den Summen je Kostenstelle entstehen die – und nur mit ihnen kommen die verursachungsnah zum Produkt.
Schritt für Schritt
Die Bäckerei Hollerbach ordnet ihre Kosten
Die Bäckerei Hollerbach stellt Brot, Brezeln und Torten her und verkauft sie in drei Filialen. Wohin gehören diese Kosten des Monats?
Roggenmehl für 1.200 Roggenbrote, laut Rezeptur 0,55 kg je Brot
Ergebnis:– Fertigungsmaterial
Lohn der Bäcker für die Brotherstellung laut Stundenzettel
Ergebnis:Einzelkosten – Fertigungslöhne
Strom und Gas für die Backöfen
Ergebnis:Gemeinkosten der Fertigung
Gehalt der Einkäuferin, Kühlung des Mehl- und Butterlagers
Ergebnis:Gemeinkosten des Materials
Honorar der Steuerberaterin, Büromiete
Ergebnis:Gemeinkosten der Verwaltung
Diesel der Lieferwagen zu den Filialen, Werbeflyer
Ergebnis:Gemeinkosten des Vertriebs
Eine Silikonform, eigens gekauft für eine Hochzeitstorte (85 €)
Ergebnis:der Fertigung – direkt auf diesen Auftrag
Beispiel aus der Praxis
Warum die Hollerbachs nachrechnen
Seit dem Frühjahr bleibt weniger Gewinn übrig. Die zeigt: Die Gemeinkosten der Fertigung sind kaum gestiegen, die des Vertriebs um ein Drittel – neue Filiale, längere Lieferwege. Ohne Kostenstellen hätte man nur gesehen, dass „alles teurer“ wird.
Achtung
Im Unterricht und in den Prüfungen wird der einstufige mit den vier Hauptkostenstellen verwendet. Wie Hilfskostenstellen in einem mehrstufigen BAB umgelegt werden, gehört nicht mehr zum Lehrplan.
Wichtige Begriffe
Alle Begriffe stehen im Register.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Kostenart, oder ? Ordne zu: Gehälter · Einkaufsabteilung · ein Esstisch aus Eiche · Versicherungsbeiträge · Lackiererei · der Auftrag über 200 Bürostühle.
Lösung anzeigen
- Kostenarten (welche?): Gehälter, Versicherungsbeiträge
- Kostenstellen (wo?): Einkaufsabteilung (Material), Lackiererei (Fertigung)
- Kostenträger (wofür?): der Esstisch, der Auftrag über 200 Bürostühle
Übung 2Anwendung
Ein Fahrradhersteller ordnet zu. Entscheide jeweils Einzel- oder und begründe kurz: (1) Rahmenrohre für ein bestelltes Lastenrad, (2) Abschreibung der Schweißroboter, (3) Gehalt des Werkstattmeisters, (4) Lohn der Monteurin für 5 Stunden am Lastenrad, (5) eine Transportkiste nur für eine Lieferung nach Norwegen.
Lösung anzeigen
- (1) (Fertigungsmaterial) – über die Stückliste genau diesem Rad zuzuordnen.
- (2) Gemeinkosten – die Roboter schweißen für alle Räder.
- (3) Gemeinkosten – der Meister betreut die ganze Werkstatt.
- (4) Einzelkosten (Fertigungslöhne) – die Stunden sind auf dem Auftrag erfasst.
- (5) des Vertriebs – sie gehören zu genau einer Lieferung.
Übung 3Klausurniveau
Eine Möbelfabrik verteilt bisher alle mit einem einzigen Zuschlag auf das Fertigungsmaterial. Sie stellt Tische aus teurem Massivholz mit wenig Arbeit her und aufwendig gepolsterte Sessel aus günstigem Material mit viel Handarbeit. Beurteile das Verfahren und schlage eine Verbesserung vor.
Lösung anzeigen
Mit einem Zuschlag auf das Material tragen die Tische den größten Teil der Gemeinkosten, weil ihr Material teuer ist – auch die Kosten der Polsterei und der Nähmaschinen, die vor allem die Sessel verursachen. Die Tische werden zu teuer, die Sessel zu billig kalkuliert. Die Folge: Tische verlieren Aufträge an die Konkurrenz, Sessel bringen weniger Gewinn als gedacht, vielleicht Verlust.
Besser: die Gemeinkosten erst auf verteilen und je Stelle eine passende Bezugsgröße wählen – Materialgemeinkosten auf das Material, Fertigungsgemeinkosten auf die Löhne (oder über Maschinenstunden), Verwaltung und Vertrieb auf die . Dann trägt jedes Produkt die Kosten der Bereiche, die es tatsächlich beansprucht.
Zusammenfassung
Das Wichtigste
- Die verteilt alle Kosten auf die : Abgrenzung → Kostenarten (welche?) → (wo?) → Kostenträger (wofür?).
- (FM, FL, ) gehen direkt zum Produkt, über die Kostenstellen.
- Hauptkostenstellen: Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb; arbeiten für andere Stellen.
- Kostenstellen dienen der Kontrolle, der Verantwortung und der Bildung von .
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