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Abschnitt 1.2

Beschaffungsstrategien (Sourcing)

PrüfungsrelevantEntwurf – noch nicht fachlich geprüft

Das kannst du danach

  • Du unterscheidest Single, Double und Multiple Sourcing und nennst ihre Vor- und Nachteile.
  • Du vergleichst Local und Global Sourcing.
  • Du erklärst den Unterschied zwischen Modular und System Sourcing.
  • Du empfiehlst für ein Material eine passende Strategie und begründest sie mit den Zielen des Unternehmens.

Worum es geht

Bevor bestellt wird, steht eine grundsätzliche Entscheidung an: Bei wem kaufen wir ein? Dahinter stecken drei Fragen – wie viele Lieferanten, wo sie sitzen und ob sie Einzelteile oder ganze Baugruppen liefern. Die Antworten heißen Sourcing-Strategien (englisch source: Quelle).

Wie viele Lieferanten?

Definition

Beim kommt ein Material von genau einem Lieferanten, beim (auch Dual Sourcing) von zweien, beim von mehreren Lieferanten.

Single SourcingDouble SourcingMultiple Sourcing
Vorteilegroße Mengen → gute Preise; enge Zusammenarbeit, gleichbleibende Qualität; wenig VerwaltungsaufwandAusfallrisiko geringer; trotzdem große Mengen je Lieferant; Lieferanten im WettbewerbWettbewerb drückt die Preise; hohe Ausfallsicherheit; schneller Wechsel möglich
Nachteilestarke Abhängigkeit; Ausfall = Lieferstopp; Lieferant kann Preise leichter erhöhenetwas mehr Aufwand; Qualität muss bei beiden stimmenhoher Aufwand für Auswahl und Kontrolle; kleinere Mengen je Lieferant; Qualität schwankt eher
passt zuSpezialteilen, Entwicklungspartnerschaftenwichtigen Teilen, bei denen ein Ausfall teuer wäreStandardteilen, die viele anbieten

Beispiel aus dem Alltag

Alles aus einer Hand?

Wer Handy, Internet und Fernsehen beim selben Anbieter bucht, bekommt einen Paketrabatt und hat nur eine Rechnung – das ist Single Sourcing. Fällt das Netz dieses Anbieters aus, ist aber auf einen Schlag alles weg.

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„Stellen Sie Probleme dar, die sich aus der vertraglichen Bindung an einen einzigen Lieferanten ergeben können.“ Gefragt sind die Nachteile des Single Sourcing: Abhängigkeit, Lieferausfall, Preiserhöhungen, sinkender Anreiz des Lieferanten, besser zu werden.

Wo sitzen die Lieferanten?

Definition

Beim sitzen die Lieferanten in der Nähe des eigenen Werks, beim wird weltweit eingekauft – dort, wo das Material am günstigsten oder am besten ist.

Local SourcingGlobal Sourcing
Vorteilekurze Wege und Lieferzeiten, wenig CO₂, leichte Kontrolle, gleiche Sprache und Rechtslage, gut für niedrige Preise, große Auswahl, Zugang zu Spezialwissen und Rohstoffen
Nachteileoft höhere Preise, kleinere Auswahllange Transporte, Zoll, Wechselkursrisiko, Krisen und Störungen auf den Transportwegen, schwer zu kontrollierende Umwelt- und Sozialstandards

Beispiel aus der Praxis

Rechnen statt schätzen bei Hellwig

Die Hellwig Leuchten GmbH vergleicht Aluminiumgehäuse. Der Betrieb im Nachbarort verlangt 6,40 € je Stück. Ein Hersteller in Asien bietet 4,90 € an – dazu kommen aber 0,70 € Fracht, 0,25 € Zoll und 0,30 € für den größeren , den die lange Lieferzeit erfordert. Macht 6,15 €. Der Preisvorteil schrumpft von 1,50 € auf 0,25 € je Stück – und dafür trägt Hellwig das Risiko eines langen Transportwegs.

Typischer Fehler

„Global ist immer billiger.“ Erst Fracht, Zoll, Lagerpuffer und Risiken einrechnen, dann vergleichen.

Einzelteil, Modul oder System?

Definition

Beim liefert ein Lieferant eine fertig montierte Baugruppe (Modul). Beim liefert er eine ganze Funktion und übernimmt meist auch deren Entwicklung.

Statt hundert Einzelteile von vielen Lieferanten zu kaufen und selbst zu montieren, bezieht der Hersteller fertige Einheiten von wenigen Modul- oder Systemlieferanten. Diese kaufen ihrerseits die Einzelteile ein – so entsteht eine in Stufen.

  • Vorteile: weniger direkte Lieferanten, weniger eigene Montage, Spezialwissen des Lieferanten, kürzere Entwicklungszeiten.
  • Nachteile: starke Abhängigkeit, eigenes Wissen geht verloren, der Lieferant gewinnt Verhandlungsmacht.

Beispiel aus dem Alltag

Möbel aus dem Paket

Wer einen Schrank selbst aus Brettern, Scharnieren und Schrauben baut, kauft Einzelteile. Wer ihn fertig aufgebaut liefern lässt, kauft ein Modul. Wer eine Küchenfirma beauftragt, die plant, liefert, einbaut und die Geräte anschließt, kauft ein System.

Strategien kombinieren und begründen

Jede Beschaffung beantwortet alle drei Fragen. Die Strategien werden deshalb kombiniert, zum Beispiel Global (viele Lieferanten weltweit) oder Local (ein Lieferant in der Nähe).

Schritt für Schritt

Eine Strategie für die Netzteile von Hellwig empfehlen

Hellwig bezieht Netzteile bisher von einem einzigen Hersteller in Übersee (Global Single Sourcing). Zuletzt gab es zweimal mehrwöchige Lieferausfälle. Netzteile sind ein Standardteil, das in Europa mehrere Firmen anbieten. Hellwig möchte als nachhaltiger Hersteller auftreten.

  1. Das Material einordnen – wie speziell, wie wichtig, wie teuer?

    Ergebnis:

    Standardteil, ohne Netzteil keine Lampe, mittlerer Wert

  2. Die Ziele des Unternehmens benennen.

    Ergebnis:

    Versorgung sichern (Ausfälle), Nachhaltigkeit, Kosten im Blick behalten

  3. Anzahl der Lieferanten wählen.

    Ergebnis:

    – ein Ausfall legt nicht mehr alles lahm, die Mengen bleiben groß

  4. Standort wählen.

    Ergebnis:

    Mindestens ein Lieferant in Europa – kürzere Wege, weniger CO₂, leichter zu kontrollieren

  5. Empfehlung zusammenfassen und den Nachteil nennen.

    Ergebnis:

    Double Sourcing, überwiegend Local – sicherer und nachhaltiger, aber vermutlich etwas teurer

Merksatz

Eine Strategie ist erst eine Empfehlung, wenn sie mit den Zielen des Unternehmens begründet ist.

Typischer Fehler

Nur den Namen nennen. „Multiple Sourcing“ allein bringt in der Prüfung wenig Punkte. Es muss erkennbar sein, welches Problem die Strategie löst und welchen Nachteil man dafür in Kauf nimmt.

Wichtige Begriffe

Alle Begriffe stehen im Register.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Hersteller bezieht Kabel bei fünf Firmen in drei Ländern auf verschiedenen Kontinenten. Wie heißt die Kombination?

    Lösung anzeigen

    Global : mehrere Lieferanten (multiple), weltweit verteilt (global).

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Hersteller von Hörgeräten bezieht einen speziellen Mikrochip nur von einem Entwicklungspartner. Nenne je zwei Vor- und Nachteile dieser Strategie.

    Lösung anzeigen

    Es handelt sich um .

    • Vorteile: enge Entwicklungspartnerschaft, der Chip passt genau; große Mengen bei einem Partner, dadurch bessere Konditionen.
    • Nachteile: Fällt der Partner aus, steht die Produktion; der Partner kann höhere Preise leichter durchsetzen.
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Fahrradhersteller kauft Felgen bei vier Lieferanten in Asien (Global ). Ausgewählt wird nur nach Preis und Qualität. Künftig will das Unternehmen den seiner Lieferanten auf über 95 % heben und sich als nachhaltig präsentieren. Entwickle eine begründete Empfehlung.

    Lösung anzeigen

    Ausgangslage: Viele, weit entfernte Lieferanten sind schwer zu kontrollieren; lange Wege gefährden die Pünktlichkeit und verursachen viel CO₂. Umwelt- und Sozialstandards werden bisher nicht geprüft.

    Empfehlung:

    • Auf mit mindestens einem Lieferanten in Europa umstellen (): kürzere Lieferzeiten, besserer Servicegrad, weniger CO₂, leichtere Kontrolle.
    • Bei der Auswahl Zertifikate zu Umwelt- und Sozialstandards verlangen und Audits vereinbaren.
    • Mit beiden Lieferanten Servicegrad-Ziele und Vertragsstrafen festschreiben.

    Abwägung: Die steigen voraussichtlich, und mit nur zwei Lieferanten sinkt der Wettbewerb. Dafür werden Versorgung, Nachhaltigkeit und Image gestärkt.

Zusammenfassung

Das Wichtigste

  • Wie viele? Single (einer), Double (zwei), Multiple (mehrere) – Abhängigkeit gegen Aufwand abwägen.
  • Wo? Local (nah, sicher, nachhaltiger, oft teurer) oder Global (günstig, große Auswahl, riskanter).
  • Was? Einzelteile, Module (Baugruppen) oder Systeme (ganze Funktionen samt Entwicklung).
  • Strategien werden kombiniert und immer mit den Zielen des Unternehmens begründet.

Verknüpfte Themen

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Goat.edu – Heft · Stand 22. September 2026 · Eigene Darstellung auf Grundlage des Unterrichts im Wirtschaftsgymnasium, Beispiele mit erfundenen Firmen und eigenen Zahlen · Entwurf, noch nicht fachlich geprüft