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Kapitel 2 · ganzes Kapitel

Elastizitäten

Zum Kapiteleinstieg

Ein Kino erhöht den Eintritt um einen Euro – kommen dann noch genauso viele Gäste, oder bleibt der Saal halb leer? Die fallende aus dem letzten Kapitel verrät nur die Richtung. messen die Stärke der Reaktion in Prozent: auf den eigenen Preis, auf den Preis anderer Güter und auf das Einkommen. Mit ihnen entscheiden Unternehmen über Preise und der Staat über Steuern.

2.1 Direkte Preiselastizität der Nachfrage

Die Apotheke am Marktplatz und der Dönerladen gegenüber erhöhen beide ihre Preise um zehn Prozent. In der Apotheke ändert sich kaum etwas – wer Fieber hat, kauft sein Medikament. Beim Dönerladen bleibt jeder vierte Gast weg, denn zwei Häuser weiter gibt es Pizza. Dass bei höheren Preisen weniger gekauft wird, wusste man schon. Neu ist die Frage: wie viel weniger – und ob sich die Preiserhöhung dann noch lohnt.

Wie stark reagiert die Menge?

Definition

Die setzt zwei Prozentwerte ins Verhältnis: die Änderung der nachgefragten Menge und die Änderung des eigenen Preises. Ein Wert von −2 heißt: Je Prozent Preisänderung bewegt sich die Menge um zwei Prozent in die Gegenrichtung. Sie misst nicht die Richtung – die kennt man aus dem –, sondern die Stärke der Reaktion.

Im Register

Formel

Direkte Preiselastizität der Nachfrage

E = (Δx ÷ x) ÷ (Δp ÷ p)

Δx = neue − alte Menge, Δp = neuer − alter Preis; x und p sind die alten Werte (Ausgangswerte).

Schritt für Schritt

Die Tageskarte der Kletterhalle

Eine Kletterhalle erhöht den Preis der Tageskarte von 12 € auf 15 €. Statt 800 kommen nur noch 680 Besucher in der Woche. Wie elastisch ist die Nachfrage?

  1. Prozentuale Mengenänderung – bezogen auf die alte Menge.

    Ergebnis:

    (680 − 800) ÷ 800 = −15 %

  2. Prozentuale Preisänderung – bezogen auf den alten Preis.

    Ergebnis:

    (15 − 12) ÷ 12 = +25 %

  3. – Mengenänderung oben, Preisänderung unten.

    Ergebnis:

    E = −15 % ÷ 25 % = −0,6

  4. Deuten – nach dem Betrag.

    Ergebnis:

    0,6 < 1 → unelastisch: Steigt der Preis um 1 %, sinkt die Menge nur um 0,6 %.

Formel

Preiselastizität bei linearer Nachfrage

E = −b · p ÷ x

Für x(p) = a − b · p, ausgewertet im Ausgangspunkt (p, x). Gilt genau, weil Δx ÷ Δp auf einer Geraden immer −b ist.

Schritt für Schritt

Ein Fahrradverleih mit Nachfragefunktion

Ein Fahrradverleih kennt seine Tagesnachfrage: x(p) = 300 − 10p (x in Rädern, p in € je Tag). Wie elastisch ist die Nachfrage beim heutigen Preis von 12 €?

  1. Menge beim Ausgangspreis.

    Ergebnis:

    x(12) = 300 − 120 = 180 Räder

  2. Elastizität mit b = 10.

    Ergebnis:

    E = −10 · 12 ÷ 180 ≈ −0,67

  3. Probe mit einem zweiten Punkt – 13 € statt 12 €.

    Ergebnis:

    x = 170: (−10 ÷ 180) ÷ (1 ÷ 12) = −5,6 % ÷ 8,3 % ≈ −0,67

  4. Deuten.

    Ergebnis:

    0,67 < 1 → unelastisch

Typischer Fehler

Auf die neuen Werte beziehen oder Zähler und Nenner tauschen. Wer bei der Kletterhalle durch 680 statt durch 800 teilt, erhält −17,6 % statt −15 %. Wer Preis durch Menge teilt (25 % ÷ −15 %), erhält −1,67 und hält eine für elastisch. Merke: Menge oben, Preis unten, alte Werte als Basis.

Achtung

Das Übungsblatt verlangt einmal „Mittelwerte als Basis“ (): Dann teilt man die Änderungen durch den Durchschnitt aus altem und neuem Wert. Für die Kletterhalle ergäbe das (−120 ÷ 740) ÷ (3 ÷ 13,5) ≈ −0,73 statt −0,6. Gerechnet wird mit den alten Werten, außer die Aufgabe verlangt Mittelwerte. Außerdem schreibt das Skript die Elastizität teils ohne Minuszeichen – gemeint ist dann der Betrag.

Prüfungsrelevant · Klausur J1 2024/25, Abitur 2026 (Aufgabe 6)

Die direkte Preiselastizität aus zwei Punkten einer Grafik oder aus berechnen und das Ergebnis deuten – etwa im oder für mehrere Käufergruppen im Vergleich.

Merksatz

E = % Mengenänderung ÷ % Preisänderung, beides bezogen auf die alten Werte; gedeutet wird der Betrag.

Elastisch oder unelastisch?

Definition

Ist der Betrag größer als 1, reagiert die Menge stärker als der Preis: . Liegt er zwischen 0 und 1, reagiert sie schwächer: .

Im Register

Betrag von EBezeichnungWas passiert
0Menge bleibt gleich – Kurve senkrecht
zwischen 0 und 1unelastischMenge reagiert schwächer als der Preis
genau 1Menge reagiert gleich stark
größer als 1elastischMenge reagiert stärker als der Preis
unendlichkleinste Preiserhöhung → niemand kauft – Kurve waagerecht

Gleiche Preiserhöhung um 20 % – auf der steilen Kurve fehlen 10 %, auf der flachen 40 % der Käufer.

Wovon hängt die ab?

  1. Art des Gutes: Lebensnotwendiges und Alltägliches wird unelastisch nachgefragt, Verzichtbares und Luxus elastisch.
  2. : Viele Alternativen machen die Nachfrage elastisch, Einzigartiges macht sie unelastisch.
  3. Anteil am Einkommen: Wer für ein Gut viel ausgibt, achtet stärker auf den Preis.
  4. Zeitraum: Kurzfristig fehlen oft Alternativen; langfristig wird die Nachfrage elastischer.
  5. Dringlichkeit: Was sofort gebraucht wird, wird unelastisch nachgefragt; was sich aufschieben lässt, elastisch.

Beispiel aus dem Alltag

Mensa und Kaffeeautomat

Das Tagesgericht der Mensa wird 50 Cent teurer – fast alle essen trotzdem dort, denn bis zum nächsten Imbiss sind es zehn Minuten (wenig Ersatz, Dringlichkeit). Der Kaffee am Automaten im Foyer wird ebenfalls 50 Cent teurer – und viele holen ihren Kaffee ab jetzt beim Bäcker gegenüber (gleichwertiger Ersatz direkt nebenan).

Beispiel aus der Praxis

Strompreis kurz- und langfristig

Ein Versorger erhöht den Strompreis deutlich. Im ersten Jahr verbrauchen die Haushalte kaum weniger: Kühlschrank, Herd und Licht laufen weiter, die Nachfrage ist unelastisch. Nach einigen Jahren sieht es anders aus – alte Geräte sind gegen sparsame getauscht, viele Dächer tragen eine Solaranlage. Über den längeren Zeitraum ist dieselbe Nachfrage deutlich elastischer.

Die Elastizität entscheidet mit, was eine Verschiebung bewirkt. Rückt das Angebot nach rechts, fällt bei unelastischer (steiler) Nachfrage vor allem der Preis, die Menge steigt kaum. Bei elastischer (flacher) Nachfrage steigt vor allem die Menge, der Preis fällt nur wenig.

Typischer Fehler

„Negativ heißt unelastisch.“ Das Minuszeichen sagt nur, dass Preis und Menge sich gegenläufig bewegen. Bei E = −2,5 ist die Nachfrage stark elastisch – entscheidend ist der Betrag.

Achtung

Das Skript liest die Elastizität an der Steigung ab: flach = elastisch, steil = unelastisch. Das stimmt, wenn man zwei Kurven im selben Punkt vergleicht wie in der Grafik. Auf einer Geraden ändert sich die Elastizität dagegen von Punkt zu Punkt, obwohl die Steigung gleich bleibt – siehe Elastizität und Umsatz.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 6), Klausur J1 2024/25, Klausurübung J1

Die mehrerer vergleichen; das Verhalten der Nachfrager unter Beachtung der Elastizität beschreiben; mit Diagrammen zeigen, wie eine Angebotszunahme bei steiler und bei flacher Nachfrage auf Preis und Menge wirkt.

Merksatz

Betrag unter 1 unelastisch, über 1 elastisch. Notwendig, einzigartig, billig, kurzfristig → unelastisch.

Elastizität und Umsatz

Formel

Umsatz

U = p · x

Umsatz, Erlös und Einnahmen meinen hier dasselbe – Preis mal verkaufte Menge.

Steigt der Preis, bringt jedes Stück mehr ein, aber es werden weniger Stück verkauft. Welcher Effekt überwiegt, sagt die :

NachfragePreiserhöhungPreissenkung
unelastisch (Betrag < 1)Umsatz steigtUmsatz sinkt
(Betrag = 1)Umsatz bleibt etwa gleichUmsatz bleibt etwa gleich
elastisch (Betrag > 1)Umsatz sinktUmsatz steigt

Deshalb arbeiten Unternehmen daran, die Nachfrage nach ihren Produkten unelastischer zu machen: Marke, Service und Werbung sollen den Eindruck erwecken, es gebe keinen gleichwertigen Ersatz. Je treuer die Kunden, desto größer der Spielraum für Preiserhöhungen.

Auf einer Geraden wandert die Elastizität – in der Mitte ist sie 1 und der Umsatz am größten.

Schritt für Schritt

Wann der Fahrradverleih mehr umsetzt

Nachfrage x(p) = 300 − 10p. Prüfe eine Preiserhöhung bei 12 € und eine Preissenkung bei 20 € und bestimme den umsatzmaximalen Preis.

  1. Bei 12 € ist die Nachfrage unelastisch (E ≈ −0,67) – Preis auf 14 € erhöhen.

    Ergebnis:

    12 · 180 = 2.160 € → 14 · 160 = 2.240 €, also +80 €

  2. Bei 20 € ist sie elastisch (E = −10 · 20 ÷ 100 = −2) – Preis auf 18 € senken.

    Ergebnis:

    20 · 100 = 2.000 € → 18 · 120 = 2.160 €, also +160 €

  3. Umsatzmaximum in der Mitte der Geraden – beim halben .

    Ergebnis:

    p = 300 ÷ (2 · 10) = 15 €, x = 150, U = 2.250 €

  4. Probe – dort ist die Nachfrage einheitselastisch.

    Ergebnis:

    E = −10 · 15 ÷ 150 = −1

Formel

Umsatzmaximaler Preis bei linearer Nachfrage

p = a ÷ (2 · b)

Für x(p) = a − b · p – die Hälfte des Prohibitivpreises; dort ist E = −1.

Beispiel aus der Praxis

Missernte – für alle Bauern oder für einen

Eine Dürre lässt die Kartoffelernte in ganz Europa um ein Fünftel schrumpfen. Weil Kartoffeln unelastisch nachgefragt werden, steigt der Preis viel stärker, als die Menge sinkt – die Bauern nehmen insgesamt mehr ein. Trifft der Hagel dagegen nur einen einzelnen Hof, bleibt der Marktpreis gleich, und dieser Hof verkauft einfach weniger: Sein Erlös sinkt.

Typischer Fehler

Mehr Umsatz mit mehr Gewinn verwechseln. Senkt der Fahrradverleih bei 20 € den Preis, steigt der Umsatz – aber er muss 20 Räder mehr bereitstellen, warten und reinigen. Ob der Gewinn steigt, hängt zusätzlich von den Kosten ab.

Prüfungsrelevant · Klausurübung J1

Mit der begründen, warum eine weltweite Missernte die Gesamterlöse der Landwirtschaft erhöhen, ein regionales Unwetter die Einnahmen der betroffenen Höfe aber senken kann.

Merksatz

Unelastisch – Preis rauf, Umsatz rauf. Elastisch – Preis runter, Umsatz rauf. Maximum bei E = −1.

Elastizität und Steuern

Eine Steuer auf ein Gut macht es teurer. Was der Staat damit erreicht, hängt von der ab:

NachfrageSteuereinnahmenLenkungswirkung (weniger Konsum)
unelastischhoch und stabil – die Menge bleibt fast gleichgering
elastischgering – die Menge bricht einstark

Ein Staat, der Geld einnehmen will, besteuert also unelastisch nachgefragte Güter wie Kraftstoff, Tabak oder Alkohol. Will er den Konsum senken, wirkt die Steuer nur dort stark, wo die Käufer ausweichen können.

Beispiel aus der Praxis

Die Zuckerabgabe in Großbritannien

Großbritannien erhebt seit 2018 eine Abgabe auf Softdrinks, gestaffelt nach dem Zuckergehalt. Viele Hersteller haben daraufhin ihre Rezepte geändert und weniger Zucker verwendet, um unter die Grenzen zu kommen – die Lenkung lief hier über das Angebot. Wer weiter stark gezuckerte Getränke trinkt, zahlt die Abgabe mit.

Typischer Fehler

„Bei bewirkt eine Steuer gar nichts.“ Unelastisch heißt nicht : Der Konsum sinkt – nur weniger stark als der Preis steigt. Dafür nimmt der Staat viel ein.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 4)

Eine Mengensteuer auf zuckerhaltige Getränke unter Berücksichtigung der beurteilen: Erreicht sie das Gesundheitsziel, oder bringt sie vor allem Einnahmen?

Merksatz

Unelastisch besteuert – viel Geld, wenig Lenkung. Elastisch besteuert – viel Lenkung, wenig Geld.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Eine Eisdiele erhöht den Preis je Kugel von 1,50 € auf 1,80 €. Statt 1.000 Kugeln verkauft sie an einem Samstag 850. Berechne die , deute sie und prüfe, wie sich der Umsatz ändert.

    Lösung anzeigen
    • Mengenänderung: (850 − 1.000) ÷ 1.000 = −15 %
    • Preisänderung: (1,80 − 1,50) ÷ 1,50 = +20 %
    • E = −15 % ÷ 20 % = −0,75 → Betrag unter 1: unelastisch
    • Umsatz: 1,50 · 1.000 = 1.500 € → 1,80 · 850 = 1.530 € – +30 €, wie bei zu erwarten.
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Konzertsaal kennt die Nachfrage nach Karten für ein Kammerkonzert: x(p) = 240 − 6p. Derzeit kostet eine Karte 25 €. Bestimme die bei 25 €, entscheide, ob der Saal den Preis erhöhen oder senken sollte, und berechne den umsatzmaximalen Preis.

    Lösung anzeigen
    • Menge bei 25 €: 240 − 150 = 90 Karten
    • E = −6 · 25 ÷ 90 ≈ −1,67 → elastisch: Eine Preissenkung erhöht den Umsatz.
    • Umsatzmaximum: p = 240 ÷ (2 · 6) = 20 €, x = 120, U = 2.400 € (bei 25 €: 2.250 €). Bei 20 € ist E = −6 · 20 ÷ 120 = −1.
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Freizeitpark verlangt 45 € Eintritt. Am Wochenende kommen 12.000 Gäste, die beträgt dort −0,4; unter der Woche kommen 2.500 Gäste bei einer Elastizität von −1,6. Die Geschäftsführung will den Umsatz steigern. Empfiehl für beide Zeiten eine Preisänderung um 10 %, rechne sie durch und beurteile, ob mehr Umsatz auch mehr Gewinn bedeutet.

    Lösung anzeigen
    • Wochenende (unelastisch): Preis +10 % auf 49,50 € → Menge −4 % auf 11.520 Gäste. Umsatz 540.000 € → 570.240 €, +30.240 €.
    • Unter der Woche (elastisch): Preis −10 % auf 40,50 € → Menge +16 % auf 2.900 Gäste. Umsatz 112.500 € → 117.450 €, +4.950 €.
    • Begründung: Am Wochenende kommen Familien, die den Ausflug lange geplant haben (Dringlichkeit, wenig Ersatz); unter der Woche sind es spontane Gäste mit vielen Alternativen.
    • Gewinn: Am Wochenende sinkt die Menge, und mit ihr sinken Kosten (Personal, Reinigung) – der Gewinn steigt sehr wahrscheinlich. Unter der Woche kommen 400 Gäste mehr; das lohnt sich, solange der zusätzliche Umsatz die zusätzlichen Kosten übersteigt. Weil die Fahrgeschäfte ohnehin laufen, sind diese Kosten meist gering.

Das Wichtigste

  • E = (Δx ÷ x) ÷ (Δp ÷ p) mit den alten Werten; bei x = a − b · p gilt E = −b · p ÷ x.
  • Betrag 0 / unter 1 / 1 / über 1 / unendlich: , unelastisch, , elastisch, .
  • Einflussfaktoren: Art des Gutes, , Anteil am Einkommen, Zeitraum, Dringlichkeit.
  • Umsatz = p · x: unelastisch → Preiserhöhung lohnt, elastisch → Preissenkung lohnt; Maximum bei E = −1, also bei p = a ÷ 2b.
  • Steuern: unelastisch → hohe Einnahmen, wenig Lenkung; elastisch → starke Lenkung, wenig Einnahmen.

2.2 Kreuzpreis- und Einkommenselastizität

Kuhmilch wird teurer – und im Kühlregal daneben verkaufen sich die Haferdrinks besser. Der Skipass wird teurer – und der Skiverleih im Tal hat weniger zu tun. Wer seinen ersten Ausbildungslohn bekommt, isst seltener Tütensuppe und geht öfter ins Kino. Was von einem Gut gekauft wird, hängt also auch an fremden Preisen und am Einkommen. Wie stark, messen zwei weitere .

Wenn ein anderes Gut teurer wird

Definition

Die – in Prüfungen auch – verbindet zwei Märkte: Sie teilt die prozentuale Mengenänderung bei Gut A durch die prozentuale Änderung des Preises von Gut B. Ihr Vorzeichen verrät, wie die beiden Güter zusammenhängen.

Im Register

Formel

Kreuzpreiselastizität

Kreuzpreiselastizität = (Δx_A ÷ x_A) ÷ (Δp_B ÷ p_B)

Menge von A oben, Preis von B unten – jeweils mit den alten Werten als Basis.

VorzeichenGüterbeziehungWas passiert, wenn B teurer wird
positiv (Ersatzgüter)Käufer weichen auf A aus – mehr A
negativ (Ergänzungsgüter)weniger B, also auch weniger A
etwa nullNachfrage nach A bleibt gleich

Je größer der Betrag, desto enger hängen die Güter zusammen. Die Beziehung muss nicht in beide Richtungen gleich stark sein.

Der fremde Preis verschiebt die Kurve – nach rechts beim Substitut, nach links beim Komplement.

Schritt für Schritt

Haferdrink und Leihski

(1) Kuhmilch wird von 1,20 € auf 1,38 € je Liter teurer; ein Supermarkt verkauft danach 5.600 statt 5.000 Haferdrinks im Monat. (2) Der Tagesskipass steigt von 50 € auf 60 €; der Skiverleih im Tal verleiht in der Saison 2.160 statt 2.400 Paar Ski. Bestimme jeweils die Kreuzpreiselastizität und die Güterbeziehung.

  1. (1) Mengenänderung Haferdrink und Preisänderung Kuhmilch.

    Ergebnis:

    +600 ÷ 5.000 = +12 %; +0,18 ÷ 1,20 = +15 %

  2. (1) Kreuzpreiselastizität.

    Ergebnis:

    +12 % ÷ 15 % = +0,8 → positiv: Substitute

  3. (2) Mengenänderung Leihski und Preisänderung Skipass.

    Ergebnis:

    −240 ÷ 2.400 = −10 %; +10 ÷ 50 = +20 %

  4. (2) Kreuzpreiselastizität.

    Ergebnis:

    −10 % ÷ 20 % = −0,5 → negativ: Komplemente

Beispiel aus dem Alltag

Pommes und Ketchup

Die Pommesbude verlangt plötzlich 1 € für jede Ketchup-Portion. Wer Pommes nur mit Ketchup mag, kauft seltener Pommes – Ketchup und Pommes sind Komplemente, die Kreuzpreiselastizität ist negativ. Gleichzeitig verkauft sich das Ofenkartoffel-Gericht besser, zu dem es Kräuterquark gratis gibt: ein Substitut.

Beispiel aus der Praxis

Eine Konsole wird billiger

Ein Hersteller senkt kurz vor Weihnachten den Preis seiner Spielkonsole deutlich. Die Studios, die Spiele für diese Konsole entwickeln, freuen sich: Mehr Konsolen bedeuten mehr verkaufte Spiele (Komplemente). Der Hersteller der Konkurrenzkonsole dagegen verkauft weniger – für viele Familien ist sie ein Ersatz (Substitute). Bei einer Preissenkung kehren sich die Richtungen um, die Vorzeichen der bleiben gleich.

Typischer Fehler

Den eigenen Preis statt des fremden einsetzen. Bei der Kreuzpreiselastizität steht unten die Preisänderung des anderen Gutes. Wer die Preisänderung des Haferdrinks selbst nimmt, berechnet die – und kann über die Güterbeziehung nichts sagen.

Achtung

Abitur und Klausuren sprechen von der indirekten Preiselastizität – das ist dieselbe Kennzahl wie die Kreuzpreiselastizität. Das Elastizitätsskript nennt sie nur in einem Halbsatz, ohne Formel und ohne Aufgabe; Formel und Rechenweg auf dieser Seite folgen der direkten Preiselastizität mit den alten Werten als Basis.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 6), Abitur 2016, Klausur J1 2024/25, Klausurübung J1

Die indirekte Preiselastizität bestimmen und deuten – etwa wie die Nachfrage nach Wohnungen im Umland auf steigende Mieten in der Stadt reagiert; erklären, wie eine Steuer auf ein Gut die Nachfrage nach Gütern mit positiver indirekter Preiselastizität verändert; erwarten, welches Vorzeichen bei Bier und Pizza herauskommt.

Merksatz

Kreuzpreiselastizität positiv = Substitute, negativ = Komplemente, etwa null = indifferent.

Wenn das Einkommen steigt

Definition

Die teilt die prozentuale Mengenänderung durch die prozentuale Änderung des Einkommens. Mit ihr ordnet man Güter danach, wie ihre Käufer auf eine Gehaltserhöhung reagieren.

Im Register

Formel

Einkommenselastizität

Einkommenselastizität = (Δx ÷ x) ÷ (ΔY ÷ Y)

Y = Einkommen; alte Werte als Basis.

Definition

EinkommenselastizitätGüterartNachfrage bei steigendem Einkommen
größer als 1steigt überproportional
zwischen 0 und 1steigt unterproportional
kleiner als 0sinkt – man steigt auf Besseres um

Im Register

Schritt für Schritt

Der erste Ausbildungslohn

Mias Einkommen steigt von 900 € auf 1.080 € im Monat. Statt zweimal geht sie jetzt dreimal im Monat ins Kino, kauft 11 statt 10 Brote und 6 statt 8 Tütensuppen. Ordne die drei Güter ein.

  1. Einkommensänderung.

    Ergebnis:

    +180 ÷ 900 = +20 %

  2. Kino – Menge +50 %.

    Ergebnis:

    50 % ÷ 20 % = 2,5 → superior

  3. Brot – Menge +10 %.

    Ergebnis:

    10 % ÷ 20 % = 0,5 → normal

  4. Tütensuppe – Menge −25 %.

    Ergebnis:

    −25 % ÷ 20 % = −1,25 → inferior

Beispiel aus der Praxis

Aufschwung und Abschwung

Steigen in einem Aufschwung die Einkommen, wachsen Reisebüros, Autohäuser und Restaurants besonders schnell – sie verkaufen superiore Güter. In einem Abschwung trifft es dieselben Branchen zuerst. Discounter mit Eigenmarken verlieren im Aufschwung eher Kunden und gewinnen im Abschwung welche dazu.

Typischer Fehler

„Inferior heißt schlecht.“ Inferior beschreibt nur, wie die Nachfrage auf mehr Einkommen reagiert – nicht die Qualität. Ob ein Gut inferior ist, hängt auch von den Käufern ab: Für Mia ist die Tütensuppe inferior, für jemanden, der sich vorher gar kein Mittagessen leisten konnte, vielleicht normal.

Achtung

Die Einteilung ist nicht in allen Büchern gleich. Manche nennen Güter mit einer Einkommenselastizität zwischen 0 und 1 „relativ inferior“ und erst negative Werte „absolut inferior“; andere nennen jedes Gut, dessen Nachfrage mit dem Einkommen steigt, superior. Hier gilt wie im Kapitel Markt und Preisbildung: superior = überproportional, normal = unterproportional, inferior = sinkend.

Merksatz

Einkommenselastizität über 1 superior, zwischen 0 und 1 normal, unter 0 inferior.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ordne jeweils die Güterbeziehung oder Güterart zu: (a) von Butter zum Preis von Margarine: +1,4. (b) Kreuzpreiselastizität von Druckerpapier zum Preis von Druckern: −0,6. (c) Kreuzpreiselastizität von Sonnencreme zum Preis von Bleistiften: 0,01. (d) von Taxifahrten: 1,3. (e) Einkommenselastizität von Margarine: −0,2.

    Lösung anzeigen
    • (a) positiv →
    • (b) negativ →
    • (c) etwa null →
    • (d) größer als 1 →
    • (e) kleiner als 0 →
  2. Übung 2Anwendung

    Grillkohle wird von 6,00 € auf 7,50 € je Sack teurer. Ein Baumarkt verkauft danach 3.700 statt 4.000 Packungen Grillwürstchen im Monat. Außerdem steigen die Löhne in der Region um 5 %, und die Nachfrage nach Bio-Gemüse wächst um 8 %. Berechne beide und deute sie.

    Lösung anzeigen
    • Grillkohle: +1,50 ÷ 6,00 = +25 %; Grillwürstchen: −300 ÷ 4.000 = −7,5 %
    • : −7,5 % ÷ 25 % = −0,3 → negativ: , aber eine eher lockere Beziehung (man kann auch mit Gas grillen oder die Würstchen in der Pfanne braten).
    • Bio-Gemüse: 8 % ÷ 5 % = 1,6 → .
  3. Übung 3Klausurniveau

    Eine Stadt erhöht die Parkgebühren in der Innenstadt um 50 %. Erkläre mit der , wie sich die Nachfrage nach Bustickets, nach Plätzen auf dem Park-and-ride-Parkplatz am Stadtrand und nach Einkäufen in den Innenstadtgeschäften ändern dürfte. Beurteile die Sorge der Händler, die Stadt vertreibe ihre Kundschaft.

    Lösung anzeigen
    • Bustickets: Bus und Auto sind für den Weg in die Stadt – positive Kreuzpreiselastizität, die Nachfrage nach Tickets steigt.
    • Park and ride: ebenfalls ein Substitut zum Parken in der Innenstadt – die Nachfrage steigt.
    • Einkäufe in der Innenstadt: Für Autofahrer ist das Parken ein Komplement zum Einkauf – negative Kreuzpreiselastizität, die Nachfrage sinkt eher. Wer ausweicht, kauft am Stadtrand oder online.
    • Beurteilung: Die Sorge ist berechtigt, wenn viele Kunden mit dem Auto kommen und es gleichwertige Alternativen gibt (Einkaufszentrum mit Gratisparkplätzen, Onlinehandel). Sie ist kleiner, wenn Bus und Park and ride gut ausgebaut sind – dann kommen die Kunden auf anderem Weg. Wie stark der Effekt ist, zeigt erst der Betrag der Kreuzpreiselastizität; eine Stadt kann ihn vorab mit Zählungen und Umfragen abschätzen.

Das Wichtigste

  • () = % Mengenänderung A ÷ % Preisänderung B.
  • Positiv → , negativ → , etwa null → indifferent; der Betrag zeigt, wie eng die Güter verbunden sind.
  • = % Mengenänderung ÷ % Einkommensänderung.
  • Über 1 superior, zwischen 0 und 1 normal, unter 0 inferior – die Einteilung beschreibt das Verhalten, nicht die Qualität.

Goat.edu – Heft · Stand 23. September 2026 · Eigene Darstellung auf Grundlage des Unterrichts im Wirtschaftsgymnasium, Beispiele mit erfundenen Firmen und eigenen Zahlen · Entwurf, noch nicht fachlich geprüft