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Kapitel 1 · ganzes Kapitel

Beschaffung & Lagerhaltung

Zum Kapiteleinstieg

Bevor ein Unternehmen produzieren kann, muss das Material da sein – in der richtigen Art und Menge, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zu vertretbaren Kosten. Dieses Kapitel folgt dem Weg des Materials: von den Zielen des Einkaufs über die Wahl der Lieferanten und die Frage, welche Materialien besondere Aufmerksamkeit verdienen, bis zum Lager und seinen Kennzahlen.

1.1 Aufgaben und Ziele der Beschaffung

Ohne Material keine Produktion: Fehlt einem Skateboard-Hersteller nur das Griptape, bleiben fertige Bretter liegen. Die Beschaffung sorgt dafür, dass so etwas nicht passiert – und dass es trotzdem nicht zu teuer wird.

Dabei verfolgt sie mehrere Ziele zugleich, und die passen nicht immer zusammen.

Was die Beschaffung leisten muss

Definition

Die Beschaffung besorgt alle Güter und Leistungen, die ein Unternehmen braucht, aber nicht selbst herstellt. In der Industrie geht es vor allem um Material: Rohstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fremdbezogene Bauteile.

Im Register

Gut beschafft ist ein Material erst, wenn fünf Dinge stimmen:

  1. die Art – das passende Material in der verlangten Qualität,
  2. die Menge – nicht zu wenig, aber auch nicht unnötig viel,
  3. der Zeitpunkt – da, bevor es gebraucht wird,
  4. der Ort – dort, wo es verarbeitet wird,
  5. die Kosten – so niedrig wie möglich, ohne die anderen Punkte zu gefährden.

Beispiel aus dem Alltag

Der Grillabend der Klasse

Wer für den Grillabend einkauft, denkt an dieselben Punkte: Genug Würstchen für 28 Leute (Menge), etwas Vegetarisches (Art und Qualität), alles da, bevor die Kohle glüht (Zeitpunkt), auf dem Grillplatz und nicht im Kofferraum (Ort) – und das Ganze passend zur Klassenkasse (Kosten).

Drei Zielbereiche

ZielbereichWorum es gehtBeispiele
ökonomisch (wirtschaftlich)Geld und sichere Versorgungniedrige , geringe Bestell- und , hohe Liefertreue, gute Qualität, Unabhängigkeit von einzelnen Lieferanten
ökologischUmweltkurze Transportwege, gebündelte Lieferungen, Mehrwegverpackungen, Recyclingmaterial, wenig Abfall
sozialMenschen in der faire Löhne, sichere Arbeitsplätze, keine Kinderarbeit, Einhaltung von Arbeitszeiten

Ökologische und soziale Ziele kosten oft zunächst Geld. Sie können sich aber auszahlen: Viele Kundinnen und Kunden achten auf nachhaltige Produkte, und Zertifikate öffnen Türen zu Auftraggebern, die das verlangen.

Typischer Fehler

Ein Ziel dem falschen Bereich zuordnen. „Kurze Transportwege“ sind in erster Linie ein ökologisches Ziel (weniger CO₂), auch wenn sie nebenbei die Lieferzeit verkürzen. „Faire Löhne beim Zulieferer“ sind ein soziales Ziel – nicht ökonomisch, obwohl sie den Preis beeinflussen.

Wenn Ziele sich widersprechen

Definition

Ein liegt vor, wenn die bessere Erfüllung eines Ziels die Erfüllung eines anderen verschlechtert. Unterstützen sich zwei Ziele gegenseitig, spricht man von Zielharmonie.

Im Register

Typische Zielkonflikte in der Beschaffung:

  • Kosten ↔ Versorgungssicherheit: Ein großer Vorrat schützt vor Engpässen, bindet aber Kapital und verursacht . Ein kleiner Vorrat spart Geld, doch schon eine späte Lieferung kann die Produktion stoppen (mehr dazu bei den Lagerbeständen).
  • Preis ↔ Umwelt und Menschen: Der günstigste Lieferant sitzt oft weit weg. Lange Transporte erzeugen viel CO₂, und die Arbeitsbedingungen lassen sich schwer kontrollieren.
  • Preis ↔ Qualität: Billiges Material kann mehr Ausschuss und Reklamationen verursachen.

Ein Beispiel für Zielharmonie: Ein Lieferant aus der Region liefert schneller (Versorgung) und mit weniger CO₂ (Umwelt).

Beispiel aus der Praxis

Brettwerk und das Griptape

Die Brettwerk GmbH bezieht Griptape von einem Hersteller in Übersee für 1,10 € je Bogen. Ein Anbieter aus Tschechien verlangt 1,35 €, liefert aber in zwei Tagen statt in sechs Wochen und weist faire Arbeitsbedingungen mit einem Zertifikat nach. Brettwerk entscheidet sich für einen Mittelweg: Der Großteil kommt künftig aus Tschechien, ein kleiner Teil weiter aus Übersee – so steigen die Kosten nur mäßig, und die Abhängigkeit von einem langen Seeweg sinkt.

Typischer Fehler

„Der billigste Lieferant ist der beste.“ Entscheidend sind die gesamten Kosten: Fracht, Zoll, Ausschuss, Verzögerungen und Lagerpuffer für lange Lieferzeiten kommen zum Angebotspreis hinzu.

Merksatz

Mehr Sicherheit kostet Geld – weniger Kosten kosten Sicherheit. Abwägen und begründen!

Zuverlässigkeit messen – der Servicegrad

Formel

Servicegrad eines Lieferanten

Servicegrad in % = Anzahl einwandfreier Lieferungen ÷ Anzahl der Bestellungen × 100

Einwandfrei heißt pünktlich, vollständig und ohne Mängel.

Achtung

Der Begriff hat zwei Bedeutungen. Im Einkauf misst er die Zuverlässigkeit eines Lieferanten (Formel oben). Für das eigene Lager misst er die Lieferbereitschaft: Wie viele Anforderungen der Produktion konnten sofort aus dem Lager bedient werden? Lies in der Aufgabe genau, welche Bedeutung gemeint ist.

Schritt für Schritt

Den Rollen-Lieferanten von Brettwerk beurteilen

Brettwerk verlangt von seinen Lieferanten einen Servicegrad von mindestens 95 %. Für den Lieferanten der Rollen liegen diese Zahlen vor:

QuartalBestellungeneinwandfreie Lieferungen
1220211
2240226
3180175
4260238
  1. Servicegrad je Quartal berechnen, z. B. 1. Quartal 211 ÷ 220 × 100.

    Ergebnis:

    95,91 % · 94,17 % · 97,22 % · 91,54 %

  2. Den Servicegrad für das ganze Jahr aus den Summen berechnen (nicht die Prozentwerte mitteln).

    Ergebnis:

    850 ÷ 900 × 100 = 94,44 %

  3. Mit dem Ziel vergleichen und die Entwicklung deuten.

    Ergebnis:

    Ziel von 95 % knapp verfehlt; im 4. Quartal deutlicher Einbruch auf 91,54 %

  4. Handlungsempfehlungen ableiten.

    Ergebnis:

    Ursachen mit dem Lieferanten klären, Vertragsstrafe vereinbaren, einen zweiten Lieferanten aufbauen, vorübergehend erhöhen

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024)

Aus Quartalsdaten den Servicegrad berechnen, die Erfüllung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Beschaffungsziele analysieren und Handlungsempfehlungen entwickeln – eine typische Aufgabe mit vielen Bewertungseinheiten.

Typischer Fehler

Die vier Quartalswerte mitteln. (95,91 + 94,17 + 97,22 + 91,54) ÷ 4 = 94,71 % ist falsch, weil die Quartale unterschiedlich viele Bestellungen haben. Richtig: alle einwandfreien Lieferungen durch alle Bestellungen.

Nachhaltig einkaufen – was ein Unternehmen tun kann

  • Lieferanten auswählen nach Umwelt- und Sozialkriterien, nicht nur nach Preis und Qualität; Nachweise über Zertifikate verlangen.
  • Kontrollieren: einen Verhaltenskodex vertraglich vereinbaren und durch Besuche (Audits) prüfen.
  • Regional einkaufen, wo es möglich ist – kürzere Wege, leichtere Kontrolle (Local Sourcing).
  • Transporte bündeln und Mehrwegbehälter einsetzen.
  • Material wählen: Recyclingmaterial, langlebige und reparierbare Teile.

Merksatz

Ökonomisch, ökologisch, sozial – jede Empfehlung sollte sagen, welches Ziel sie stärkt und was sie kostet.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Nenne zu jedem Zielbereich der Beschaffung ein Beispiel.

    Lösung anzeigen
    • ökonomisch: niedrigere durch Mengenrabatte
    • ökologisch: Lieferungen bündeln, damit weniger Lkw fahren
    • sozial: nur Lieferanten wählen, die nachweislich faire Löhne zahlen
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Lieferant erhielt im Jahr 480 Bestellungen. 24 Lieferungen kamen zu spät, 12 hatten Mängel; keine Lieferung war doppelt betroffen. Berechne den und beurteile ihn bei einem Ziel von 95 %.

    Lösung anzeigen

    Einwandfrei: 480 − 24 − 12 = 444 Lieferungen. Servicegrad = 444 ÷ 480 × 100 = 92,5 %. Das Ziel von 95 % wird verfehlt. Gut jede dreizehnte Lieferung macht Probleme – das kann die Produktion stören.

  3. Übung 3Klausurniveau

    Die Geschäftsleitung der Brettwerk GmbH schlägt vor, künftig bei jedem Material den Lieferanten mit dem niedrigsten Angebotspreis zu wählen und alle Lagerbestände zu halbieren. Beurteile den Vorschlag.

    Lösung anzeigen

    Dafür spricht: niedrigere , weniger und geringere – das ökonomische Kostenziel wird besser erreicht.

    Dagegen spricht:

    • Der billigste Anbieter ist oft weit entfernt oder unzuverlässig. Zusammen mit halbierten Beständen steigt das Risiko von Fehlmengen und Produktionsstillstand deutlich ( Kosten ↔ Versorgungssicherheit).
    • Qualität, Fracht, Zoll und Ausschuss bleiben unberücksichtigt; die Gesamtkosten können sogar steigen.
    • Ökologische und soziale Ziele spielen keine Rolle, obwohl sie für das Image wichtig sein können.

    Fazit: In dieser pauschalen Form nicht sinnvoll. Besser: je Material entscheiden – etwa nach ABC-Klasse und Zuverlässigkeit des Lieferanten – und neben dem Preis auch , Qualität und Nachhaltigkeit bewerten.

Das Wichtigste

  • Die Beschaffung stellt Material in passender Art, Menge und Qualität rechtzeitig am richtigen Ort bereit – bei möglichst geringen Kosten.
  • Drei Zielbereiche: ökonomisch (Kosten, Versorgung, Qualität), ökologisch (Umwelt), sozial (Menschen in der ).
  • Ziele geraten in Konflikt, vor allem Kosten und Versorgungssicherheit. Dann wird abgewogen und begründet.
  • = einwandfreie Lieferungen ÷ Bestellungen × 100 – für das Jahr aus den Summen, nicht aus Mittelwerten.

1.2 Beschaffungsstrategien (Sourcing)

Bevor bestellt wird, steht eine grundsätzliche Entscheidung an: Bei wem kaufen wir ein? Dahinter stecken drei Fragen – wie viele Lieferanten, wo sie sitzen und ob sie Einzelteile oder ganze Baugruppen liefern. Die Antworten heißen Sourcing-Strategien (englisch source: Quelle).

Wie viele Lieferanten?

Definition

Beim kommt ein Material von genau einem Lieferanten, beim (auch Dual Sourcing) von zweien, beim von mehreren Lieferanten.

Single SourcingDouble SourcingMultiple Sourcing
Vorteilegroße Mengen → gute Preise; enge Zusammenarbeit, gleichbleibende Qualität; wenig VerwaltungsaufwandAusfallrisiko geringer; trotzdem große Mengen je Lieferant; Lieferanten im WettbewerbWettbewerb drückt die Preise; hohe Ausfallsicherheit; schneller Wechsel möglich
Nachteilestarke Abhängigkeit; Ausfall = Lieferstopp; Lieferant kann Preise leichter erhöhenetwas mehr Aufwand; Qualität muss bei beiden stimmenhoher Aufwand für Auswahl und Kontrolle; kleinere Mengen je Lieferant; Qualität schwankt eher
passt zuSpezialteilen, Entwicklungspartnerschaftenwichtigen Teilen, bei denen ein Ausfall teuer wäreStandardteilen, die viele anbieten

Beispiel aus dem Alltag

Alles aus einer Hand?

Wer Handy, Internet und Fernsehen beim selben Anbieter bucht, bekommt einen Paketrabatt und hat nur eine Rechnung – das ist Single Sourcing. Fällt das Netz dieses Anbieters aus, ist aber auf einen Schlag alles weg.

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024)

„Stellen Sie Probleme dar, die sich aus der vertraglichen Bindung an einen einzigen Lieferanten ergeben können.“ Gefragt sind die Nachteile des Single Sourcing: Abhängigkeit, Lieferausfall, Preiserhöhungen, sinkender Anreiz des Lieferanten, besser zu werden.

Wo sitzen die Lieferanten?

Definition

Beim sitzen die Lieferanten in der Nähe des eigenen Werks, beim wird weltweit eingekauft – dort, wo das Material am günstigsten oder am besten ist.

Local SourcingGlobal Sourcing
Vorteilekurze Wege und Lieferzeiten, wenig CO₂, leichte Kontrolle, gleiche Sprache und Rechtslage, gut für niedrige Preise, große Auswahl, Zugang zu Spezialwissen und Rohstoffen
Nachteileoft höhere Preise, kleinere Auswahllange Transporte, Zoll, Wechselkursrisiko, Krisen und Störungen auf den Transportwegen, schwer zu kontrollierende Umwelt- und Sozialstandards

Beispiel aus der Praxis

Rechnen statt schätzen bei Hellwig

Die Hellwig Leuchten GmbH vergleicht Aluminiumgehäuse. Der Betrieb im Nachbarort verlangt 6,40 € je Stück. Ein Hersteller in Asien bietet 4,90 € an – dazu kommen aber 0,70 € Fracht, 0,25 € Zoll und 0,30 € für den größeren , den die lange Lieferzeit erfordert. Macht 6,15 €. Der Preisvorteil schrumpft von 1,50 € auf 0,25 € je Stück – und dafür trägt Hellwig das Risiko eines langen Transportwegs.

Typischer Fehler

„Global ist immer billiger.“ Erst Fracht, Zoll, Lagerpuffer und Risiken einrechnen, dann vergleichen.

Einzelteil, Modul oder System?

Definition

Beim liefert ein Lieferant eine fertig montierte Baugruppe (Modul). Beim liefert er eine ganze Funktion und übernimmt meist auch deren Entwicklung.

Statt hundert Einzelteile von vielen Lieferanten zu kaufen und selbst zu montieren, bezieht der Hersteller fertige Einheiten von wenigen Modul- oder Systemlieferanten. Diese kaufen ihrerseits die Einzelteile ein – so entsteht eine in Stufen.

  • Vorteile: weniger direkte Lieferanten, weniger eigene Montage, Spezialwissen des Lieferanten, kürzere Entwicklungszeiten.
  • Nachteile: starke Abhängigkeit, eigenes Wissen geht verloren, der Lieferant gewinnt Verhandlungsmacht.

Beispiel aus dem Alltag

Möbel aus dem Paket

Wer einen Schrank selbst aus Brettern, Scharnieren und Schrauben baut, kauft Einzelteile. Wer ihn fertig aufgebaut liefern lässt, kauft ein Modul. Wer eine Küchenfirma beauftragt, die plant, liefert, einbaut und die Geräte anschließt, kauft ein System.

Strategien kombinieren und begründen

Jede Beschaffung beantwortet alle drei Fragen. Die Strategien werden deshalb kombiniert, zum Beispiel Global (viele Lieferanten weltweit) oder Local (ein Lieferant in der Nähe).

Schritt für Schritt

Eine Strategie für die Netzteile von Hellwig empfehlen

Hellwig bezieht Netzteile bisher von einem einzigen Hersteller in Übersee (Global Single Sourcing). Zuletzt gab es zweimal mehrwöchige Lieferausfälle. Netzteile sind ein Standardteil, das in Europa mehrere Firmen anbieten. Hellwig möchte als nachhaltiger Hersteller auftreten.

  1. Das Material einordnen – wie speziell, wie wichtig, wie teuer?

    Ergebnis:

    Standardteil, ohne Netzteil keine Lampe, mittlerer Wert

  2. Die Ziele des Unternehmens benennen.

    Ergebnis:

    Versorgung sichern (Ausfälle), Nachhaltigkeit, Kosten im Blick behalten

  3. Anzahl der Lieferanten wählen.

    Ergebnis:

    – ein Ausfall legt nicht mehr alles lahm, die Mengen bleiben groß

  4. Standort wählen.

    Ergebnis:

    Mindestens ein Lieferant in Europa – kürzere Wege, weniger CO₂, leichter zu kontrollieren

  5. Empfehlung zusammenfassen und den Nachteil nennen.

    Ergebnis:

    Double Sourcing, überwiegend Local – sicherer und nachhaltiger, aber vermutlich etwas teurer

Merksatz

Eine Strategie ist erst eine Empfehlung, wenn sie mit den Zielen des Unternehmens begründet ist.

Typischer Fehler

Nur den Namen nennen. „Multiple Sourcing“ allein bringt in der Prüfung wenig Punkte. Es muss erkennbar sein, welches Problem die Strategie löst und welchen Nachteil man dafür in Kauf nimmt.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Hersteller bezieht Kabel bei fünf Firmen in drei Ländern auf verschiedenen Kontinenten. Wie heißt die Kombination?

    Lösung anzeigen

    Global : mehrere Lieferanten (multiple), weltweit verteilt (global).

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Hersteller von Hörgeräten bezieht einen speziellen Mikrochip nur von einem Entwicklungspartner. Nenne je zwei Vor- und Nachteile dieser Strategie.

    Lösung anzeigen

    Es handelt sich um .

    • Vorteile: enge Entwicklungspartnerschaft, der Chip passt genau; große Mengen bei einem Partner, dadurch bessere Konditionen.
    • Nachteile: Fällt der Partner aus, steht die Produktion; der Partner kann höhere Preise leichter durchsetzen.
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Fahrradhersteller kauft Felgen bei vier Lieferanten in Asien (Global ). Ausgewählt wird nur nach Preis und Qualität. Künftig will das Unternehmen den seiner Lieferanten auf über 95 % heben und sich als nachhaltig präsentieren. Entwickle eine begründete Empfehlung.

    Lösung anzeigen

    Ausgangslage: Viele, weit entfernte Lieferanten sind schwer zu kontrollieren; lange Wege gefährden die Pünktlichkeit und verursachen viel CO₂. Umwelt- und Sozialstandards werden bisher nicht geprüft.

    Empfehlung:

    • Auf mit mindestens einem Lieferanten in Europa umstellen (): kürzere Lieferzeiten, besserer Servicegrad, weniger CO₂, leichtere Kontrolle.
    • Bei der Auswahl Zertifikate zu Umwelt- und Sozialstandards verlangen und Audits vereinbaren.
    • Mit beiden Lieferanten Servicegrad-Ziele und Vertragsstrafen festschreiben.

    Abwägung: Die steigen voraussichtlich, und mit nur zwei Lieferanten sinkt der Wettbewerb. Dafür werden Versorgung, Nachhaltigkeit und Image gestärkt.

Das Wichtigste

  • Wie viele? Single (einer), Double (zwei), Multiple (mehrere) – Abhängigkeit gegen Aufwand abwägen.
  • Wo? Local (nah, sicher, nachhaltiger, oft teurer) oder Global (günstig, große Auswahl, riskanter).
  • Was? Einzelteile, Module (Baugruppen) oder Systeme (ganze Funktionen samt Entwicklung).
  • Strategien werden kombiniert und immer mit den Zielen des Unternehmens begründet.

1.3 Materialbereitstellung

Material kann schon Wochen vorher im Lager liegen – oder erst in dem Moment ankommen, in dem es eingebaut wird. Je näher die Lieferung an den Verbrauch rückt, desto weniger Lager braucht man, desto genauer muss aber alles zusammenspielen. Diese Lernseite zeigt die Grundformen und die modernen Konzepte dazwischen.

Drei Grundformen

Definition

Die regelt, wie das Material zur Fertigung kommt: als (erst einlagern, dann verbrauchen), als (erst bestellen, wenn ein konkreter Auftrag da ist) oder fertigungssynchron (Lieferung genau dann, wenn das Material verarbeitet wird).

Im Register

VorratsbeschaffungEinzelbeschaffungfertigungssynchron
Lagergroßkeinesfast keines
Vorteilehohe Lieferbereitschaft, Mengenrabatte, Schutz vor Engpässenkeine , kein Restmaterialkaum und Lagerfläche, frisches Material
NachteileKapitalbindung, Lagerkosten, Schwund und VeraltenWartezeit, kaum RabatteAbhängigkeit vom Lieferanten, Stillstand bei Störungen
passt zugünstigen Teilen mit regelmäßigem Bedarf ()Sonderanfertigungen, unregelmäßigem Bedarfteuren Teilen mit gut planbarem Bedarf (AX-Güter)

Beispiel aus dem Alltag

Nudeln, Torte, Brötchen

Nudeln kauft man auf Vorrat – sie halten lange und kosten wenig (Vorratsbeschaffung). Die Geburtstagstorte bestellt man erst, wenn das Fest feststeht (Einzelbeschaffung). Und wer jeden Morgen frische Brötchen holt, die gleich gegessen werden, macht es fertigungssynchron.

Typischer Fehler

Einzelbeschaffung mit fertigungssynchroner Beschaffung verwechseln. Bei der Einzelbeschaffung wird für einen bestimmten Auftrag bestellt, oft mit Wartezeit. Fertigungssynchron heißt: laufende Serienfertigung, regelmäßige Lieferungen im Takt der Produktion.

Just in time

Definition

Bei (JIT, „gerade rechtzeitig“) liefert der Zulieferer die benötigte Menge zum benötigten Zeitpunkt an den benötigten Ort – oft mehrmals täglich direkt an die Montagelinie.

Im Register

Voraussetzungen: zuverlässige Lieferanten mit kurzen oder sehr sicheren Transportwegen; einwandfreie Qualität, weil für Eingangsprüfungen keine Zeit bleibt; laufender elektronischer Austausch der Produktionspläne; gleichmäßiger, gut planbarer Bedarf.

VorteileNachteile
kaum Lager, wenig Abhängigkeit vom Lieferanten
geringe und wenig Flächejede Störung (Stau, Streik, Unwetter) kann das Band stoppen
Probleme in der Qualität fallen sofort aufmehr Lkw-Fahrten und Verkehr, mehr CO₂
Lieferant muss selbst puffern und verlangt dafür höhere Preise

Typischer Fehler

„Bei Just in time gibt es gar kein Lager mehr.“ Das Lager verschwindet nicht, es verschiebt sich: zum Lieferanten oder auf die Straße. Lkw werden zum „rollenden Lager“.

Just in sequence

Definition

(JIS) erweitert : Die Teile kommen nicht nur pünktlich, sondern in genau der Reihenfolge, in der sie am Band eingebaut werden.

Im Register

Beispiel aus der Praxis

Sitze für die Nordtal Fahrzeugwerk AG

Am Band von Nordtal folgen ein Lieferwagen mit Stoffsitzen in Grau, einer mit Ledersitzen in Schwarz und einer mit Sitzheizung. Der Sitzhersteller bekommt die Reihenfolge einige Stunden vorher übermittelt und belädt seinen Lkw genau so. Am Band nimmt die Werkerin einfach den nächsten Sitz – ohne Suchen und Sortieren.

  • Vorteile: wie bei JIT, dazu kein Sortieren am Band, kaum Verwechslungen, Platz an der Linie gespart – besonders wertvoll bei Teilen mit vielen Varianten (Sitze, Stoßfänger, Cockpits).
  • Nachteile: noch engere Abhängigkeit, sehr kurze Vorlaufzeit; ein falsch sortiertes Teil stört sofort; verlangt kurze Wege, oft siedeln sich Lieferanten direkt neben dem Werk an.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026

Just in sequence und erklären sowie Vor- und Nachteile von Just in sequence erläutern.

Kanban – die Karte bestellt

Definition

(japanisch: Karte) steuert den Nachschub nach dem : Nachgeliefert wird nur, was tatsächlich verbraucht wurde. Ein leerer Behälter mit seiner Karte ist der Auftrag für eine feste Menge.

Im Register

Schritt für Schritt

Der Kreislauf mit zwei Behältern

An der Montagelinie von Nordtal stehen zwei Behälter mit je 200 Befestigungsclips. Verbraucht werden 50 Clips pro Stunde. Der Lieferant braucht 3 Stunden, bis ein voller Behälter zurück ist.

  1. Aus dem ersten Behälter wird entnommen, bis er leer ist.

    Ergebnis:

    nach 4 Stunden (200 ÷ 50)

  2. Der leere Behälter geht mit seiner Karte an den Lieferanten – die Karte nennt Teilenummer und Menge.

  3. Die Montage arbeitet mit dem zweiten Behälter weiter.

    Ergebnis:

    Er reicht 4 Stunden.

  4. Der Lieferant füllt den Behälter mit genau der Menge auf der Karte und bringt ihn zurück.

    Ergebnis:

    nach 3 Stunden – also bevor der zweite Behälter leer ist (noch 50 Clips übrig)

  5. Der Kreislauf beginnt von vorn, jetzt mit vertauschten Rollen.

Voraussetzungen: gleichmäßiger Verbrauch, genormte Behälter, feste Mengen je Karte, zuverlässige und nahe Lieferanten (die Lieferzeit muss kürzer sein als die Reichweite eines Behälters). Statt Papierkarten werden oft Barcodes oder Funkchips genutzt (E-Kanban).

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024), Abitur 2026

Voraussetzungen des Kanban-Konzepts erläutern; das Karten-Kanban-System erläutern.

Merksatz

Kanban: Leerer Behälter = Bestellung. Geliefert wird nur, was verbraucht wurde.

Cross-Docking – umladen statt einlagern

Definition

Beim schicken viele Lieferanten ihre Ware an einen Umschlagpunkt. Dort wird sie nicht eingelagert, sondern innerhalb weniger Stunden auf die Fahrzeuge zu den Empfängern verteilt.

Im Register

  • Einstufig: Die Lieferanten liefern schon fertig für jeden Empfänger zusammengestellt. Am Umschlagpunkt wird nur umgeladen.
  • Mehrstufig: Die Ware wird erst am Umschlagpunkt sortiert und für jeden Empfänger neu zusammengestellt (kommissioniert).

Vorteile: kaum Lagerbestände, volle Lkw statt vieler halbleerer Fahrten, schnelle Weitergabe. Voraussetzungen: genaue Zeitplanung und Datenaustausch zwischen allen Beteiligten.

Beispiel aus der Praxis

Die Supermarktkette

Zwanzig Hersteller liefern morgens an das Verteilzentrum einer Supermarktkette. Bis zum Mittag ist alles auf die Lkw zu den Filialen umgeladen – jede Filiale bekommt einen gemischten, vollen Lkw statt zwanzig kleiner Lieferungen.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Hersteller von Kühlaufbauten bestellt ein spezielles Kühlaggregat erst, wenn ein Kunde genau dieses Modell geordert hat. Welche Form der Bereitstellung ist das?

    Lösung anzeigen

    : bestellt wird erst bei einem konkreten Auftrag und nur in der benötigten Menge.

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Behälter fasst 120 Schrauben, verbraucht werden 30 Schrauben pro Stunde, der Nachschub dauert 5 Stunden. Reichen zwei Behälter? Begründe und mache einen Vorschlag.

    Lösung anzeigen

    Ein Behälter reicht 120 ÷ 30 = 4 Stunden. Der Nachschub dauert aber 5 Stunden – der zweite Behälter ist eine Stunde zu früh leer, die Montage steht.

    Vorschläge: größere Behälter (mindestens 150 Schrauben), einen dritten Behälter in den Kreislauf nehmen oder eine kürzere Lieferzeit vereinbaren.

  3. Übung 3Klausurniveau

    Nordtal will die Sitze künftig per beziehen. Der bisherige Sitzhersteller liegt 400 km entfernt. Beurteile das Vorhaben.

    Lösung anzeigen

    Dafür: Sitze gibt es in vielen Varianten – JIS spart das Sortieren und viel Platz an der Linie; es wird kaum Kapital in teuren Sitzen gebunden.

    Dagegen: JIS verlangt sehr kurze Vorlaufzeiten. Bei 400 km Entfernung reicht schon ein Stau, damit die richtigen Sitze nicht in der richtigen Reihenfolge ankommen – das Band steht. Das Risiko ist hoch.

    Empfehlung: JIS nur, wenn der Lieferant ein Montagewerk in Werksnähe einrichtet oder ein kleines Sequenzlager nahe am Werk betreibt. Sonst besser mit einem kleinen Puffer aus häufigen Varianten.

Das Wichtigste

  • (Lager, sicher, aber teuer), (bei Auftrag, kein Lager, aber Wartezeit), fertigungssynchron (im Takt der Fertigung, kaum Lager, aber hohe Abhängigkeit).
  • : richtige Menge, richtiger Zeitpunkt, richtiger Ort. : zusätzlich in der Einbaureihenfolge – ideal bei vielen Varianten.
  • : Ein leerer Behälter löst den Nachschub aus (); die Lieferzeit muss kürzer sein als die Reichweite eines Behälters.
  • : bündeln und umladen statt einlagern – einstufig nur umladen, mehrstufig auch neu zusammenstellen.

1.4 ABC-Analyse

Ein Betrieb kauft oft Hunderte verschiedener Materialien ein – vom teuren Bauteil bis zur Schraube. Wer alle gleich gründlich plant, verschwendet Zeit an Kleinkram und hat für die wichtigen Posten zu wenig.

Die zeigt, in welchen wenigen Materialien das meiste Geld steckt. Dort lohnt sich genaues Planen und Verhandeln. Bei den vielen kleinen Posten reicht ein einfacher Bestellweg.

Wozu die ABC-Analyse dient

Definition

Die ordnet die Materialien eines Unternehmens nach ihrem Anteil am gesamten eines Zeitraums und teilt sie in drei Klassen ein: (wenige Materialien mit hohem Wertanteil), B-Güter (Mittelfeld) und (viele Materialien mit kleinem Wertanteil).

Im Register

Das Ziel ist, die Arbeit im Einkauf dorthin zu lenken, wo sie am meisten bringt:

  • Kosten senken: Ein Preisnachlass von 3 % bei einem A-Gut spart viel mehr als derselbe Rabatt bei einem C-Gut.
  • senken: Teure Materialien sollen nicht lange im Lager liegen.
  • Aufwand sparen: Für C-Güter genügen einfache, schnelle Bestellwege.

Beispiel aus dem Alltag

Sparen im eigenen Haushalt

Wer im Monat Geld sparen will, vergleicht den Handyvertrag, die Versicherung fürs Mofa und den Wocheneinkauf. Den Preis von Radiergummis vergleicht niemand – selbst ein halbierter Preis brächte kaum etwas. Genau so denkt die ABC-Analyse.

Prüfungsrelevant · Abitur 2025

Erläutere die Zielsetzung der ABC-Analyse – gefragt ist der Zweck, nicht die Rechnung.

Worauf es ankommt – der Verbrauchswert

Verglichen wird nicht der Preis eines einzelnen Stücks, sondern der : wie viel Geld in einem Zeitraum (meist einem Jahr) insgesamt für ein Material ausgegeben wird.

Formel

Verbrauchswert

Verbrauchswert = Verbrauchsmenge × Preis je Einheit

Verbrauchsmenge eines Zeitraums, meist eines Jahres; als Preis dient der .

Formel

Wertanteil (ABC-Analyse)

Wertanteil in % = Verbrauchswert des Materials ÷ Verbrauchswert aller Materialien × 100

Typischer Fehler

Nach dem Stückpreis sortieren. Ein Bauteil für 90 € ist kein , wenn davon nur 20 Stück im Jahr gebraucht werden (1.800 €). Eine Dichtung für 0,30 € kann bei 40.000 Stück mehr Geld binden (12.000 €).

Das Vorgehen

Schritt für Schritt

ABC-Analyse der Holmberg Küchentechnik GmbH

Die Holmberg Küchentechnik GmbH baut Kaffeemaschinen. Für sechs Materialien liegen die Jahreszahlen vor. Grenzen laut Geschäftsleitung (kumulierte Wertanteile): A bis 80 %, B bis 95 %, C der Rest.

MaterialMenge (Stück)Preis je Stück
Pumpen3.00024,00 €
Edelstahlgehäuse4.00012,00 €
Steuerplatinen1.5009,00 €
Dichtungsringe30.0000,25 €
Kabelsätze5.0001,20 €
Schrauben60.0000,05 €
  1. je Material berechnen (Menge × Preis) und alles addieren.

    Ergebnis:

    Pumpen 72.000 €, Gehäuse 48.000 €, Platinen 13.500 €, Dichtungsringe 7.500 €, Kabelsätze 6.000 €, Schrauben 3.000 € – zusammen 150.000 €

  2. Nach dem Verbrauchswert absteigend sortieren und Ränge vergeben.

    Ergebnis:

    1 Pumpen, 2 Gehäuse, 3 Platinen, 4 Dichtungsringe, 5 Kabelsätze, 6 Schrauben

  3. Den Wertanteil jedes Materials ausrechnen, z. B. Pumpen 72.000 € ÷ 150.000 € × 100.

    Ergebnis:

    48 %, 32 %, 9 %, 5 %, 4 %, 2 %

  4. Die Wertanteile von oben nach unten aufaddieren (kumulieren).

    Ergebnis:

    48 %, 80 %, 89 %, 94 %, 98 %, 100 %

  5. Mit den Grenzen der Aufgabe einteilen.

    Ergebnis:

    A = Pumpen, Gehäuse · B = Platinen, Dichtungsringe · C = Kabelsätze, Schrauben

Der Blick auf die Mengen zeigt das typische Bild:

KlasseMaterialienAnteil an der MengeAnteil am Wert
APumpen, Gehäuseca. 7 %80 %
BPlatinen, Dichtungsringeca. 30 %14 %
CKabelsätze, Schraubenca. 63 %6 %

Die ABC-Kurve – je steiler der Anfang, desto stärker ballt sich der Wert in wenigen Materialien.

Merksatz

Erst Verbrauchswert, dann sortieren, dann Anteile, dann kumulieren, dann einteilen.

Wo die Klassengrenzen liegen

Achtung

Die Grenzen sind nicht einheitlich festgelegt. Üblich sind zum Beispiel:

  • Wertanteile 80 % / 15 % / 5 % (A / B / C),
  • Wertanteile 75 % / 20 % / 5 %,
  • kumuliert bis 80 % / bis 95 % / Rest – das entspricht der ersten Variante.

Jedes Unternehmen legt seine Grenzen selbst fest. In einer Aufgabe gelten immer die Grenzen, die dort stehen.

Typischer Fehler

Die Grenzen auf die Mengenanteile anwenden. Die Prozentgrenzen beziehen sich auf den Wert. Dass zugleich einen kleinen Mengenanteil haben, ist ein Ergebnis der Analyse, keine Regel zum Einteilen.

Merksatz

Die Grenzen stehen in der Aufgabe, nicht im Gedächtnis.

Was aus den Klassen folgt

Planunggenaue Bedarfsermittlung, laufende Kontrollegrobe Schätzung genügt
EinkaufMarktanalyse, Angebotsvergleich, Preisverhandlungeinfache Bestellung, Rahmenvertrag, Sammelbestellung
BereitstellungEinzelbeschaffung oder Just-in-time, z. B. mit
Lagerkleine Bestände, kurze größere Bestände sind unproblematisch

B-Güter liegen dazwischen; je nach Material wird eher wie bei A oder wie bei C verfahren.

Beispiel aus der Praxis

Holmberg zieht Konsequenzen

Für die Pumpen holt Holmberg jedes Jahr Angebote von drei Herstellern ein und lässt sie wöchentlich nach dem Produktionsplan anliefern. Im Lager liegen höchstens zwei Tage Vorrat. Die Schrauben kommen über einen Rahmenvertrag: Ein Lieferant füllt einmal im Monat die Regale an der Montagelinie auf.

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024)

Typisch ist: „Begründen Sie, ob eine Vorratshaltung für Bauteil X geeignet ist.“ Für ein A-Gut eher nicht – sie bindet viel Kapital. Für ein C-Gut schon – der Vorrat kostet wenig und spart Bestellaufwand.

Typischer Fehler

„A-Güter sind wichtig, also viel davon lagern.“ Genau umgekehrt: Weil in A-Gütern viel Geld steckt, hält man ihre Bestände klein.

Was die ABC-Analyse nicht zeigt

Die schaut nur auf den Wert. Sie sagt nichts darüber,

  • ob der Verbrauch gleichmäßig oder schwankend ist – das prüft die XYZ-Analyse und ABC/XYZ-Matrix,
  • ob ein billiges Teil die Produktion stoppt, wenn es fehlt,
  • wie zuverlässig ein Lieferant ist oder wie gut die Qualität stimmt.

Ein Dichtungsring ist ein . Fehlt er, steht trotzdem das ganze Band still.

Merksatz

ABC zeigt, wo das Geld steckt – nicht, was unverzichtbar ist.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Von einem Kunststoffgriff werden im Jahr 25.000 Stück zu je 0,80 € verbraucht. Berechne den .

    Lösung anzeigen

    Verbrauchswert = 25.000 × 0,80 € = 20.000 €.

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Fahrradhändler wertet fünf Teile aus ( im Jahr): Rahmen 90.000 €, Laufräder 45.000 €, Sättel 7.500 €, Schläuche 4.500 €, Ventilkappen 3.000 €. Grenzen (kumuliert): A bis 85 %, B bis 95 %, C Rest. Teile die Materialien ein.

    Lösung anzeigen

    Summe 150.000 €. Wertanteile: Rahmen 60 %, Laufräder 30 %, Sättel 5 %, Schläuche 3 %, Ventilkappen 2 %. Kumuliert: 60 %, 90 %, 95 %, 98 %, 100 %.

    • A: Rahmen (60 % liegt unter 85 %).
    • B: Laufräder (90 %) und Sättel (95 %, genau auf der Grenze „bis 95 %“).
    • C: Schläuche und Ventilkappen.

    Achtung: Die Laufräder sind trotz 30 % Wertanteil kein – mit ihnen steigt die Summe auf 90 % und damit über die A-Grenze von 85 %.

  3. Übung 3Klausurniveau

    Die Holmberg GmbH überlegt, für die Pumpen () und die Schrauben () jeweils einen Vorrat für drei Monate anzulegen, „damit nie etwas fehlt“. Beurteile den Vorschlag für beide Materialien.

    Lösung anzeigen

    Pumpen: Ein Dreimonatsvorrat entspräche einem Viertel des , also 18.000 €. Dieses Geld wäre im Lager gebunden, dazu kämen , Schwund und das Risiko, dass ein neues Modell andere Pumpen braucht. Besser: genaue Planung, häufige Lieferungen, kleiner . Der Vorschlag ist für die Pumpen nicht sinnvoll.

    Schrauben: Ein Dreimonatsvorrat kostet nur 750 € (ein Viertel von 3.000 €). Dafür spart Holmberg Bestellungen, und die Montage steht nie wegen einer fehlenden Schraube still. Für die Schrauben ist der Vorschlag sinnvoll.

Das Wichtigste

  • Die teilt Materialien nach ihrem Anteil am in A-, B- und ein.
  • Vorgehen: Verbrauchswert → sortieren → Wertanteile → kumulieren → mit den Grenzen der Aufgabe einteilen.
  • : wenige Materialien, großer Wertanteil → genau planen, verhandeln, wenig lagern.
  • C-Güter: viele Materialien, kleiner Wertanteil → einfach bestellen, ruhig auf Vorrat.
  • Die Grenzen sind nicht einheitlich; Schwankungen im Verbrauch zeigt erst die .

1.5 XYZ-Analyse und ABC/XYZ-Matrix

Die fragt, wo das Geld steckt. Für die Planung zählt noch etwas anderes: Wie gleichmäßig wird ein Material verbraucht? Was jeden Monat in fast gleicher Menge gebraucht wird, lässt sich genau planen und pünktlich anliefern. Was mal gar nicht und mal in Massen gebraucht wird, nicht. Genau das misst die .

X, Y und Z

Definition

Die teilt Materialien nach der Schwankung ihres Verbrauchs ein: X-Güter werden gleichmäßig verbraucht, Y-Güter schwankend (etwa mit der Saison oder einem Trend), Z-Güter unregelmäßig. Je weiter hinten im Alphabet, desto schlechter lässt sich der Bedarf vorhersagen.

Im Register

Drei Materialien der Gartenwerk Kaltenbach GmbH – gleichmäßig, saisonal, unregelmäßig.

Beispiel aus dem Alltag

Was im Kühlschrank landet

Milch fürs Frühstück wird jede Woche fast gleich viel gekauft (X). Grillwürstchen vor allem im Sommer (Y). Eine Torte nur, wenn jemand Geburtstag hat (Z). Milch kann man feste Mengen in den Wocheneinkauf schreiben – bei der Torte geht das nicht.

Die Schwankung messen – der Variationskoeffizient

Formel

Variationskoeffizient (XYZ-Analyse)

Variationskoeffizient in % = Standardabweichung ÷ Mittelwert × 100

Mittelwert = durchschnittlicher Verbrauch je Periode (z. B. Monat). Standardabweichung = Wurzel aus der Varianz; Varianz = Summe der quadrierten Abweichungen vom Mittelwert ÷ Anzahl der Perioden.

Die Standardabweichung gibt an, wie weit die einzelnen Monatswerte typischerweise vom Mittelwert abweichen – in Stück. Ob 100 Stück Abweichung viel oder wenig sind, hängt aber von der Menge ab: Bei einem Mittelwert von 10.000 ist das kaum etwas, bei 150 sehr viel. Deshalb teilt der (VarK) durch den Mittelwert. So lassen sich große und kleine Verbräuche vergleichen.

Schritt für Schritt

VarK der Sonnenschirmbezüge

Verbrauch der Gartenwerk Kaltenbach GmbH von Januar bis Juni (Stück): 100, 200, 400, 500, 300, 300.

  1. Mittelwert berechnen – alle Werte addieren und durch die Anzahl teilen.

    Ergebnis:

    1.800 ÷ 6 = 300 Stück

  2. Abweichung jedes Monats vom Mittelwert bilden.

    Ergebnis:

    −200, −100, +100, +200, 0, 0

  3. Die Abweichungen quadrieren und addieren.

    Ergebnis:

    40.000 + 10.000 + 10.000 + 40.000 + 0 + 0 = 100.000

  4. Varianz – die Summe durch die Anzahl der Monate teilen.

    Ergebnis:

    100.000 ÷ 6 = 16.666,67

  5. Standardabweichung – die Wurzel ziehen.

    Ergebnis:

    √16.666,67 = 129,10 Stück

  6. Variationskoeffizient – durch den Mittelwert teilen, mal 100.

    Ergebnis:

    129,10 ÷ 300 × 100 = 43,03 % → Y-Gut (Grenzen siehe unten)

Zum Vergleich die beiden anderen Materialien aus der Grafik:

MaterialMittelwertStandardabweichungVarKKlasse
Schrauben (Kartons)50012,912,58 %X
Sonnenschirmbezüge300129,1043,03 %Y
Beschläge3033,67112,22 %Z

Typischer Fehler

Nur die Standardabweichung vergleichen. Die Beschläge haben mit 33,67 eine viel kleinere Standardabweichung als die Bezüge (129,10) – und schwanken trotzdem viel stärker, weil ihr Mittelwert nur 30 beträgt. Eingeteilt wird nach dem VarK.

Achtung

Manche Unterlagen teilen die Summe der quadrierten Abweichungen durch n − 1 statt durch n (Stichprobe). Die Ergebnisse unterscheiden sich dann leicht. Im Unterricht und in dieser Lernseite wird durch die Anzahl der Perioden geteilt.

Wo die Grenzen liegen

Achtung

Wie bei der sind die Grenzen nicht einheitlich. Häufig verwendet wird:

Klasse
Xunter 25 %
Y25 % bis unter 50 %
Z50 % und mehr

Andere Quellen setzen strengere Grenzen, etwa X nur bis 10 %. In einer Aufgabe gelten die Grenzen der Aufgabe.

Typischer Fehler

„Z-Güter sind unwichtig.“ Die XYZ-Klasse sagt nichts über den Wert. Ein teures Material kann unregelmäßig gebraucht werden (AZ), ein billiges sehr gleichmäßig (CX). ABC und XYZ sind voneinander unabhängig.

Die ABC/XYZ-Matrix

Definition

Die kombiniert beide Analysen: Jedes Material bekommt zwei Buchstaben – den Wert (A, B, C) und die Planbarkeit (X, Y, Z). So entstehen neun Felder, für die sich passende Beschaffungswege ableiten lassen.

Im Register

A (hoher Wert)BC (geringer Wert)
X (gleichmäßig)Just in time, genaue Planung, kaum Lagerfertigungssynchron oder kleiner VorratVorrat, automatisch nachbestellen (Kanban)
Y (schwankend)genaue Planung, kleiner je nach FallVorrat
Z (unregelmäßig)Einzelbeschaffung oder kleiner VorratVorrat mit großzügigem Sicherheitsbestand

Die Ecken der Matrix sind eindeutig, die Mitte wird von Fall zu Fall entschieden.

Beispiel aus der Praxis

Teakholzplatten bei Gartenwerk Kaltenbach

Tischplatten aus Teakholz kosten viel (A) und werden nur für Sonderanfertigungen gebraucht (Z). Bisher lagen stets 150 Platten auf Vorrat – oft monatelang. Als AZ-Gut werden sie künftig erst bestellt, wenn ein Auftrag vorliegt. Der Kunde wartet dafür zwei Wochen länger, Gartenwerk bindet aber kein Kapital mehr in Holz, das vielleicht nie verkauft wird.

Merksatz

ABC sagt, was ein Vorrat kostet. XYZ sagt, wie gut sich der Bedarf planen lässt. Erst beide zusammen ergeben die Empfehlung.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Material hat einen von 18 %. Grenzen: X unter 25 %, Y 25 % bis unter 50 %, Z ab 50 %. Ordne es ein.

    Lösung anzeigen

    18 % liegt unter 25 % – es ist ein X-Gut mit gleichmäßigem Verbrauch.

  2. Übung 2Anwendung

    Der Verbrauch von Holzlasur betrug in vier Quartalen 80, 120, 140 und 60 Liter. Berechne den und ordne die Lasur mit den Grenzen von oben ein.

    Lösung anzeigen
    • Mittelwert: 400 ÷ 4 = 100 Liter
    • Abweichungen: −20, +20, +40, −40; Quadrate: 400 + 400 + 1.600 + 1.600 = 4.000
    • Varianz: 4.000 ÷ 4 = 1.000; Standardabweichung: √1.000 = 31,62 Liter
    • VarK: 31,62 ÷ 100 × 100 = 31,62 % → Y-Gut
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Material ist ein mit einem von 8 % (X). Ein zweites ist ein mit 70 % (Z). Empfiehl für beide eine Bereitstellung und begründe mit beiden Buchstaben.

    Lösung anzeigen

    AX: Hoher Wert → ein Vorrat würde viel Kapital binden. Gleichmäßiger Verbrauch → der Bedarf ist gut planbar. Beides spricht für mit genauer Planung und zuverlässigem Lieferanten.

    CZ: Geringer Wert → ein Vorrat kostet kaum etwas. Unregelmäßiger Verbrauch → man kann nicht genau planen. Deshalb mit großzügigem – so fehlt nie etwas, und der Puffer ist billig.

Das Wichtigste

  • Die teilt Materialien nach der Schwankung des Verbrauchs ein: X gleichmäßig, Y schwankend, Z unregelmäßig.
  • = Standardabweichung ÷ Mittelwert × 100 – macht große und kleine Verbräuche vergleichbar.
  • Die Grenzen sind nicht einheitlich, es gelten die Werte der Aufgabe.
  • In der : AX → , AZ → , CX → Vorrat/, CZ → Vorrat mit großem Puffer.

1.6 Optimale Bestellmenge

Einmal im Jahr alles bestellen oder jede Woche ein bisschen? Wer selten bestellt, hat wenig Arbeit mit Bestellungen, aber ein volles, teures Lager. Wer oft bestellt, hält das Lager klein, bezahlt dafür aber viele Bestellvorgänge. Irgendwo dazwischen liegt die Menge, bei der beides zusammen am wenigsten kostet: die .

Zwei Kosten, die gegeneinander laufen

Definition

Die ist die Menge je Bestellung, bei der die Summe aus und eines Jahres am kleinsten ist.

Im Register

  • Bestellkosten fallen bei jeder Bestellung an, egal wie groß sie ist: Angebote einholen, bestellen, Ware annehmen und prüfen, Rechnung bearbeiten, oft auch Transport. Je größer die Bestellmenge, desto seltener wird bestellt – die Bestellkosten im Jahr sinken.
  • Lagerkosten entstehen, solange Material im Lager liegt: Zinsen für das , Miete, Versicherung, Schwund. Sie werden über den berechnet – den Anteil des durchschnittlichen Lagerwerts, der pro Jahr an Kosten anfällt. Je größer die Bestellmenge, desto voller ist das Lager – die Lagerkosten steigen.

Formel

Durchschnittlicher Lagerbestand (ohne Mindestbestand)

Ø Lagerbestand = Bestellmenge ÷ 2

Nach jeder Lieferung ist das Lager voll, dann sinkt der Bestand gleichmäßig auf null – im Mittel liegt die Hälfte da.

Formel

Lagerkosten im Jahr

Lagerkosten = Ø Lagerbestand × Einstandspreis × Lagerkostensatz

Formel

Bestellkosten im Jahr

Bestellkosten = Anzahl der Bestellungen × Kosten je Bestellung

Anzahl der Bestellungen = Jahresbedarf ÷ Bestellmenge

Beispiel aus dem Alltag

Der Weg zum Supermarkt

Wer jeden Tag einkaufen geht, braucht kaum Platz im Kühlschrank, verbringt aber viel Zeit auf dem Weg (hohe „Bestellkosten“). Wer einmal im Monat für alles einkauft, spart Wege, braucht aber eine große Tiefkühltruhe, und manches verdirbt (hohe „Lagerkosten“). Die meisten kaufen ein- bis zweimal pro Woche ein – ihr Optimum.

Die Tabellenmethode

Schritt für Schritt

Wasserfilter-Kartuschen der Holmberg GmbH

Holmberg braucht im Jahr 6.000 Kartuschen. Eine Kartusche kostet 25 € (), jede Bestellung 75 €. Der beträgt 10 %.

  1. Mögliche Bestellhäufigkeiten wählen und die Bestellmenge berechnen (Jahresbedarf ÷ Anzahl).

    Ergebnis:

    5 → 1.200 · 8 → 750 · 10 → 600 · 12 → 500 · 15 → 400 Stück

  2. = Bestellmenge ÷ 2.

    Ergebnis:

    600 · 375 · 300 · 250 · 200 Stück

  3. = Ø Lagerbestand × 25 € × 10 %.

    Ergebnis:

    1.500 € · 937,50 € · 750 € · 625 € · 500 €

  4. = Anzahl × 75 €.

    Ergebnis:

    375 € · 600 € · 750 € · 900 € · 1.125 €

  5. Gesamtkosten addieren und die kleinste Summe suchen.

    Ergebnis:

    1.875 € · 1.537,50 € · 1.500 € · 1.525 € · 1.625 € → Minimum bei 10 Bestellungen à 600 Stück

BestellungenMengeØ BestandLagerkostenBestellkostenSumme
51.2006001.500,00 €375,00 €1.875,00 €
8750375937,50 €600,00 €1.537,50 €
10600300750,00 €750,00 €1.500,00 €
12500250625,00 €900,00 €1.525,00 €
15400200500,00 €1.125,00 €1.625,00 €

Im Optimum sind Lager- und Bestellkosten in diesem Modell gleich hoch.

Prüfungsrelevant · Abitur 2025, Musterprüfung Abitur (ab 2024)

Die mit einer (selbst erstellten) Tabelle ermitteln – auch mit vorgegebenen – und den zwischen Bestell- und Lagerkosten erläutern.

Die Formel (Andler)

Formel

Optimale Bestellmenge (Andler-Formel)

optimale Bestellmenge = √(200 × Jahresbedarf × Kosten je Bestellung ÷ (Einstandspreis × Lagerkostensatz))

Der wird hier als Prozentzahl eingesetzt (10 für 10 %).

Achtung

Andere Schreibweise: Viele Bücher schreiben 2 statt 200 und setzen den Lagerkostensatz als Dezimalzahl ein (0,10 statt 10). Beide Wege führen zum selben Ergebnis – nur nicht mischen.

Schritt für Schritt

Holmberg mit der Formel

  1. Werte einsetzen.

    Ergebnis:

    √(200 × 6.000 × 75 ÷ (25 × 10))

  2. Zähler und Nenner ausrechnen.

    Ergebnis:

    90.000.000 ÷ 250 = 360.000

  3. Wurzel ziehen.

    Ergebnis:

    √360.000 = 600 Stück

  4. Zahl der Bestellungen und Bestellabstand bestimmen (Jahr mit 360 Tagen).

    Ergebnis:

    6.000 ÷ 600 = 10 Bestellungen, alle 360 ÷ 10 = 36 Tage

Typischer Fehler

Die Wurzel vergessen oder 200 mit 0,10 kombinieren. Wer 200 schreibt, setzt den Satz als Prozentzahl ein; wer 2 schreibt, als Dezimalzahl. Ein Ergebnis, das zehnmal zu groß oder zu klein wirkt, ist ein Warnsignal.

Wenn nur ganze Verpackungseinheiten gehen

Oft liefert ein Lieferant nur volle , etwa Kartons zu 250 Stück. Liegt das Optimum dazwischen, rechnet man die beiden zulässigen Mengen direkt darunter und darüber durch und nimmt die mit den niedrigeren Gesamtkosten.

Bei Holmberg mit Kartons zu 250 Stück: 500 Stück kosten 625 € + 900 € = 1.525 €, 750 Stück kosten 937,50 € + 600 € = 1.537,50 €. Holmberg bestellt also 500 Stück (12-mal im Jahr).

Typischer Fehler

Einfach runden. Die Kostenkurve ist nicht symmetrisch: Links vom Optimum steigt sie steiler als rechts. Welche zulässige Menge günstiger ist, zeigt nur die Rechnung.

Was die optimale Menge verschiebt – und wo das Modell an Grenzen stößt

VeränderungWirkungBegründung
Kosten je Bestellung steigenoptimale Menge steigtJede Bestellung wird teurer, seltener bestellen lohnt sich.
oder steigenoptimale Menge sinktLagern wird teurer, kleinere Mengen lohnen sich.
Jahresbedarf steigtoptimale Menge steigt, aber schwächerWegen der Wurzel: vierfacher Bedarf → doppelte Menge.

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024)

„Beurteilen Sie die Auswirkungen steigender Transportkosten auf die .“ Entscheidend ist, wie die Transportkosten anfallen: je Lieferung (pauschal) → sie erhöhen die Kosten je Bestellung → Menge steigt. Je Stück → sie erhöhen den Einstandspreis → Menge sinkt.

Grenzen des Modells: Es unterstellt gleichmäßigen Verbrauch, feste Preise ohne Mengenrabatte, unbegrenzten Lagerplatz und genau bekannte Kosten. In der Praxis ist die berechnete Menge deshalb ein Richtwert, der an , Rabattstaffeln, Lagerplatz und Haltbarkeit angepasst wird.

Beispiel aus der Praxis

Der Rabatt schlägt das Modell

Der Lieferant bietet Holmberg ab 1.000 Kartuschen je Bestellung 3 % Rabatt an (24,25 € statt 25 €). Bei 1.000 Stück steigen Lager- und von 1.500 € auf 1.662,50 € (500 × 24,25 € × 10 % + 6 × 75 €). Dafür sinken die Ausgaben für die Kartuschen selbst um 6.000 × 0,75 € = 4.500 €. Unterm Strich spart Holmberg rund 4.340 € im Jahr – obwohl die Menge weit über dem „Optimum“ liegt.

Merksatz

Teurer bestellen → mehr auf einmal. Teurer lagern → weniger auf einmal.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Betrieb bestellt jeweils 900 Stück und verbraucht sie gleichmäßig. Einen gibt es nicht. Wie hoch ist der ?

    Lösung anzeigen

    Ø Lagerbestand = 900 ÷ 2 = 450 Stück.

  2. Übung 2Anwendung

    Jahresbedarf 3.200 Stück, Kosten je Bestellung 40 €, 16 €, 20 %. Berechne die und die Zahl der Bestellungen.

    Lösung anzeigen

    √(200 × 3.200 × 40 ÷ (16 × 20)) = √(25.600.000 ÷ 320) = √80.000 = 282,84 Stück, gerundet rund 283 Stück.

    Zahl der Bestellungen: 3.200 ÷ 282,84 ≈ 11,3 – in der Praxis also 11 oder 12 Bestellungen im Jahr (die Tabellenmethode zeigt, welche Variante günstiger ist).

  3. Übung 3Klausurniveau

    Bei Holmberg (6.000 Kartuschen, 75 € je Bestellung, 25 € je Stück, 10 %) steigen die Transportkosten. Variante a: Die Pauschale je Lieferung steigt, die Kosten je Bestellung liegen dann bei 120 €. Variante b: Der Transport wird je Stück berechnet, der steigt auf 30 €. Berechne jeweils die neue optimale Menge und deute das Ergebnis.

    Lösung anzeigen

    a) √(200 × 6.000 × 120 ÷ (25 × 10)) = √576.000 = 758,95 Stück. Die Menge steigt: Jede Bestellung ist teurer, also wird seltener und dafür mehr bestellt.

    b) √(200 × 6.000 × 75 ÷ (30 × 10)) = √300.000 = 547,72 Stück. Die Menge sinkt: Jedes Stück im Lager bindet mehr Geld, also lohnt es sich, kleinere Mengen zu halten.

    Steigende Transportkosten wirken also je nach Art in entgegengesetzte Richtungen – in der Prüfung immer sagen, welche Kostenart sich ändert.

Das Wichtigste

  • Große Bestellmengen senken die , erhöhen aber die – und umgekehrt.
  • Optimal ist die Menge mit der kleinsten Summe beider Kosten; im Modell sind dort beide gleich hoch.
  • Tabellenmethode: mehrere Bestellhäufigkeiten durchrechnen. : √(200 × Jahresbedarf × Kosten je Bestellung ÷ ( × )).
  • : beide zulässigen Mengen rechnen. Teurer bestellen → größere Menge, teurer lagern → kleinere.

1.7 Lagerhaltung und Bestellverfahren

Einkauf, Herstellung und Verkauf laufen selten im selben Takt: Mehl kommt mit dem Lkw in großen Mengen, gebacken wird jeden Tag, und vor Weihnachten gehen doppelt so viele Plätzchen über die Theke. Das Lager gleicht diese Unterschiede aus. Damit es weder leerläuft noch überquillt, braucht es klare Regeln: wie viel liegen bleibt und wann nachbestellt wird.

Wozu ein Lager dient

Definition

Ein Lager ist ein Ort, an dem Material oder Waren aufbewahrt werden, bis sie gebraucht oder verkauft werden. Es überbrückt Unterschiede in Zeit und Menge zwischen Beschaffung, Produktion und Absatz.

Im Register

FunktionWas das Lager leistetBeispiel
Sicherungsfunktionschützt vor Lieferverzug und unerwartet hohem BedarfReserve an Mehl, falls der Lkw im Schnee stecken bleibt
Ausgleichsfunktion (Pufferfunktion)gleicht aus, dass große Lieferungen auf gleichmäßigen Verbrauch treffen – oder gleichmäßige Herstellung auf saisonalen VerkaufPlätzchen werden ab Oktober vorproduziert
SpekulationsfunktionVorrat, um Rabatte oder niedrige Preise vor einer Preiserhöhung zu nutzenButter kaufen, bevor der Preis steigt
Veredelungsfunktiondas Gut wird durch die Lagerung besserSauerteig reift, Käse und Wein entwickeln Aroma, Holz trocknet

Beispiel aus dem Alltag

Der Kleiderschrank

Der Winterpullover liegt im Sommer im Schrank (Ausgleich zwischen Kauf und Gebrauch), Ersatzsocken für den Fall der Fälle (Sicherung), die im Schlussverkauf gekaufte Jacke (Spekulation). Nur veredelt wird im Kleiderschrank leider nichts.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026

Funktionen der Lagerhaltung nennen und erläutern.

Wo was hinkommt – Festplatz oder chaotisch

(Freiplatzsystem)
Prinzipjeder Artikel hat seinen festen Platzjede Lieferung kommt auf den nächsten freien Platz, die Software merkt sich den Ort
Vorteileeinfach, auch ohne Computer übersichtlich; Mitarbeitende finden Ware „blind“Platz wird gut genutzt, kurze Wege, flexibel bei schwankenden Mengen
NachteilePlätze bleiben leer, wenn wenig da ist; viel Fläche nötigohne funktionierende Software findet niemand etwas; Aufwand für Technik
passt zuwenigen Artikeln, gleichbleibenden Mengen, kleinen Betriebenvielen Artikeln, stark schwankenden Mengen, großen Versandlagern

Prüfungsrelevant · Abitur 2026

Lagerordnungssysteme darstellen – also Festplatzsystem und chaotische Lagerung mit Vor- und Nachteilen.

Mindest-, Melde- und Höchstbestand

Definition

Der (auch Sicherheitsbestand oder eiserner Bestand) ist eine Reserve für Störungen, etwa verspätete Lieferungen. Im Normalfall wird er nicht angegriffen.

Im Register

Definition

Der (Bestellpunkt) ist der Bestand, bei dem bestellt wird. Er ist so hoch, dass der Vorrat bis zum Eintreffen der Lieferung reicht, ohne den Mindestbestand anzugreifen.

Im Register

Definition

Der ist die Obergrenze, bis zu der das Lager gefüllt wird – begrenzt durch Lagerfläche, oder Haltbarkeit.

Im Register

Formel

Meldebestand

Meldebestand = Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Mindestbestand

(Lieferzeit) in Tagen – von der Bestellung, bis das Material einsatzbereit ist.

Formel

Höchstbestand

Höchstbestand = Mindestbestand + Bestellmenge

gilt, wenn beim Meldebestand bestellt wird und pünktlich geliefert wird

Schritt für Schritt

Mehl in der Großbäckerei Lindner

Die Großbäckerei Lindner verbraucht täglich 800 kg Mehl. Die Mühle liefert 3 Tage nach der Bestellung. Als Reserve sollen 1.200 kg im Lager bleiben. Bestellt werden jeweils 6.400 kg. Am Tag 0 ist das Lager voll.

  1. Meldebestand berechnen.

    Ergebnis:

    800 kg × 3 + 1.200 kg = 3.600 kg

  2. Höchstbestand berechnen.

    Ergebnis:

    1.200 kg + 6.400 kg = 7.600 kg

  3. Wie lange reicht eine Lieferung? Daraus folgt der Bestellrhythmus.

    Ergebnis:

    6.400 kg ÷ 800 kg = alle 8 Tage

  4. Wann wird zum ersten Mal bestellt?

    Ergebnis:

    (7.600 kg − 3.600 kg) ÷ 800 kg = am Tag 5

  5. Kontrolle – Bestand beim Eintreffen der Lieferung an Tag 8.

    Ergebnis:

    7.600 kg − 8 × 800 kg = 1.200 kg = Mindestbestand ✓

Der Sägezahn – bestellt wird am Meldebestand, geliefert, wenn der Mindestbestand erreicht ist.

Prüfungsrelevant · Abitur 2026

Den Lagerbestandsverlauf skizzieren und Sicherheits-, Melde- und Höchstbestand sowie den Bestellrhythmus berechnen.

Typischer Fehler

Den Mindestbestand im Meldebestand vergessen (hier 2.400 kg statt 3.600 kg) oder den Monats- statt den Tagesverbrauch einsetzen. Steht nur ein Monats- oder Jahresverbrauch in der Aufgabe, zuerst auf einen Tag umrechnen – mit den Arbeitstagen, die die Aufgabe nennt.

Bestellpunkt- oder Bestellrhythmusverfahren

Wann bestellt?sobald der erreicht istzu festen Terminen, z. B. alle 14 Tage
Wie viel?meist feste Mengefest oder so viel, dass das Lager nach der Lieferung wieder den erreicht
Vorteilereagiert auf Schwankungen im Verbrauch; Lager läuft seltener leergut planbar, Bestellungen lassen sich bündeln
NachteileBestand muss laufend überwacht werden (heute per Software)bei steigendem Verbrauch droht ein Engpass vor dem nächsten Termin
passt zuwichtigen Teilen mit schwankendem VerbrauchMaterial mit gleichmäßigem Verbrauch, festen Liefertagen

Beispiel aus der Praxis

Brötchentüten und Mehl

Lindner bestellt Brötchentüten jeden zweiten Montag beim Großhändler (Bestellrhythmus) – der Verbrauch ist gleichmäßig, die Tüten sind billig, und der Großhändler liefert ohnehin montags. Für Mehl gilt das Bestellpunktverfahren: Die Lagersoftware meldet, sobald 3.600 kg unterschritten sind.

Merksatz

Bestellpunkt: Die Menge im Lager entscheidet, wann bestellt wird. Bestellrhythmus: Der Kalender entscheidet.

Wenn die Lieferung zu spät kommt

Kommt eine Lieferung später als geplant, sinkt der Bestand unter den – im Sägezahn fällt die Linie unter die untere Grenze. Reicht auch die Reserve nicht, entsteht eine Fehlmenge: Die Produktion steht, Aufträge platzen. Der des Lagers (Anteil der sofort erfüllten Anforderungen) sinkt.

Was hilft:

  • einen höheren Mindestbestand halten (kostet und ),
  • früher bestellen, also mit einer realistischeren, längeren Lieferzeit rechnen,
  • einen zuverlässigeren Lieferanten wählen oder einen zweiten aufbauen (Double Sourcing),
  • den Verbrauch besser planen.

Prüfungsrelevant · Musterprüfung Abitur (ab 2024)

Aus einer Skizze des Lagerbestands beim die Situation hinsichtlich des Servicegrades analysieren und Lösungsvorschläge entwickeln.

Typischer Fehler

„Einfach den erhöhen.“ Das macht das Lager voller, schützt aber nicht vor einer späten Lieferung. Entscheidend ist, wann bestellt wird und wie groß die Reserve ist.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Täglicher Verbrauch 60 Stück, 4 Tage, 120 Stück. Berechne den .

    Lösung anzeigen

    Meldebestand = 60 × 4 + 120 = 360 Stück.

  2. Übung 2Anwendung

    Ein Betrieb verbraucht im Monat 1.100 Verpackungsrollen und arbeitet an 22 Tagen im Monat. Die Lieferzeit beträgt 6 Arbeitstage, als gelten 3 Tagesverbräuche. Bestellt werden jeweils 1.500 Rollen. Berechne Mindest-, Melde- und .

    Lösung anzeigen
    • Tagesverbrauch: 1.100 ÷ 22 = 50 Rollen
    • Mindestbestand: 3 × 50 = 150 Rollen
    • : 50 × 6 + 150 = 450 Rollen
    • Höchstbestand: 150 + 1.500 = 1.650 Rollen
  3. Übung 3Klausurniveau

    Bei Lindner kommt die Mehllieferung, die am Tag 13 bestellt wurde, erst nach 5 statt 3 Tagen. Beschreibe, was im Lager passiert, und entwickle zwei Vorschläge.

    Lösung anzeigen

    Bis Tag 16 sinkt der Bestand planmäßig auf 1.200 kg. Weil die Lieferung erst an Tag 18 kommt, wird zwei Tage lang die Reserve verbraucht: 1.200 kg − 2 × 800 kg = −400 kg. Die Reserve reicht also nur 1,5 Tage, am letzten halben Tag fehlen 400 kg Mehl – es entsteht eine Fehlmenge, und der des Lagers sinkt.

    Vorschläge:

    • erhöhen, z. B. auf 2.800 kg (zwei Tage Verzug plus bisherige Reserve). Nachteil: mehr und .
    • Mit der Mühle verhandeln (Vertragsstrafe bei Verspätung) oder einen zweiten Lieferanten aufbauen.

Das Wichtigste

  • Das Lager erfüllt Sicherungs-, Ausgleichs-, Spekulations- und Veredelungsfunktion.
  • Festplatz: einfach, aber Platz bleibt leer. Chaotisch: platzsparend, aber abhängig von der Software.
  • = Tagesverbrauch × + ; = Mindestbestand + Bestellmenge.
  • : bestellen beim Meldebestand. : bestellen zu festen Terminen.
  • Verspätungen greifen den Mindestbestand an; reicht er nicht, entstehen Fehlmengen.

1.8 Lagerkennzahlen

Ein Lager kostet Geld – für Fläche, Versicherung und vor allem für das Kapital, das in den Regalen steckt. Ob ein Lager wirtschaftlich arbeitet, zeigen Lagerkennzahlen: Wie viel liegt im Schnitt da, wie schnell wird es verbraucht, wie lange wartet ein Teil, und was kostet das gebundene Geld?

Der durchschnittliche Lagerbestand

Definition

Der gibt an, wie viel Material im Laufe eines Zeitraums im Mittel im Lager liegt – in Mengeneinheiten oder, mit dem multipliziert, in Euro.

Im Register

Formel

Ø Lagerbestand aus Jahreswerten

Ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2

Formel

Ø Lagerbestand aus Quartalswerten

Ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + 4 Quartalsendbestände) ÷ 5

Formel

Ø Lagerbestand aus Monatswerten

Ø Lagerbestand = (Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13

Geteilt wird immer durch die Anzahl der Bestandswerte. Je mehr Werte, desto genauer der Durchschnitt.

Typischer Fehler

Bei zwölf Monatsendbeständen durch 12 teilen. Der Anfangsbestand ist ein dreizehnter Wert – also durch 13. Entsprechend bei Quartalen durch 5.

Achtung

Im Modell der und beim Sägezahn wird der Durchschnitt anders bestimmt: ohne Bestellmenge ÷ 2, mit Mindestbestand Mindestbestand + Bestellmenge ÷ 2. Welche Formel passt, hängt davon ab, welche Daten die Aufgabe liefert – Inventurwerte oder Bestellmenge und Reserve.

Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer

Formel

Umschlagshäufigkeit

Umschlagshäufigkeit = Jahresverbrauch ÷ Ø Lagerbestand

Beide Größen in derselben Einheit – Stück, kg oder Euro.

Formel

Durchschnittliche Lagerdauer

Ø Lagerdauer in Tagen = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit

kaufmännisches Jahr mit 360 Tagen

Die sagt, wie oft sich der durchschnittliche Bestand im Jahr komplett erneuert. Die sagt, wie viele Tage ein Teil im Mittel im Lager wartet. Beide hängen direkt zusammen: Wird der Bestand 12-mal umgeschlagen, liegt ein Teil im Schnitt 30 Tage.

Beispiel aus dem Alltag

Der Kühlschrank in der WG

Wird der Kühlschrank einmal pro Woche aufgefüllt und bis zum nächsten Einkauf leer gegessen, schlägt er sich etwa 50-mal im Jahr um, und ein Joghurt wartet im Schnitt ein paar Tage. Die Gläser mit Kapern hinten links werden dagegen vielleicht einmal im Jahr umgeschlagen – sie liegen monatelang.

Typischer Fehler

Einheiten mischen. Jahresverbrauch in Euro durch einen Bestand in Kilogramm zu teilen, ergibt keine sinnvolle Zahl. Erst alles in dieselbe Einheit bringen.

Was das gebundene Kapital kostet

Geld, das im Lager steckt, kann nichts anderes tun: keine Zinsen auf dem Konto bringen, keinen Kredit tilgen. Diese entgangenen Zinsen sind die Kosten der . Der Marktzins gilt für ein ganzes Jahr – das Material liegt aber nur einen Teil davon im Lager.

Formel

Lagerzinssatz

Lagerzinssatz in % = Marktzinssatz × Ø Lagerdauer ÷ 360

Formel

Lagerzinsen

Lagerzinsen = Ø Lagerbestand in € × Lagerzinssatz

Schritt für Schritt

Haselnüsse in der Großbäckerei Lindner

StichtagBestand
Anfangsbestand 1. Januar2.400 kg
Ende 1. Quartal2.000 kg
Ende 2. Quartal2.800 kg
Ende 3. Quartal1.600 kg
Ende 4. Quartal2.200 kg

Jahresverbrauch 33.000 kg, 6,50 € je kg, Marktzinssatz 6 %.

  1. aus fünf Werten.

    Ergebnis:

    (2.400 + 2.000 + 2.800 + 1.600 + 2.200) ÷ 5 = 2.200 kg

  2. .

    Ergebnis:

    33.000 kg ÷ 2.200 kg = 15

  3. Ø .

    Ergebnis:

    360 ÷ 15 = 24 Tage

  4. .

    Ergebnis:

    6 % × 24 ÷ 360 = 0,4 %

  5. Ø Lagerbestand in Euro.

    Ergebnis:

    2.200 kg × 6,50 € = 14.300 €

  6. .

    Ergebnis:

    14.300 € × 0,4 % = 57,20 €

Prüfungsrelevant · Klassenarbeit J1 (Beschaffung)

Lagerkennzahlen werden gern zusammen mit Mindest- und abgefragt – erst berechnen, dann deuten.

Die Kennzahlen deuten

Sinkt der bei gleichem Verbrauch, dann

  • steigt die ,
  • sinken , und ,
  • ist weniger Kapital gebunden, und die fallen.

Aber: Ein kleinerer Bestand puffert weniger ab. Das Risiko von Fehlmengen steigt – der Zielkonflikt zwischen Kosten und Versorgungssicherheit.

Beispiel aus der Praxis

Lindner senkt den Nussvorrat

Lindner bestellt Haselnüsse künftig häufiger in kleineren Mengen. Der Ø Lagerbestand sinkt auf 1.650 kg. Die Umschlagshäufigkeit steigt auf 20, die Lagerdauer sinkt auf 18 Tage, der Lagerzinssatz auf 0,3 %. Die Lagerzinsen fallen von 57,20 € auf 32,18 € (1.650 kg × 6,50 € × 0,3 %). Dafür steigen die , und eine verspätete Lieferung wird schneller zum Problem.

Merksatz

Hohe Umschlagshäufigkeit = kurze Lagerdauer = wenig – aber weniger Puffer.

Typischer Fehler

Kennzahlen ohne Vergleich bewerten. Ob 15 Umschläge gut sind, zeigt erst der Vergleich – mit dem Vorjahr, mit anderen Materialien oder mit einem Zielwert. Frische Lebensmittel brauchen eine viel höhere Umschlagshäufigkeit als Ersatzteile.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Material hat eine von 8. Wie lange liegt es im Durchschnitt im Lager?

    Lösung anzeigen

    360 ÷ 8 = 45 Tage.

  2. Übung 2Anwendung

    Anfangsbestand 500 Stück, Summe der zwölf Monatsendbestände 5.350 Stück, Jahresverbrauch 4.050 Stück. Berechne , und Ø .

    Lösung anzeigen
    • Ø Lagerbestand: (500 + 5.350) ÷ 13 = 450 Stück
    • Umschlagshäufigkeit: 4.050 ÷ 450 = 9
    • Ø Lagerdauer: 360 ÷ 9 = 40 Tage
  3. Übung 3Klausurniveau

    Die Geschäftsleitung will die aller Materialien verdoppeln. Erläutere die Auswirkungen auf , und Versorgungssicherheit und beurteile den Vorschlag.

    Lösung anzeigen

    Bei gleichem Verbrauch heißt doppelte Umschlagshäufigkeit: halber . Die Lagerdauer halbiert sich, ebenso der ; weil auch der Bestand in Euro halbiert ist, sinken die Lagerzinsen auf ein Viertel. Es wird viel Kapital frei.

    Dafür muss öfter bestellt werden (höhere ), und der Puffer gegen Lieferverzug schrumpft – das Risiko von Fehlmengen steigt.

    Beurteilung: Für teure Materialien mit gut planbarem Verbrauch (A-, X-Güter) sinnvoll. Für billige Teile lohnt sich der Aufwand kaum, für unregelmäßig gebrauchte (Z-Güter) wäre der kleine Puffer riskant. Eine pauschale Verdopplung ist daher nicht sinnvoll – besser je Material entscheiden.

Das Wichtigste

  • = Summe der Bestandswerte ÷ Anzahl der Werte (Jahr: ÷ 2, Quartale: ÷ 5, Monate: ÷ 13).
  • = Jahresverbrauch ÷ Ø Lagerbestand; Ø = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit.
  • = Marktzinssatz × Ø Lagerdauer ÷ 360; = Ø Lagerbestand in € × Lagerzinssatz.
  • Weniger Bestand → schnellerer Umschlag, weniger Zinsen – aber weniger Sicherheit.

Goat.edu – Heft · Stand 23. September 2026 · Eigene Darstellung auf Grundlage des Unterrichts im Wirtschaftsgymnasium, Beispiele mit erfundenen Firmen und eigenen Zahlen · Entwurf, noch nicht fachlich geprüft