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Kapitel 3 · ganzes Kapitel

Teilkostenrechnung (Deckungsbeitrag)

Zum Kapiteleinstieg

Lohnt sich ein Auftrag unter den vollen ? Wie tief darf der Preis im Preiskampf sinken? Welches Produkt wird zuerst gefertigt, wenn das Material nicht für alle reicht? Die verteilt alle Kosten auf die Produkte – für solche kurzfristigen Fragen führt das in die Irre, weil ein Teil der Kosten ohnehin anfällt. Die trennt deshalb fixe und und fragt, was jedes Produkt nach seinen variablen Kosten zur Deckung der beiträgt.

3.1 Fixe und variable Kosten

Das Lastenradwerk Kessler baut im Monat 300 Räder. Würde es 301 bauen, kämen ein Rahmen, ein Akku und eine Ladefläche dazu – die Miete der Halle und das Gehalt der Buchhalterin aber nicht. Wer wissen will, was ein zusätzliches Stück kostet, ab wann sich ein Auftrag lohnt oder wie tief der Preis sinken darf, muss diese beiden Arten von Kosten auseinanderhalten.

Was mit der Menge wächst – und was nicht

Definition

(Kf) bleiben innerhalb der vorhandenen gleich hoch, egal ob viel oder wenig hergestellt wird: Miete, Gehälter der Verwaltung, Versicherungen, Abschreibungen, Zinsen.

Im Register

Definition

(Kv) verändern sich mit der Ausbringungsmenge: Material, Verpackung, Stücklöhne, die Energie der Maschinen. Steigen sie gleichmäßig, kostet jedes zusätzliche Stück gleich viel – die kv. Dann gilt Kv = kv · x.

Im Register

Beispiel aus dem Alltag

Die Taxifahrt

Ein Taxi verlangt 4,00 € Grundpreis und 2,20 € je Kilometer. Der Grundpreis ist fix – er fällt an, ob die Fahrt 1 oder 20 Kilometer lang ist. Der Kilometerpreis ist variabel. Für 10 Kilometer zahlt man 4,00 € + 10 × 2,20 € = 26,00 €, also 2,60 € je Kilometer; für 20 Kilometer nur noch 2,40 € je Kilometer. Je länger die Fahrt, desto weniger fällt der Grundpreis ins Gewicht.

Definition

Fixe Kosten sind nur bis zur Kapazitätsgrenze fix. Reicht die Halle nicht mehr, kommt eine zweite dazu – die Fixkosten springen auf ein höheres Niveau (). Alle Rechnungen der gelten deshalb innerhalb einer Kapazitätsstufe.

Im Register

Merksatz

Variabel ist, was mit jedem Stück dazukommt; fix ist, was bis zur Kapazitätsgrenze ohnehin anfällt.

Gesamtkosten und Stückkosten

Formel

Gesamtkosten (Kostenfunktion)

K = Kf + kv · x

x = Menge, Kf = , kv =

Formel

Stückkosten

k = K ÷ x = Kf ÷ x + kv

Die Gesamtkosten verlaufen parallel zu den – der Abstand sind immer die Fixkosten.

Definition

Je mehr Stück hergestellt werden, desto stärker verteilen sich die Fixkosten. Die Fixkosten je Stück und damit die sinken – das ist die . Die variablen Stückkosten bleiben dabei gleich.

Im Register

Schritt für Schritt

Stückkosten im Lastenradwerk Kessler

Fixkosten 120.000 € im Monat, variable Stückkosten 900 € je Rad, Kapazität 400 Räder. Wie hoch sind die Stückkosten bei 200 und bei 400 Rädern?

  1. Gesamtkosten bei 200 Rädern.

    Ergebnis:

    120.000 € + 900 € × 200 = 300.000 €

  2. Stückkosten bei 200 Rädern.

    Ergebnis:

    300.000 € ÷ 200 = 1.500 € (davon 600 € fix)

  3. Gesamtkosten bei 400 Rädern.

    Ergebnis:

    120.000 € + 900 € × 400 = 480.000 €

  4. Stückkosten bei 400 Rädern.

    Ergebnis:

    480.000 € ÷ 400 = 1.200 € (davon 300 € fix)

  5. Vergleich.

    Ergebnis:

    Doppelte Menge: Fixkosten je Rad halbiert, kv bleibt 900 € – die Stückkosten sinken um 300 €

Typischer Fehler

Glauben, die variablen Stückkosten sinken mit der Menge. Bei linearem Verlauf kostet jedes Rad 900 € Material und Teile, ob es das zehnte oder das dreihundertste ist. Was sinkt, sind die Fixkosten je Stück.

Kosten auflösen

Definition

Oft kennt die Buchhaltung nur die Gesamtkosten zweier Monate. Weil die in beiden gleich hoch sind, können die Mehrkosten nur von der Mehrmenge stammen. Diese liefert zuerst kv, dann Kf.

Im Register

Formel

Variable Stückkosten aus zwei Kostensituationen

kv = (K₂ − K₁) ÷ (x₂ − x₁)

Danach Kf = K₁ − kv · x₁ und zur Probe K₂ = Kf + kv · x₂.

Schritt für Schritt

Februar und März im Lastenradwerk

Im Februar entstanden bei 240 Rädern 336.000 € Gesamtkosten, im März bei 300 Rädern 390.000 €. Ermittle kv, Kf und die .

  1. Kosten- und Mengenunterschied.

    Ergebnis:

    390.000 € − 336.000 € = 54.000 €; 300 − 240 = 60 Räder

  2. .

    Ergebnis:

    54.000 € ÷ 60 = 900 €

  3. Fixkosten aus dem Februar.

    Ergebnis:

    336.000 € − 900 € × 240 = 120.000 €

  4. Probe mit dem März.

    Ergebnis:

    120.000 € + 900 € × 300 = 390.000 € ✓

  5. Kostenfunktion.

    Ergebnis:

    K(x) = 120.000 + 900 · x

Prüfungen geben die Kosten nicht immer direkt an:

GegebenSo kommst du zu den Kosten
Gewinn statt KostenK = Umsatz − Gewinn = p · x − Gewinn
Fixkostenanteil (z. B. 55 % aller Kosten)Kf = Anteil × K, dann kv = (K − Kf) ÷ x
VerlustK = Umsatz + Verlust

Beispiel: Im April verkauft Kessler 330 Räder zu je 1.650 € und erzielt 127.500 € Gewinn. Die Kosten waren also 330 × 1.650 € − 127.500 € = 417.000 € – genau 120.000 € + 900 € × 330.

Beispiel aus der Praxis

Ein Zweigwerk mit nur einem Produkt

Ein Werk für Fahrradanhänger hatte im Quartal 1.200.000 € Kosten, 55 % davon fix. Hergestellt und verkauft wurden 8.000 Anhänger. Fixkosten: 55 % von 1.200.000 € = 660.000 €. Variable : (1.200.000 € − 660.000 €) ÷ 8.000 = 67,50 €. Mit diesen beiden Zahlen lassen sich nun , und rechnen.

Typischer Fehler

Die Gesamtkosten durch die Menge teilen und das für kv halten. 336.000 € ÷ 240 = 1.400 € sind die gesamten Stückkosten – darin stecken 500 € Fixkosten je Rad. Für kv zählt nur der Unterschied zwischen den beiden Monaten.

Prüfungsrelevant · Abitur 2021/2022, Abitur 2025 (Nach-Nachtermin)

Variable Stückkosten und Fixkosten aus zwei Quartalen ermitteln – auch wenn statt der Kosten ein Gewinn gegeben ist – oder aus dem Fixkostenanteil.

Achtung

Das Verfahren heißt je nach Buch Differenzenverfahren, Zweipunkteverfahren oder Differenzen-Quotienten-Verfahren – gemeint ist immer dasselbe. Es setzt voraus, dass beide Mengen in derselben Kapazitätsstufe liegen und die Preise der Einsatzstoffe gleich geblieben sind.

Merksatz

Erst kv aus den Unterschieden, dann Kf aus einem Monat – und mit dem anderen die Probe.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Eine Bäckerei hat 6.000 € im Monat und 0,40 € je Brezel. Ordne zu, was fix und was variabel ist: Mehl, Pacht des Ladens, Strom des Backofens, Gehalt der Filialleiterin, Tüten. Berechne die bei 10.000 und bei 20.000 Brezeln.

    Lösung anzeigen
    • fix: Pacht des Ladens, Gehalt der Filialleiterin
    • variabel: Mehl, Strom des Backofens (wächst mit den Backvorgängen), Tüten
    • 10.000 Brezeln: 6.000 € ÷ 10.000 + 0,40 € = 1,00 €
    • 20.000 Brezeln: 6.000 € ÷ 20.000 + 0,40 € = 0,70 € – die Fixkosten je Brezel halbieren sich.
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Hersteller von Kajaks hatte im Mai bei 150 Kajaks 117.000 € Kosten, im Juni bei 210 Kajaks 145.800 €. Ermittle die , die und die . Mach die Probe.

    Lösung anzeigen
    • kv = (145.800 € − 117.000 €) ÷ (210 − 150) = 28.800 € ÷ 60 = 480 €
    • Kf = 117.000 € − 480 € × 150 = 45.000 €
    • Probe: 45.000 € + 480 € × 210 = 145.800 € ✓
    • K(x) = 45.000 + 480 · x
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Werk verkauft Solarmodule zu 250 € je Stück. Im ersten Quartal entstanden bei 1.600 Modulen 352.000 € Kosten. Im zweiten Quartal wurden 400 Module mehr verkauft, der Gewinn betrug 76.000 €. Ermittle kv und Kf. Wie hoch war der Gewinn im ersten Quartal?

    Lösung anzeigen
    • Kosten im zweiten Quartal: 2.000 × 250 € − 76.000 € = 500.000 € − 76.000 € = 424.000 €
    • kv = (424.000 € − 352.000 €) ÷ (2.000 − 1.600) = 72.000 € ÷ 400 = 180 €
    • Kf = 352.000 € − 180 € × 1.600 = 64.000 €
    • Gewinn im ersten Quartal: 1.600 × 250 € − 352.000 € = 48.000 €

    Die 400 zusätzlichen Module brachten je 70 € (250 € − 180 €), zusammen 28.000 € – genau der Gewinnzuwachs von 48.000 € auf 76.000 €.

Das Wichtigste

  • bleiben bis zur Kapazitätsgrenze gleich, wachsen mit der Menge; darüber werden Fixkosten sprungfix.
  • K = Kf + kv · x, k = Kf ÷ x + kv – mit steigender Menge sinken die (), kv bleibt.
  • : kv = Kostenunterschied ÷ Mengenunterschied, dann Kf = K − kv · x, Probe mit der zweiten Situation.
  • Gewinn gegeben: K = Umsatz − Gewinn; Fixkostenanteil gegeben: Kf = Anteil × K.

3.2 Deckungsbeitrag und Gewinnschwelle

Die Albers GmbH näht Outdoor-Rucksäcke und verkauft sie für 120 €. Stoff, Reißverschlüsse und Nähzeit kosten je Rucksack 72 €. Bleiben also 48 € Gewinn? Nein – von diesen 48 € müssen erst noch Miete, Maschinen und Verwaltung bezahlt werden, und die kosten 288.000 € im Jahr, egal wie viele Rucksäcke es werden. Die 48 € sind ein Beitrag zur Deckung dieser Kosten. Wie viele solcher Beiträge braucht es, bis Gewinn entsteht?

Deckungsbeitrag statt Vollkosten

Definition

Die (Deckungsbeitragsrechnung) rechnet den Produkten nur ihre variablen Kosten zu. Die verteilt sie nicht – sie zieht sie am Ende als Block ab. So sieht man, was jedes Produkt tatsächlich zum Ergebnis beiträgt, und kann kurzfristig entscheiden: über Preise, und das .

Im Register

Definition

Der db ist der Preis abzüglich der . Der DB eines Produkts ist db mal Menge – oder Umsatz minus .

Im Register

Formel

Stückdeckungsbeitrag

db = p − kv

Formel

Deckungsbeitrag und Betriebsergebnis

DB = db · x; Betriebsergebnis = DB − Kf

Das Schema der Deckungsbeitragsrechnung für die Albers GmbH im Jahr mit 8.400 Rucksäcken:

Betrag
Umsatzerlöse (120 € × 8.400)1.008.000 €
− variable Kosten (72 € × 8.400)604.800 €
= Deckungsbeitrag403.200 €
− Fixkosten288.000 €
= 115.200 €

Beispiel aus dem Alltag

Der Eiswagen am Badesee

Eine Kugel Eis kostet 1,80 €; Milch, Zucker, Früchte und Waffel kosten zusammen 0,50 €. Jede verkaufte Kugel bringt also 1,30 € – für die Standgebühr, die Versicherung und die Kühltheke. Ein heißer Samstag mit 600 Kugeln deckt 780 € davon. Bei Regen bleiben Gebühr und Theke trotzdem zu bezahlen.

Typischer Fehler

Den Deckungsbeitrag für den Gewinn halten. 48 € je Rucksack sind kein Gewinn, solange die 288.000 € Fixkosten nicht gedeckt sind. Wer bei 4.000 Rucksäcken „192.000 € verdient“ meldet, verschweigt einen Verlust von 96.000 €.

Merksatz

Umsatz minus variable Kosten ist Deckungsbeitrag; Deckungsbeitrag minus Fixkosten ist Betriebsergebnis.

Die Gewinnschwelle

Definition

Die (Break-even-Point) ist die Menge, bei der der genau die deckt: Erlöse und Kosten sind gleich, das ist null. Ergibt die Rechnung keine ganze Zahl, wird aufgerundet – erst das nächste volle Stück erreicht die Schwelle.

Im Register

Formel

Gewinnschwellenmenge

Gewinnschwelle = Kf ÷ db (aufrunden)

Formel

Gewinnschwellenumsatz

Gewinnschwellenumsatz = Gewinnschwellenmenge × p

In Prüfungen auch „Mindestumsatz zur Kostendeckung“.

Erlöse steigen um 120 € je Stück, Kosten nur um 72 € – deshalb holt die Erlöslinie die Fixkosten ein.

Schritt für Schritt

Wie sicher ist der Gewinn der Albers GmbH?

Preis 120 €, 72 €, Fixkosten 288.000 € im Jahr. Verkauft wurden 8.400 Rucksäcke.

  1. .

    Ergebnis:

    120 € − 72 € = 48 €

  2. Gewinnschwellenmenge.

    Ergebnis:

    288.000 € ÷ 48 € = 6.000 Rucksäcke

  3. .

    Ergebnis:

    6.000 × 120 € = 720.000 €

  4. Überschreitung der Gewinnschwelle in Stück.

    Ergebnis:

    8.400 − 6.000 = 2.400 Rucksäcke

  5. Überschreitung in Prozent – bezogen auf die Gewinnschwelle.

    Ergebnis:

    2.400 ÷ 6.000 × 100 = 40 %

  6. Probe über das Betriebsergebnis.

    Ergebnis:

    2.400 × 48 € = 115.200 € – jedes Stück über der Schwelle bringt seinen vollen db als Gewinn

Typischer Fehler

Durch den Preis statt durch den Deckungsbeitrag teilen. 288.000 € ÷ 120 € = 2.400 wären viel zu wenig: Von jedem Preis gehen erst 72 € ab, nur 48 € decken die Fixkosten.

Typischer Fehler

Die Überschreitung auf die verkaufte Menge beziehen. 2.400 ÷ 8.400 = 28,57 % ist eine andere Aussage (der Absatz dürfte um so viel sinken). Gefragt ist meist, um wie viel Prozent die Gewinnschwelle überschritten wurde – dann steht sie im Nenner.

Prüfungsrelevant · Abitur 2014/2015, Abitur 2016/2017, Abitur 2025 (Nach-Nachtermin)

Betriebsergebnis eines Zweigwerks mit einem Produkt berechnen, die Gewinnschwelle ermitteln und angeben, um wie viel Stück oder Prozent sie überschritten wurde; den Mindestumsatz zur Kostendeckung bestimmen.

Merksatz

Gewinnschwelle = Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag, immer aufrunden; jedes Stück darüber bringt db als Gewinn.

Renditeziel, Auslastung und Maßnahmen

Definition

Die (Umsatzrendite) gibt an, welcher Teil des Umsatzes als Gewinn bleibt. Die Albers GmbH kommt auf 115.200 € ÷ 1.008.000 € × 100 = 11,43 %.

Im Register

Formel

Nötige Menge für ein Renditeziel r

x = Kf ÷ (p − kv − r · p)

Von jedem Stück muss nach den und dem Gewinnanteil r · p noch etwas für die übrig bleiben. Aufrunden.

Formel

Kapazitätsauslastung

Auslastung = Menge ÷ Kapazität × 100

Schritt für Schritt

15 % Umsatzrentabilität für die Albers GmbH

Die Gesellschafter wünschen eine Umsatzrentabilität von 15 %. Die Nähmaschinen schaffen höchstens 10.000 Rucksäcke im Jahr. Wie viele müssen verkauft werden, und reicht die Kapazität?

  1. Gewinnanteil je Rucksack.

    Ergebnis:

    15 % von 120 € = 18 €

  2. Was je Rucksack für die Fixkosten bleibt.

    Ergebnis:

    120 € − 72 € − 18 € = 30 €

  3. Nötige Menge.

    Ergebnis:

    288.000 € ÷ 30 € = 9.600 Rucksäcke

  4. .

    Ergebnis:

    9.600 ÷ 10.000 × 100 = 96 % – erreichbar, aber kaum Reserve

  5. Probe.

    Ergebnis:

    Umsatz 1.152.000 €, Gewinn 9.600 × 48 € − 288.000 € = 172.800 € → 15 %

Beispiel aus der Praxis

Werbung oder Preissenkung?

Der Vertrieb der Albers GmbH schlägt zwei Wege vor, um den Gewinn zu steigern:

  • Online-Kampagne für 36.000 €. Sie lohnt sich nur, wenn sie mindestens 36.000 € ÷ 48 € = 750 zusätzliche Rucksäcke bringt – jeder davon deckt 48 € der Werbekosten.
  • Preissenkung auf 110 €, der Absatz soll auf 9.600 steigen. Der db sinkt auf 38 €: 9.600 × 38 € − 288.000 € = 76.800 € statt 115.200 € – das Ergebnis fällt um 33,33 %, obwohl mehr verkauft wird. Wer den Preis senkt, verliert den Nachlass an jedem Stück, auch an den 8.400, die ohnehin verkauft worden wären.

Prüfungsrelevant · Abitur 2016/2017, Abitur 2021/2022, Abitur 2025 (Nach-Nachtermin)

Nötige Kapazitätsauslastung für ein Renditeziel berechnen, den Mehrabsatz für eine Werbemaßnahme bestimmen und die prozentuale Veränderung des Gewinns bei einer Preis- und Mengenänderung ermitteln.

Achtung

Liegt die nötige Menge über der Kapazität, ist das Ziel mit den vorhandenen Anlagen nicht erreichbar. Eine Erweiterung brächte neue, – dann muss neu gerechnet werden. Manche Aufgaben erlauben eine Mehrproduktion über die Kapazität hinaus nur zu höheren variablen Kosten (Überstundenzuschläge); dann gilt für die Stücke über der Grenze ein kleinerer db.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Der Eiswagen verkauft im Juli 3.000 Kugeln zu 1,80 €; die betragen 0,50 € je Kugel, die (Standgebühr, Theke, Versicherung) 2.600 € im Monat. Berechne , und .

    Lösung anzeigen
    • db = 1,80 € − 0,50 € = 1,30 €
    • DB = 1,30 € × 3.000 = 3.900 €
    • Betriebsergebnis = 3.900 € − 2.600 € = 1.300 €
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Escape-Room verlangt 90 € je Gruppe. Je Spiel fallen 18 € an (Reinigung, Requisiten, Energie), die betragen 4.680 € im Monat. Im März wurden 91 Spiele gebucht. Ermittle die , den und um wie viel Prozent die Gewinnschwelle überschritten wurde.

    Lösung anzeigen
    • db = 90 € − 18 € = 72 €
    • Gewinnschwelle: 4.680 € ÷ 72 € = 65 Spiele; Gewinnschwellenumsatz 65 × 90 € = 5.850 €
    • Überschreitung: 91 − 65 = 26 Spiele; 26 ÷ 65 × 100 = 40 %
    • zur Kontrolle: 26 × 72 € = 1.872 €
  3. Übung 3Klausurniveau

    Ein Hersteller von Thermosflaschen verkauft 22.000 Flaschen im Jahr zu 24 €; kv 14 €, 150.000 €, Kapazität 30.000 Flaschen. Vorschlag A: Preis auf 22 € senken, der Absatz steigt um 20 %. Vorschlag B: Werbung für 18.000 €, erwartet werden 2.500 Flaschen mehr zum alten Preis. Berechne für beide Vorschläge das und die Veränderung in Prozent. Welchen empfiehlst du?

    Lösung anzeigen
    • Bisher: 22.000 × 10 € − 150.000 € = 70.000 €
    • A: 26.400 Flaschen × (22 € − 14 €) − 150.000 € = 211.200 € − 150.000 € = 61.200 €, also −8.800 € oder −12,57 %
    • B: 24.500 Flaschen × 10 € − 150.000 € − 18.000 € = 77.000 €, also +7.000 € oder +10 %; die Werbung hätte sich schon ab 1.800 zusätzlichen Flaschen gerechnet (18.000 € ÷ 10 €).

    Beide Mengen liegen unter der Kapazität. Empfehlung: B – vorausgesetzt, die Absatzschätzung ist realistisch. Bei A frisst der Nachlass auf alle 22.000 bisherigen Flaschen den Zuwachs auf.

Das Wichtigste

  • db = p − kv, DB = db · x, = DB − Kf – der ist kein Gewinn.
  • = Kf ÷ db, aufgerundet; = Gewinnschwelle × p; Überschreitung in Prozent auf die Gewinnschwelle beziehen.
  • = Gewinn ÷ Umsatz × 100; nötige Menge für Renditeziel r: x = Kf ÷ (p − kv − r · p), dann mit der Kapazität vergleichen.
  • Zusätzliche (Werbung) verlangen Fixkosten ÷ db zusätzliche Stück; eine Preissenkung wirkt auf jedes verkaufte Stück.

3.3 Preisuntergrenzen und Zusatzaufträge

Die Varga GmbH spritzt Gießkannen aus Kunststoff. Eine Kanne kostet sie 11,00 € – rechnet die Buchhaltung vor. Dann fragt eine Baumarktkette nach 8.000 Kannen zu 8,50 €. Ablehnen, weil das 2,50 € Verlust je Kanne wären? Die kommt zu einem anderen Ergebnis: Ein großer Teil der 11,00 € sind , die ohnehin anfallen. Entscheidend ist, was sich am Ergebnis ändert, wenn der Auftrag dazukommt.

Wie tief darf der Preis sinken?

Definition

Kurzfristig darf der Preis bis auf die sinken – das ist die . Jeder Preis darüber bringt je Stück noch einen , und der Verlust wird kleiner. Die laufen ohnehin weiter, auch wenn gar nicht produziert wird.

Im Register

Definition

Die sind die vollen bei der geplanten Menge: kv + Kf ÷ x. Auf Dauer muss der Preis alle Kosten decken – sonst lebt das Unternehmen von seiner Substanz.

Im Register

Formel

Preisuntergrenzen

kurzfristig = kv; langfristig = kv + Kf ÷ x

Die kurzfristige Grenze bleibt bei kv, die langfristige sinkt mit jeder zusätzlich verkauften Kanne.

Schritt für Schritt

Die Preisuntergrenzen der Gießkanne

Varga hat 150.000 € Fixkosten im Quartal, die variablen Stückkosten betragen 6,00 €. Geplant sind 30.000 Kannen, die Maschinen schaffen 40.000.

  1. Kurzfristige .

    Ergebnis:

    kv = 6,00 €

  2. Fixkosten je Kanne bei 30.000 Stück.

    Ergebnis:

    150.000 € ÷ 30.000 = 5,00 €

  3. Langfristige Preisuntergrenze bei 30.000 Stück.

    Ergebnis:

    6,00 € + 5,00 € = 11,00 €

  4. Langfristige Preisuntergrenze bei voller Auslastung.

    Ergebnis:

    6,00 € + 150.000 € ÷ 40.000 = 9,75 €

Beispiel aus dem Alltag

Das freie Hotelzimmer am Abend

Ein Hotelzimmer kostet je belegter Nacht 26,50 € für Reinigung, Wäsche und Frühstück – das ist variabel. Personal, Gebäude und Zinsen ergeben umgelegt weitere 63,50 € je Nacht. Am Abend ist noch ein Zimmer frei. Für 49 € an einen spontanen Gast vermietet, bringt es 22,50 € Deckungsbeitrag. Leer bringt es nichts – die 63,50 € fallen so oder so an. Deshalb gibt es Last-Minute-Preise.

Typischer Fehler

Die kurzfristige Preisuntergrenze für einen Dauerzustand halten. Bei 6,00 € deckt keine Kanne etwas von den 150.000 € Fixkosten – das Quartal endet mit genau diesem Verlust. In einer Absatzkrise ist das für kurze Zeit besser als Stillstand, auf Dauer nicht.

Merksatz

Kurzfristig muss der Preis die decken, langfristig alle Kosten.

Einen Zusatzauftrag prüfen

Definition

Ein kommt zum normalen Absatz hinzu, meist zu einem Preis unter den vollen . Er lohnt sich, wenn

  1. freie Kapazität vorhanden ist,
  2. sein zusätzlicher die übersteigt, die nur seinetwegen entstehen (Umrüsten, Werkzeug, Form), und
  3. keine schwerwiegenden Nachteile drohen.

Die bisherigen spielen keine Rolle – sie fallen mit und ohne Auftrag an.

Im Register

Formel

Erfolg und Preisuntergrenze eines Zusatzauftrags

Erfolg = (p − kv) · Auftragsmenge − Sonderfixkosten; Preisuntergrenze = kv + Sonderfixkosten ÷ Auftragsmenge

Schritt für Schritt

8.000 Kannen für die Baumarktkette

Die Kette bietet 8,50 € je Kanne für 8.000 Stück mit ihrem Logo. Das Werkzeug für das Logo kostet 6.000 €. Varga setzt bisher 30.000 Kannen zu 14,00 € ab, Kapazität 40.000.

  1. Freie Kapazität.

    Ergebnis:

    40.000 − 30.000 = 10.000 Kannen ≥ 8.000 – keine Stammkundschaft wird verdrängt

  2. des Auftrags.

    Ergebnis:

    8,50 € − 6,00 € = 2,50 €

  3. Zusätzlicher Deckungsbeitrag.

    Ergebnis:

    2,50 € × 8.000 = 20.000 €

  4. Erfolg nach den Sonderfixkosten.

    Ergebnis:

    20.000 € − 6.000 € = +14.000 € – annehmen

  5. des Auftrags.

    Ergebnis:

    6,00 € + 6.000 € ÷ 8.000 = 6,75 €

Ohne freie Kapazität verdrängt der Auftrag Stammkunden – und mit ihnen deren Deckungsbeitrag. Will die Kette 14.000 Kannen, fehlen 4.000 Plätze. Diese 4.000 Stammkunden-Kannen hätten je 8,00 € gebracht (14,00 € − 6,00 €):

Betrag
zusätzlicher Deckungsbeitrag (14.000 × 2,50 €)35.000 €
− Sonderfixkosten6.000 €
− verdrängter Deckungsbeitrag (4.000 × 8,00 €)32.000 €
= Veränderung des Ergebnisses−3.000 €

Preisuntergrenze dann: 6,00 € + (6.000 € + 32.000 €) ÷ 14.000 = 8,71 €. Bietet die Kette nur 8,50 €, liefert Varga besser nur die 10.000 freien Kannen: 10.000 × 2,50 € − 6.000 € = +19.000 €.

Beispiel aus der Praxis

Liefervertrag mit Renditeziel

Die Geschäftsführung will den Vertrag über 8.000 Kannen nur abschließen, wenn das Quartal insgesamt 25 % erreicht. Bisher: Umsatz 420.000 €, Gewinn 30.000 × 8,00 € − 150.000 € = 90.000 €. Gesucht ist der Preis p, bei dem der neue Gewinn 25 % des neuen Umsatzes ist:

  • neuer Gewinn: 90.000 € + (p − 6,00 €) × 8.000 − 6.000 € = 36.000 € + 8.000 · p
  • 25 % des neuen Umsatzes: 0,25 × (420.000 € + 8.000 · p) = 105.000 € + 2.000 · p
  • gleichsetzen: 6.000 · p = 69.000 € → p = 11,50 €

Zahlt die Kette nur 9,00 €, ist das Ziel verfehlt – das Ergebnis steigt aber trotzdem um 8.000 × 3,00 € − 6.000 € = 18.000 €. Aus Sicht der lohnt der Auftrag schon ab 6,75 €.

Typischer Fehler

Mit den vollen Stückkosten entscheiden. 8,50 € − 11,00 € ergäbe „2,50 € Verlust je Kanne“. Die 5,00 € Fixkosten je Kanne fallen aber ohne den Auftrag genauso an – sie verteilen sich dann nur auf weniger Stück.

Typischer Fehler

Die Sonderfixkosten vergessen. Ein positiver Stückdeckungsbeitrag reicht nicht, wenn der Auftrag eigene Fixkosten verursacht. 300 Kannen zu 8,50 € brächten 750 € – zu wenig für ein Werkzeug für 6.000 €.

Prüfungsrelevant · Abitur 2016/2017, Abitur 2021/2022, Abitur 2025 (Nach-Nachtermin)

Einen Zusatzauftrag rechnerisch prüfen, die Preisuntergrenze bestimmen – auch so, dass ein Renditeziel für den ganzen Betrieb erreicht wird – und Argumente gegen die Annahme abwägen.

Was neben der Rechnung zählt: Erfahren Stammkunden vom niedrigen Preis, verlangen sie womöglich denselben Nachlass. Die Marke kann als billig gelten. Die Reservekapazität für Eilaufträge ist gebunden. Dafür kann der Auftrag einen neuen Großkunden bringen und die Anlagen besser auslasten.

Merksatz

Zusatzauftrag annehmen, wenn Kapazität frei ist und der zusätzliche Deckungsbeitrag die Sonderfixkosten übersteigt.

Selbst herstellen oder zukaufen?

Definition

Bei der vergleicht ein Betrieb Eigenfertigung und Fremdbezug eines Teils. Kurzfristig – bei freier Kapazität – bleiben die der eigenen Fertigung bestehen. Verglichen wird deshalb der Einkaufspreis mit den der Eigenfertigung.

Im Register

Formel

Höchstzulässige Fertigungszeit

höchste Zeit = (Einkaufspreis − Material je Stück) ÷ variable Fertigungskosten je Zeiteinheit

Braucht die eigene Fertigung länger, ist der Zukauf kurzfristig günstiger.

Schritt für Schritt

Die Brause der Gießkanne

Ein Lieferant bietet die Brause für 0,95 € an. Selbst gefertigt kostet sie 0,35 € Material; die Spritzmaschine verursacht 0,80 € variable Kosten je Minute, eine Brause braucht 0,6 Minuten.

  1. Variable Kosten der Eigenfertigung.

    Ergebnis:

    0,35 € + 0,6 × 0,80 € = 0,83 €

  2. Vergleich mit dem Einkaufspreis.

    Ergebnis:

    0,83 € < 0,95 € – Eigenfertigung ist um 0,12 € je Brause günstiger

  3. Höchstzulässige Fertigungszeit.

    Ergebnis:

    (0,95 € − 0,35 €) ÷ 0,80 € = 0,75 Minuten = 45 Sekunden

Für EigenfertigungFür Fremdbezug
Qualität selbst in der HandLieferant ist spezialisiert, oft billiger in großen Mengen
unabhängig von Lieferzeiten und Preiserhöhungeneigene Kapazität frei für Produkte mit höherem db
Know-how bleibt im Hauskeine Investitionen in Maschinen und Personal
Anlagen und Beschäftigte ausgelastetMengen lassen sich leichter anpassen

Achtung

Der Vergleich mit den variablen Kosten gilt nur kurzfristig und bei freier Kapazität. Langfristig lassen sich auch Fixkosten abbauen (Maschine verkaufen, Personal anders einsetzen) – dann zählen die vollen Kosten. Ist die Maschine ein Engpass, kostet die Eigenfertigung zusätzlich den der Produkte, die sie verdrängt.

Prüfungsrelevant · Abitur 2016/2017

Die höchstzulässige Fertigungszeit für die Eigenfertigung berechnen und Risiken von Eigenfertigung und Fremdbezug erläutern.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    Ein Spielwarenhersteller hat 90.000 € im Quartal und 12 € je Holzeisenbahn. Wo liegen die kurzfristige und die bei 15.000 Stück? Wie ändert sich die langfristige bei 20.000 Stück?

    Lösung anzeigen
    • kurzfristig: 12,00 €
    • langfristig bei 15.000 Stück: 12 € + 90.000 € ÷ 15.000 = 18,00 €
    • bei 20.000 Stück: 12 € + 4,50 € = 16,50 € – mehr Menge, niedrigere langfristige Grenze
  2. Übung 2Anwendung

    Ein Hersteller von Fahrradhelmen verkauft 18.000 Helme zu 49 €, kv 28 €, Kapazität 22.000. Ein Radsportverein will 3.000 Helme mit Vereinslogo zu 33 €; der Logodruck kostet einmalig 9.000 €. Prüfe den Auftrag und nenne seine .

    Lösung anzeigen
    • freie Kapazität: 22.000 − 18.000 = 4.000 ≥ 3.000 ✓
    • zusätzlicher DB: 3.000 × (33 € − 28 €) = 15.000 €
    • Erfolg: 15.000 € − 9.000 € = +6.000 € → annehmen
    • Preisuntergrenze: 28 € + 9.000 € ÷ 3.000 = 31,00 €
  3. Übung 3Klausurniveau

    Statt 3.000 möchte ein Großhändler 6.000 Helme zu 36 € (Logodruck 9.000 €). Prüfe mit den Daten aus der vorigen Übung, ob sich der Auftrag lohnt, und bestimme die . Was schlägst du dem Händler vor?

    Lösung anzeigen
    • Frei sind nur 4.000 Plätze – 2.000 Helme der Stammkundschaft werden verdrängt, je 49 € − 28 € = 21 € db: 2.000 × 21 € = 42.000 € entgangener
    • Erfolg: 6.000 × (36 € − 28 €) − 9.000 € − 42.000 € = 48.000 € − 51.000 € = −3.000 € → so ablehnen
    • Preisuntergrenze: 28 € + (9.000 € + 42.000 €) ÷ 6.000 = 36,50 €
    • Vorschlag: 4.000 Helme zu 36 € liefern – 4.000 × 8 € − 9.000 € = +23.000 € – oder 6.000 Helme ab 36,50 €.
  4. Übung 4Klausurniveau

    Der Kinnverschluss der Helme kostet beim Lieferanten 1,20 €. Selbst gefertigt braucht er 0,30 € Material, die Fertigung verursacht 1,80 € je Minute. Wie lange darf die Fertigung höchstens dauern? Bisher braucht sie 35 Sekunden – entscheide und nenne zwei Gründe, die trotzdem für die Eigenfertigung sprechen.

    Lösung anzeigen
    • Höchstzeit: (1,20 € − 0,30 €) ÷ 1,80 € = 0,5 Minuten = 30 Sekunden
    • Mit 35 Sekunden kostet die Eigenfertigung 0,30 € + 1,80 € × 35 ÷ 60 = 1,35 € – der Zukauf ist kurzfristig um 0,15 € je Stück günstiger.
    • Für die Eigenfertigung: Der Verschluss ist ein Sicherheitsteil – die Qualität selbst zu prüfen, senkt das Haftungsrisiko; außerdem bleibt der Betrieb unabhängig von Lieferengpässen und kann die Fertigung schneller machen (Werkzeug verbessern), statt dauerhaft zu zahlen.

Das Wichtigste

  • = kv, langfristige = kv + Kf ÷ x; die langfristige sinkt mit der Menge.
  • : freie Kapazität? Dann Erfolg = (p − kv) · Menge − > 0 → annehmen; = kv + Sonderfixkosten ÷ Menge.
  • Ohne freie Kapazität kommt der verdrängte dazu; mit Renditeziel: neuer Gewinn = r × neuer Umsatz, nach dem Preis auflösen.
  • kurzfristig: Einkaufspreis gegen der Eigenfertigung; höchste Fertigungszeit = (Einkaufspreis − Material) ÷ variable Kosten je Zeiteinheit.

3.4 Produktionsprogramm bei Engpässen

Das Taschenatelier Nowak könnte im März Handtaschen, Geldbörsen, Gürtel und Rucksäcke verkaufen – genug Kundschaft gibt es. Aber die Gerberei liefert nur 6.000 dm² Leder, für alle Bestellungen bräuchte das Atelier 10.600. Ein Rucksack bringt mit 80 € den höchsten . Trotzdem wäre es ein teurer Fehler, mit den Rucksäcken anzufangen: Sie verschlingen das Leder, das anderswo viel mehr einbringt.

Wenn eine Ressource knapp ist

Definition

Ein ist eine knappe Ressource, die nicht für alle nachgefragten Mengen reicht: Maschinenstunden, Material, Fachkräfte, Lagerfläche, Verkaufsfläche. Ob es einen gibt, zeigt der Vergleich von Gesamtbedarf und vorhandener Menge.

Im Register

Definition

Ohne Engpass zählt der absolute : Jedes Produkt mit positivem wird in voller Absatzmenge hergestellt, und beworben wird vor allem das mit dem höchsten db.

Im Register

Definition

Mit Engpass zählt, was ein Produkt je Einheit der knappen Ressource einbringt – der . Nach ihm wird die Rangfolge gebildet.

Im Register

Formel

Relativer Deckungsbeitrag

relativer db = db ÷ Engpassbedarf je Stück

Die Einheit hängt vom Engpass ab – € je Stunde, je Minute, je dm², je Gramm.

Beispiel aus dem Alltag

Die Klausur ist der Engpass

In einer Klausur ist die Zeit knapp. Aufgabe A bringt 12 Punkte und braucht 30 Minuten, Aufgabe B bringt 8 Punkte und braucht 10 Minuten. A hat mehr Punkte – aber B bringt 0,8 Punkte je Minute, A nur 0,4. Wer die Zeit nicht für alles hat, beginnt mit B.

Typischer Fehler

Bei einem Engpass nach dem höchsten Stückdeckungsbeitrag reihen. Der Rucksack bringt 80 € je Stück, braucht aber 50 dm² Leder – nur 1,60 € je dm². Die Geldbörse bringt nur 30 €, braucht aber 6 dm² – 5,00 € je dm².

Merksatz

Kein Engpass – alles mit positivem db fertigen. Engpass – nach db je Engpasseinheit reihen.

Das gewinnmaximale Produktionsprogramm

Die Daten des Taschenateliers für März ( 15.000 €, Leder 6.000 dm²):

ProduktPreiskvdbLeder je StückAbsatz
Handtasche180 €110 €70 €40 dm²80
Geldbörse60 €30 €30 €6 dm²400
Gürtel45 €21 €24 €10 dm²200
Rucksack220 €140 €80 €50 dm²60

Schritt für Schritt

In fünf Schritten zum Programm

Ermittle das gewinnmaximale und das des Taschenateliers.

  1. Gibt es einen Engpass? Gesamtbedarf an Leder.

    Ergebnis:

    80 × 40 + 400 × 6 + 200 × 10 + 60 × 50 = 10.600 dm² > 6.000 dm² – ja

  2. Relative .

    Ergebnis:

    Handtasche 70 € ÷ 40 = 1,75 €; Geldbörse 30 € ÷ 6 = 5,00 €; Gürtel 24 € ÷ 10 = 2,40 €; Rucksack 80 € ÷ 50 = 1,60 € je dm²

  3. Rangfolge.

    Ergebnis:
    1. Geldbörse, 2. Gürtel, 3. Handtasche, 4. Rucksack
  4. Leder von oben nach unten verteilen.

    Ergebnis:

    Geldbörsen 400 × 6 = 2.400 dm², Rest 3.600; Gürtel 200 × 10 = 2.000 dm², Rest 1.600; Handtaschen 1.600 ÷ 40 = 40 Stück; Rucksäcke 0

  5. Deckungsbeitrag und Betriebsergebnis.

    Ergebnis:

    400 × 30 € + 200 × 24 € + 40 × 70 € = 19.600 €; − 15.000 € = 4.600 €

Dasselbe Leder, zwei Rangfolgen – der Unterschied sind 9.550 € Deckungsbeitrag.

Beispiel aus der Praxis

Was die falsche Rangfolge kostet

Hätte das Atelier nach dem absoluten db gereiht, bekämen zuerst die 60 Rucksäcke 3.000 dm², dann die Handtaschen die übrigen 3.000 dm² (75 Stück). Deckungsbeitrag: 60 × 80 € + 75 × 70 € = 10.050 € – nach den Fixkosten ein Verlust von 4.950 € statt eines Gewinns von 4.600 €. Die vielen kleinen Geldbörsen und Gürtel, die je dm² am meisten bringen, wären gar nicht gefertigt worden.

Typischer Fehler

Beim letzten Produkt aufrunden. 1.600 dm² reichen für 40 Handtaschen; bei 1.630 dm² wären es 40,75 – also weiterhin nur 40 ganze Taschen. Die Reststücke werden abgerundet, sonst fehlt Leder.

Typischer Fehler

Die Fixkosten auf die Produkte verteilen. Sie fallen unabhängig vom Programm an und ändern die Rangfolge nicht. Abgezogen werden sie erst ganz am Ende vom Deckungsbeitrag des Programms.

Prüfungsrelevant · Abitur 2014/2015, Abitur 2016/2017, Abitur 2021/2022, Nachprüfung 2023/2024

Das gewinnmaximale Produktionsprogramm und das Betriebsergebnis bei einem Engpass ermitteln – mit Prüfzeit oder Maschinenminuten, mit Titan in Gramm oder Stoff in Quadratmetern als knapper Ressource.

Achtung

Im Skript heißt „“ sowohl der als auch die Summe der Deckungsbeiträge eines Produkts – gemeint ist jeweils: nicht auf die Engpasseinheit bezogen. Die Engpasseinheit wechselt von Aufgabe zu Aufgabe; alle Produkte müssen in derselben Einheit verglichen werden (nicht das eine in Stunden, das andere in Minuten).

Merksatz

Bedarf prüfen, relativen db berechnen, von oben nach unten verteilen, Rest abrunden, Fixkosten zuletzt.

Was eine Engpasseinheit wert ist

Ist das Leder ausgeschöpft, kann ein neuer Auftrag nur Leder bekommen, das einem anderen Produkt fehlt. Er verdrängt das Produkt, das in der Rangfolge zuletzt noch Leder bekommen hat – im Atelier die Handtasche mit 1,75 € je dm². Ein dm² Leder ist dem Atelier also 1,75 € wert.

Ein Hotel bestellt 100 Schlüsseletuis aus je 8 dm² Leder, die betragen 15 € je Etui. : 15 € + 8 dm² × 1,75 € = 29 €. Darunter verdrängt der Auftrag mehr Deckungsbeitrag, als er bringt.

Formel

Preisuntergrenze bei vollem Engpass

Preisuntergrenze = kv + Engpassbedarf je Stück × relativer db des verdrängten Produkts

Merksatz

Wer knappe Kapazität beansprucht, muss den Deckungsbeitrag ersetzen, den er verdrängt.

Übungen

  1. Übung 1Grundlagen

    In einer Bäckerei ist der Ofen der Engpass. Ein Laib Brot bringt 1,80 € und braucht 12 Minuten, ein Blech Brötchen 4,20 € und 20 Minuten, ein Blech Kuchen 7,20 € und 40 Minuten. Bilde die Rangfolge.

    Lösung anzeigen
    • Brot: 1,80 € ÷ 12 = 0,15 € je Minute
    • Brötchen: 4,20 € ÷ 20 = 0,21 € je Minute
    • Kuchen: 7,20 € ÷ 40 = 0,18 € je Minute

    Rangfolge: Brötchen, Kuchen, Brot – obwohl der Kuchen den höchsten absoluten db hat.

  2. Übung 2Anwendung

    Eine Schreinerei hat im Monat 300 Stunden an der CNC-Fräse. Tisch: db 120 €, 3 h, Absatz 50. Regal: db 45 €, 1 h, Absatz 120. Stuhl: db 30 €, 0,5 h, Absatz 100. Die betragen 9.000 €. Ermittle das gewinnmaximale Programm und das .

    Lösung anzeigen
    • Bedarf: 150 h + 120 h + 50 h = 320 h > 300 h → Engpass
    • relativer db: Tisch 40 €/h, Regal 45 €/h, Stuhl 60 €/h → Rangfolge Stuhl, Regal, Tisch
    • Stühle 100 × 0,5 h = 50 h, Regale 120 h → Rest 130 h → Tische 130 ÷ 3 = 43,33 → 43 Tische
    • DB: 100 × 30 € + 120 × 45 € + 43 × 120 € = 3.000 € + 5.400 € + 5.160 € = 13.560 €
    • Betriebsergebnis: 13.560 € − 9.000 € = 4.560 €
  3. Übung 3Klausurniveau

    Eine Schmuckmanufaktur erhält im Monat 9.000 g Silber. Ring: db 34 €, 12 g, Absatz 300. Kette: db 52 €, 20 g, Absatz 200. Armreif: db 75 €, 30 g, Absatz 120. 18.000 €. Ermittle Programm und . Ein Juwelier will danach 20 Ohrring-Sets mit je 15 g Silber, kv 22 € je Set. Welchen Preis muss er mindestens zahlen?

    Lösung anzeigen
    • Bedarf: 3.600 g + 4.000 g + 3.600 g = 11.200 g > 9.000 g → Engpass
    • relativer db: Ring 2,83 €/g, Kette 2,60 €/g, Armreif 2,50 €/g → Rangfolge Ring, Kette, Armreif
    • Ringe 3.600 g, Ketten 4.000 g → Rest 1.400 g → 1.400 ÷ 30 = 46,67 → 46 Armreife
    • DB: 300 × 34 € + 200 × 52 € + 46 × 75 € = 10.200 € + 10.400 € + 3.450 € = 24.050 €
    • Betriebsergebnis: 24.050 € − 18.000 € = 6.050 €
    • Die Ohrringe verdrängen Armreife (2,50 € je g): 22 € + 15 g × 2,50 € = 59,50 € je Set

Das Wichtigste

  • Engpass prüfen: Gesamtbedarf der knappen Ressource mit der vorhandenen Menge vergleichen.
  • Ohne Engpass alle Produkte mit positivem db fertigen; mit Engpass nach relativem db = db ÷ Engpassbedarf je Stück reihen.
  • Ressource von oben nach unten verteilen, das letzte Produkt abrunden, addieren, zuletzt abziehen.
  • Ein Auftrag bei vollem Engpass muss den verdrängten db ersetzen: kv + Engpassbedarf × relativer db des verdrängten Produkts.

Goat.edu – Heft · Stand 23. September 2026 · Eigene Darstellung auf Grundlage des Unterrichts im Wirtschaftsgymnasium, Beispiele mit erfundenen Firmen und eigenen Zahlen · Entwurf, noch nicht fachlich geprüft