Lernzettel · Kapitel 1
Markt und Preisbildung
Nur Definitionen, Formeln, Merksätze und Prüfungswissen – zum Wiederholen vor der Klausur.
1.1 Der Markt und der vollkommene Markt
Definition
Ein ist jeder Ort, an dem Angebot und Nachfrage nach einem Gut aufeinandertreffen und sich ein Preis bildet – ein Wochenmarkt, eine Börse, ein Online-Shop. Die Anbieter, meist Unternehmen, wollen ihren Gewinn maximieren; die Nachfrager, meist private Haushalte, ihren Nutzen.
Definition
Wie viel Einfluss der einzelne auf den Preis hat, hängt von der ab – vor allem von der Zahl der Anbieter:
| Marktform | Anbieter | Nachfrager | Spielraum beim Preis |
|---|---|---|---|
| viele | viele | keiner – der Preis ergibt sich am Markt | |
| wenige | viele | groß, aber die Konkurrenz reagiert | |
| einer | viele | der Anbieter legt ihn selbst fest |
Auch auf der Nachfrageseite kann es wenige oder nur einen geben, etwa wenn ein einziger Staat Kampfflugzeuge kauft (Nachfragemonopol).
Merksatz
Viele, wenige, einer – Polypol, Oligopol, Monopol; je weniger Anbieter, desto mehr Macht über den Preis.
Definition
Der vollkommene Markt ist ein gedachtes Idealmodell. Auf ihm gibt es für ein Gut nur einen einheitlichen Preis. Dafür müssen fünf Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:
- – die Angebote unterscheiden sich in nichts außer im Preis.
- Keine – weder für eine Marke (sachlich), eine Person (persönlich), einen Ort (räumlich) noch einen Zeitpunkt (zeitlich).
- Vollständige – alle kennen alle Preise und Angebote.
- Sofortige Reaktion – auf jede Preisänderung wird ohne Verzögerung reagiert.
- Ein Ort, eine Zeit – Angebot und Nachfrage treffen gleichzeitig an einem Punkt aufeinander.
Definition
Ist auch nur eine Bedingung verletzt, ist der Markt unvollkommen. Dann kann dasselbe Gut bei verschiedenen Anbietern Unterschiedliches kosten – fast alle realen Märkte sind so.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 4), Abitur 2016
Die Annahmen des vollkommenen Marktes nennen und an einem realen Markt (Weizen, Wohnungen) prüfen, welche davon erfüllt sind.
Merksatz
Homogen, keine Präferenzen, transparent, sofort, ein Ort – fehlt eine Bedingung, ist der Markt unvollkommen.
Definition
Der Marktpreis ist mehr als eine Zahl auf dem Schild. Er erfüllt fünf :
| Funktion | Was der Preis tut | Beispiel |
|---|---|---|
| Ausgleich | bringt angebotene und nachgefragte Menge zusammen | bei 6 € werden alle Erdbeeren verkauft |
| Signal | zeigt an, wie knapp ein Gut ist | Holzpreis steigt nach einem Sturmwinter |
| Lenkung | leitet Produktion und Kauf dorthin, wo Knappheit herrscht | Waldbesitzer schlagen mehr Holz |
| Erziehung | hält Anbieter zu niedrigen Kosten und Käufer zum Sparen an | Bäcker suchen günstigere Öfen |
| Auslese | lässt Anbieter ausscheiden, deren Kosten dauerhaft über dem Preis liegen | ein teurer Stand gibt auf |
Merksatz
Der Preis gleicht aus, signalisiert, lenkt, erzieht und liest aus.
1.2 Die Nachfrage
Definition
: Je höher der Preis, desto kleiner die nachgefragte Menge – und umgekehrt. Bei hohem Preis können oder wollen sich weniger das Gut leisten, bei niedrigem kommen neue Käufer dazu.
Definition
Die zeigt, welche Menge x bei welchem Preis p gekauft würde. Im Diagramm steht – anders als in der Mathematik gewohnt – der Preis senkrecht und die Menge waagerecht; die Kurve fällt.
Formel
Lineare Nachfragefunktion
x(p) = a − b · p
a = (Preis 0), a ÷ b = (Menge 0)
Formel
Prohibitivpreis
Prohibitivpreis = a ÷ b
Definition
Die ist die Summe der Mengen aller Käufer bei einem Preis. Wer über seinem eigenen liegt, kauft nichts – er trägt null bei, keine negative Menge.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 6)
Sättigungsmenge und Prohibitivpreis mehrerer Käufergruppen aus einer Grafik ablesen, die Gesamtnachfrage bilden und erklären, warum ihre Kurve Knickstellen hat.
Merksatz
Marktnachfrage = Summe ohne negative Mengen; an jedem Aussteige-Preis knickt die Kurve.
Definition
Neben dem eigenen Preis hängt die Nachfrage ab vom Einkommen, von den Preisen verwandter Güter, von (Geschmack, Trends, Werbung), von Erwartungen über Preise und Einkommen und von der Zahl der Nachfrager. Das sind die .
Definition
ersetzen einander: Wird das eine teurer, verschiebt sich die Nachfrage nach dem anderen nach rechts. werden zusammen genutzt: Wird das eine teurer, verschiebt sich die Nachfrage nach dem anderen nach links. Güter ohne Beziehung heißen indifferent.
Definition
Steigt das Einkommen, wird von mehr gekauft, von sogar überproportional mehr. Bei sinkt die Nachfrage, weil man auf Besseres umsteigt.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 6), Abitur 2016
Bestimmungsfaktoren der Nachfrage nennen und für eine Situation erklären, ob sich die verschiebt oder man sich auf ihr bewegt – auch über Komplemente (Bier und Pizza) oder Substitute.
Merksatz
Eigener Preis = Bewegung; alles andere = Verschiebung. Substitut teurer → rechts, Komplement teurer → links.
1.3 Das Angebot
Definition
: Steigt der Preis, bieten die Anbieter mehr an – sinkt er, weniger. Die steigt deshalb von links unten nach rechts oben.
Definition
Das ist die Summe der Mengen aller Anbieter bei einem Preis. Es beginnt bei dem Preis, ab dem der effizienteste Anbieter überhaupt liefert – darunter wird nichts angeboten.
Merksatz
Höherer Preis deckt höhere Grenzkosten und lockt zusätzliche Anbieter – die Angebotskurve steigt.
Definition
Die gibt an, welche Menge x die Anbieter bei welchem Preis p verkaufen wollen. Linear lautet sie meist x(p) = −c + d · p. Das Minus vor c bedeutet: Unterhalb eines bestimmten Preises wird gar nichts angeboten.
Formel
Lineare Angebotsfunktion
x(p) = −c + d · p
Angeboten wird erst ab p = c ÷ d; darunter ist die Menge null.
Prüfungsrelevant · Abitur 2016, Klausurübung J1
Gründe für eine Verschiebung des Angebots nennen und ihre Richtung begründen – etwa eine Sanierungspflicht für Vermieter oder eine Missernte bei Baumwolle.
Merksatz
Kosten runter, Technik besser, mehr Anbieter – Angebot nach rechts; Kosten rauf, Missernte, Auflagen – nach links.
1.4 Das Marktgleichgewicht
Definition
Im ist die angebotene Menge genau so groß wie die nachgefragte. Im Diagramm ist das der Schnittpunkt von Angebots- und : Er zeigt den und die .
Formel
Gleichgewicht rechnen
a − b · p = −c + d · p → p* = (a + c) ÷ (b + d)
Den Preis p* in eine der beiden Funktionen einsetzen ergibt die Gleichgewichtsmenge; die andere dient als Probe.
Merksatz
Gleichsetzen, nach p auflösen, einsetzen, Probe – der Schnittpunkt räumt den Markt.
Definition
Liegt der Preis über dem Gleichgewicht, wird mehr angeboten als nachgefragt – ein . Die Anbieter bleiben auf Ware sitzen und senken die Preise.
Definition
Liegt der Preis unter dem Gleichgewicht, wollen mehr kaufen, als angeboten wird – ein . Wer leer ausgeht, ist bereit, mehr zu zahlen; der Preis steigt.
Merksatz
Preis zu hoch → Angebotsüberschuss, Preis sinkt; Preis zu niedrig → Nachfrageüberschuss, Preis steigt.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026 (Aufgabe 4), Abitur 2016, Klausur J1 2024/25
Das rechnerisch und grafisch bestimmen, Überschüsse bei einem anderen Preis angeben und die Folgen einer Angebots- oder Nachfrageverschiebung – etwa durch eine Sanierungspflicht oder eine Missernte – für Preis und Menge erklären.
Merksatz
Nachfrage und Preis bewegen sich gleich, Angebot und Preis entgegen.