Kapitel 2 · ganzes Kapitel
Kosten- und Leistungsrechnung
Was kostet ein einzelner Stuhl, ein Brot, eine Gartenbank? Material und Arbeitszeit lassen sich messen – aber Miete, Maschinen, Verwaltung und Werbung fallen für alle Produkte gemeinsam an. Die bringt auch diese Kosten zum einzelnen Produkt. Sie liefert die Grundlage für Preise, zeigt, welcher Bereich zu teuer arbeitet, und prüft am Ende der Periode, ob die Kalkulation gestimmt hat.
2.1 Kosten, Leistungen und Abgrenzung
Die Buchhaltung meldet 138.000 € Gewinn – läuft das Geschäft also gut? Nicht unbedingt. Ein Teil des Gewinns kann aus Zinsen oder dem Verkauf einer alten Maschine stammen. Und manches fehlt ganz: Arbeitet der Inhaber ohne Gehalt mit, taucht seine Arbeit nirgends auf. Die rechnet deshalb nur mit dem, was der eigentliche Betrieb verursacht, und ergänzt, was in der Buchhaltung fehlt. Erst dann zeigt sich, was das Kerngeschäft wirklich einbringt.
Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung
Jedes Unternehmen rechnet zweimal – mit unterschiedlichem Ziel:
| Teil des Rechnungswesens | extern | intern |
| für wen? | Finanzamt, Banken, Eigentümer | Unternehmensleitung |
| Regeln | Handels- und Steuerrecht | frei, nach Zweckmäßigkeit |
| rechnet mit | Aufwand und Ertrag | Kosten und Leistungen |
| Ergebnis | (Gewinn) | |
| wozu? | Jahresabschluss, Steuer | Preise kalkulieren, Bereiche kontrollieren |
Definition
sind alles, was Herstellung und Verkauf der Produkte verbrauchen – Material, Arbeitszeit, Maschinen, Energie, Räume –, in Euro bewertet. ist dagegen jeder Werteverzehr, den die Finanzbuchhaltung erfasst, auch wenn er mit dem Betrieb nichts zu tun hat.
Definition
sind der Wert dessen, was der Betrieb hervorbringt: verkaufte Erzeugnisse und solche, die hergestellt wurden und noch auf Lager liegen. ist jeder Wertzuwachs, also auch Zinsen oder Mieteinnahmen.
Beispiel aus dem Alltag
Was kostet der Roller wirklich?
Mia führt ein Haushaltsbuch. Im Mai stehen dort 45 € Sprit, 12 € Versicherung, 30 € für ein Konzert und 20 € als Geschenk für ihren Bruder. Was kostet sie der Roller? Nur Sprit und Versicherung – Konzert und Geschenk sind Ausgaben, haben aber mit dem Roller nichts zu tun. Dafür fehlt etwas: Der Roller verliert jeden Monat an Wert. Will Mia in drei Jahren einen neuen kaufen, muss sie den Wertverlust einrechnen, obwohl dafür kein Geld fließt. Genau so trennt die KLR – und genau so ergänzt sie.
Neutraler Aufwand und neutraler Ertrag
Definition
ist Aufwand, der keine Kosten ist. Es gibt drei Arten:
- betriebsfremd – hat mit dem Betriebszweck nichts zu tun: Spenden, Kursverluste bei Wertpapieren
- außerordentlich – betrieblich, aber selten und ungewöhnlich: Brand- und Sturmschäden, große Diebstähle, der Verkauf einer Anlage unter Buchwert
- periodenfremd – gehört wirtschaftlich zu einem anderen Jahr: Steuernachzahlung für das Vorjahr
Auf der Ertragsseite gilt dasselbe: sind etwa Zinsen auf Geldanlagen und Mieten für Räume, die der Betrieb nicht nutzt (betriebsfremd), der Verkauf einer Maschine über Buchwert (außerordentlich) und eine Steuererstattung für ein früheres Jahr (periodenfremd).
Warum der Aufwand? Ein Brandschaden im Juni würde sonst die Kosten des Junis aufblähen, und jedes Angebot dieses Monats wäre zu teuer kalkuliert.
Typischer Fehler
Den Gewinn aus dem Verkauf einer alten Maschine als Leistung zählen. Leistungen entstehen aus dem Betriebszweck – Kerzen herstellen und verkaufen, nicht Maschinen. Der Gewinn über Buchwert ist ein neutraler Ertrag, ein Verlust unter Buchwert neutraler Aufwand.
Grund-, Anders- und Zusatzkosten
Definition
- – Aufwand, der in gleicher Höhe auch Kosten ist (aus Sicht der Buchhaltung heißt er Zweckaufwand): Material, Löhne, Energie.
- – Kosten, die die mit einem anderen Betrag ansetzt als die Buchhaltung den Aufwand.
- – Kosten, denen gar kein Aufwand gegenübersteht.
Anders- und Zusatzkosten heißen zusammen .
bleibt draußen, kalkulatorische Kosten kommen hinzu.
| kalkulatorische Kosten | Art | Grundgedanke |
|---|---|---|
| Anderskosten | vom und über die tatsächliche Nutzungsdauer statt nach Steuerrecht | |
| Anders- bzw. Zusatzkosten | auch das Eigenkapital könnte anderswo Zinsen bringen | |
| Zusatzkosten | Inhaber im Einzelunternehmen oder in der Personengesellschaft arbeiten ohne Gehalt | |
| Miete | Zusatzkosten | eigene Räume könnten vermietet werden |
Kalkulatorische Kosten sind reine Rechengrößen: Es fließt kein Geld, und sie ändern weder den Gewinn der noch die Steuer.
Beispiel aus der Praxis
Zwei Malerbetriebe im Vergleich
Die Malerwerkstatt Brenner GmbH zahlt ihrem Geschäftsführer 66.000 € Gehalt im Jahr – das ist Aufwand und Kosten. Malermeister Oskar Fendt führt seinen Betrieb als Einzelunternehmen und arbeitet genauso viel, bezieht aber kein Gehalt. Ohne kalkulatorischen Unternehmerlohn wirkt sein Betrieb um 66.000 € günstiger, und seine Angebote decken seine eigene Arbeit nicht. Mit dem Unternehmerlohn rechnen beide Betriebe vergleichbar.
Merksatz
Anders = anderer Betrag. Zusatz = gar kein Aufwand. Neutral = Aufwand, aber keine Kosten.
Die Abgrenzungsrechnung
Die trennt das der in zwei Teile: das aus der eigentlichen Tätigkeit und das .
Formel
Kosten aus dem Aufwand
Kosten = Aufwand − neutraler Aufwand − ersetzte bilanzielle Beträge + kalkulatorische Kosten
„Ersetzt“ heißt: Die bilanzielle Abschreibung fliegt heraus, die kalkulatorische kommt hinein – sonst stünde die Abschreibung doppelt in den Kosten.
Formel
Leistungen aus dem Ertrag
Leistungen = Erträge − neutrale Erträge
Formel
Betriebsergebnis
Betriebsergebnis = Leistungen − Kosten
Formel
Gesamtergebnis
Gesamtergebnis = Betriebsergebnis + neutrales Ergebnis
Schritt für Schritt
Die Kerzenmanufaktur Thalheim KG
Aus der Gewinn- und Verlustrechnung eines Jahres: Umsatzerlöse 740.000 €, Zinserträge 6.000 €, Gewinn aus dem Verkauf einer alten Gießmaschine über Buchwert 4.000 €. Aufwendungen: Material 260.000 €, Löhne und Gehälter 230.000 €, Abschreibungen 48.000 €, sonstige betriebliche Aufwendungen 62.000 €, Spende 5.000 €, Gewerbesteuernachzahlung für das Vorjahr 7.000 €.
Die setzt statt der bilanziellen eine von 56.000 € an und für den mitarbeitenden Komplementär einen von 54.000 €.
Gesamtergebnis der Finanzbuchhaltung.
Ergebnis:Erträge 750.000 € − Aufwendungen 612.000 € = 138.000 €
Leistungen – die herausnehmen.
Ergebnis:750.000 € − 6.000 € − 4.000 € = 740.000 €
– und bilanzielle Abschreibung herausnehmen.
Ergebnis:612.000 € − 5.000 € − 7.000 € − 48.000 € = 552.000 €
Kosten – hinzu.
Ergebnis:552.000 € + 56.000 € + 54.000 € = 662.000 €
Betriebsergebnis.
Ergebnis:740.000 € − 662.000 € = 78.000 €
Neutrales Ergebnis.
Ergebnis:138.000 € − 78.000 € = 60.000 €
In Prüfungen steht die Rechnung als Ergebnistabelle (Beträge in €). Links der Rechnungskreis I mit Aufwand und Ertrag, rechts der Rechnungskreis II mit Kosten und Leistungen, dazwischen die Abgrenzungen:
| Posten | Aufwand | Ertrag | neutr. Aufwand | neutr. Ertrag | Aufwand lt. FiBu | verrechnete Kosten | Kosten | Leistungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 740.000 | 740.000 | ||||||
| Zinserträge | 6.000 | 6.000 | ||||||
| Anlagenverkauf über Buchwert | 4.000 | 4.000 | ||||||
| Material | 260.000 | 260.000 | ||||||
| Löhne und Gehälter | 230.000 | 230.000 | ||||||
| Abschreibungen | 48.000 | 48.000 | 56.000 | 56.000 | ||||
| sonstige Aufwendungen | 62.000 | 62.000 | ||||||
| Spende | 5.000 | 5.000 | ||||||
| Steuernachzahlung | 7.000 | 7.000 | ||||||
| kalk. Unternehmerlohn | 54.000 | 54.000 | ||||||
| Summe | 612.000 | 750.000 | 12.000 | 10.000 | 48.000 | 110.000 | 662.000 | 740.000 |
| Ergebnis | +138.000 | −2.000 | +62.000 | +78.000 |
Die unternehmensbezogene Abgrenzung nimmt neutrale Posten heraus (−2.000 €). Die kostenrechnerischen Korrekturen zeigen, dass die KLR 62.000 € mehr Kosten verrechnet, als die Buchhaltung Aufwand bucht. Beides zusammen ist das neutrale Ergebnis: −2.000 € + 62.000 € = 60.000 €. Probe: 60.000 € + 78.000 € = 138.000 €.
Prüfungsrelevant · Klausurübung J1
Gesamt- und Betriebsergebnis aus einer Ergebnistabelle ermitteln und auswerten; begründen, warum einzelne Posten in Rechnungskreis I und II unterschiedlich hoch sind (bilanzielle gegen kalkulatorische Abschreibung, Unternehmerlohn ohne Aufwand).
Typischer Fehler
Die kalkulatorische Abschreibung zusätzlich zur bilanziellen ansetzen. Die kalkulatorische ersetzt die bilanzielle. Wer beide stehen lässt, rechnet die Abnutzung doppelt und macht das Betriebsergebnis zu schlecht.
Merksatz
Für Preise und Produkte zählt das Betriebsergebnis – für Steuer und Gewinnverteilung das Gesamtergebnis.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Ordne jeden Vorgang einer Getränkeabfüllung ein: , oder .
- Strom für die Abfüllanlage
- Spende an das Stadtfest
- für den mitarbeitenden Inhaber
- Nachzahlung von Kfz-Steuer für das Vorjahr
- Kronkorken für die Flaschen
- Verlust beim Verkauf eines alten Gabelstaplers unter Buchwert
Lösung anzeigen
- Grundkosten: 1 (Strom) und 5 (Kronkorken) – beides wird für die Abfüllung verbraucht.
- Neutraler Aufwand: 2 (betriebsfremd), 4 (periodenfremd), 6 (außerordentlich).
- Zusatzkosten: 3 – für die Arbeit des Inhabers gibt es keinen Aufwand, die setzt trotzdem Kosten an.
Übung 2Anwendung
Eine Polsterei hat Erträge von 420.000 €, davon 9.000 € , und Aufwendungen von 380.000 €, davon 14.000 € . Die bilanzielle Abschreibung von 22.000 € wird durch eine kalkulatorische von 26.000 € ersetzt, dazu kommt ein von 36.000 €. Ermittle Gesamtergebnis, Kosten, Leistungen, Betriebsergebnis und neutrales Ergebnis.
Lösung anzeigen
- : 420.000 € − 380.000 € = 40.000 €
- Kosten: 380.000 € − 14.000 € − 22.000 € + 26.000 € + 36.000 € = 406.000 €
- Leistungen: 420.000 € − 9.000 € = 411.000 €
- : 411.000 € − 406.000 € = 5.000 €
- : 40.000 € − 5.000 € = 35.000 €
Übung 3Klausurniveau
Ein Fahrradladen meldet laut Buchhaltung 25.000 € Gewinn. Die ergibt ein von −18.000 €. Der Inhaber sagt: „Die Kostenrechnung ist doch nur Theorie, wir verdienen Geld.“ Nimm Stellung.
Lösung anzeigen
Beide Zahlen können stimmen. Der Unterschied von 43.000 € ist das : Er kann aus stammen (etwa einem Grundstücksverkauf oder Mieten) und aus , die die Buchhaltung nicht kennt – vor allem dem des Inhabers.
Das negative Betriebsergebnis heißt: Das Kerngeschäft deckt seine Kosten nicht, wenn man die Arbeit des Inhabers und den Wertverlust der Ausstattung realistisch ansetzt. Der Inhaber arbeitet also faktisch unter Wert, oder der Gewinn hängt an Einnahmen, die sich nicht wiederholen. Er sollte Preise, Kosten und Sortiment prüfen. Die Kostenrechnung ist gerade für diese Frage gedacht – „Theorie“ ist sie nicht.
Das Wichtigste
- Die rechnet mit Aufwand und Ertrag, die mit Kosten und Leistungen – nur dem, was der Betriebszweck verursacht.
- und Ertrag sind betriebsfremd, außerordentlich oder periodenfremd und bleiben aus der KLR draußen.
- = Zweckaufwand; = anderer Betrag; = kein Aufwand. Anders- und Zusatzkosten sind .
- Kosten = Aufwand − neutraler Aufwand − ersetzte bilanzielle Beträge + kalkulatorische Kosten; = Leistungen − Kosten.
- = Betriebsergebnis + (unternehmensbezogene Abgrenzung + kostenrechnerische Korrekturen).
2.2 Kostenarten und Kostenstellen
Eine Bäckerei weiß genau, wie viel Mehl in ein Roggenbrot gehört und wie lange der Teig geknetet wird. Aber wie viel Ofenstrom, Ladenmiete und Buchhaltung steckt in einem Brot? Diese Kosten fallen für alle Brote, Brezeln und Torten gemeinsam an. Die bringt sie trotzdem zum einzelnen Produkt – auf einem Umweg über die Bereiche des Betriebs, in denen sie entstehen.
Die Stufen der Vollkostenrechnung
Definition
Die verteilt alle Kosten einer Periode auf die – die Produkte oder Aufträge. Am Ende stehen die je Stück und daraus der Angebotspreis.
Sie läuft in Stufen, und jede Stufe beantwortet eine Frage:
| Stufe | Frage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Was ist überhaupt Kosten? | Kosten und | |
| Welche Kosten sind angefallen? | Einzel- und getrennt | |
| Wo sind sie angefallen? | Gemeinkosten je Bereich, | |
| Wofür – was kostet ein Stück? | Selbstkosten, Angebotspreis | |
| Was hat die Periode gekostet und gebracht? | Über- oder , Umsatzergebnis |
Die Kostenträgerstückrechnung heißt kurz auch Kalkulation.
gehen direkt zum Produkt, Gemeinkosten nehmen den Umweg über die .
Merksatz
Welche? – Wo? – Wofür? Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger.
Einzelkosten und Gemeinkosten
Definition
lassen sich einem Stück oder Auftrag direkt zurechnen, weil man den Verbrauch misst – aus Stückliste, Rezeptur oder Stundenzettel. Dazu gehören das Fertigungsmaterial (FM) und die Fertigungslöhne (FL).
Definition
fallen für viele Produkte gemeinsam an: Miete, Gehälter, Energie, Abschreibungen, Versicherungen. Man kann sie keinem einzelnen Stück direkt zuordnen und verteilt sie deshalb erst auf .
Definition
sind Einzelkosten, die nur für einen bestimmten Auftrag anfallen: in der Fertigung etwa eine eigens gebaute Form oder ein Gutachten, im Vertrieb etwa eine Spezialverpackung oder eine Provision für genau diesen Auftrag. Sie kommen mit ihrem Betrag in die Kalkulation, ohne Zuschlag.
Beispiel aus dem Alltag
Pizzaabend in der WG
Vier Mitbewohner bestellen Pizza. Jeder weiß, was seine eigene Pizza kostet – das sind seine Einzelkosten. Die Liefergebühr von 6 € und die große Flasche Cola fallen für alle gemeinsam an: Gemeinkosten. Für sie braucht die WG eine Regel, wer wie viel trägt – zu gleichen Teilen oder nach dem Preis der Pizza. Genau diese Frage löst im Betrieb der .
Typischer Fehler
Einzel- und Gemeinkosten mit variablen und verwechseln. Gefragt ist nicht „Ändern sich die Kosten mit der Menge?“, sondern „Kann ich sie einem Stück direkt zurechnen?“. Der Strom der Maschinen steigt mit der Menge, ist aber meist Gemeinkosten, weil kein Zähler den Verbrauch je Stück misst.
Kostenstellen
Definition
Eine ist ein Bereich des Betriebs, in dem Kosten entstehen und gesammelt werden. Die vier Hauptkostenstellen:
| Kostenstelle | Was dort anfällt |
|---|---|
| Material | Einkauf, Warenannahme, Lagern von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen |
| Fertigung | Herstellung: Maschinen, Energie, Werkzeuge, Aufsicht |
| Verwaltung | Geschäftsleitung, Buchhaltung, Personalabteilung, IT |
| Vertrieb | Verkauf, Werbung, Versand, Kundendienst |
Definition
arbeiten nicht an den Produkten, sondern für andere Kostenstellen – etwa eine eigene Reparaturwerkstatt oder der Fuhrpark. Ihre Kosten werden zuerst auf die Hauptkostenstellen umgelegt.
Wozu der Umweg über die Kostenstellen?
- Kontrolle: Man sieht, welcher Bereich teurer geworden ist.
- Verantwortung: Jede Kostenstelle hat eine Leitung, die für ihre Kosten geradesteht.
- Kalkulation: Aus den Summen je Kostenstelle entstehen die – und nur mit ihnen kommen die verursachungsnah zum Produkt.
Schritt für Schritt
Die Bäckerei Hollerbach ordnet ihre Kosten
Die Bäckerei Hollerbach stellt Brot, Brezeln und Torten her und verkauft sie in drei Filialen. Wohin gehören diese Kosten des Monats?
Roggenmehl für 1.200 Roggenbrote, laut Rezeptur 0,55 kg je Brot
Ergebnis:– Fertigungsmaterial
Lohn der Bäcker für die Brotherstellung laut Stundenzettel
Ergebnis:Einzelkosten – Fertigungslöhne
Strom und Gas für die Backöfen
Ergebnis:Gemeinkosten der Fertigung
Gehalt der Einkäuferin, Kühlung des Mehl- und Butterlagers
Ergebnis:Gemeinkosten des Materials
Honorar der Steuerberaterin, Büromiete
Ergebnis:Gemeinkosten der Verwaltung
Diesel der Lieferwagen zu den Filialen, Werbeflyer
Ergebnis:Gemeinkosten des Vertriebs
Eine Silikonform, eigens gekauft für eine Hochzeitstorte (85 €)
Ergebnis:der Fertigung – direkt auf diesen Auftrag
Beispiel aus der Praxis
Warum die Hollerbachs nachrechnen
Seit dem Frühjahr bleibt weniger Gewinn übrig. Die zeigt: Die Gemeinkosten der Fertigung sind kaum gestiegen, die des Vertriebs um ein Drittel – neue Filiale, längere Lieferwege. Ohne Kostenstellen hätte man nur gesehen, dass „alles teurer“ wird.
Achtung
Im Unterricht und in den Prüfungen wird der einstufige mit den vier Hauptkostenstellen verwendet. Wie Hilfskostenstellen in einem mehrstufigen BAB umgelegt werden, gehört nicht mehr zum Lehrplan.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Kostenart, oder ? Ordne zu: Gehälter · Einkaufsabteilung · ein Esstisch aus Eiche · Versicherungsbeiträge · Lackiererei · der Auftrag über 200 Bürostühle.
Lösung anzeigen
- Kostenarten (welche?): Gehälter, Versicherungsbeiträge
- Kostenstellen (wo?): Einkaufsabteilung (Material), Lackiererei (Fertigung)
- Kostenträger (wofür?): der Esstisch, der Auftrag über 200 Bürostühle
Übung 2Anwendung
Ein Fahrradhersteller ordnet zu. Entscheide jeweils Einzel- oder und begründe kurz: (1) Rahmenrohre für ein bestelltes Lastenrad, (2) Abschreibung der Schweißroboter, (3) Gehalt des Werkstattmeisters, (4) Lohn der Monteurin für 5 Stunden am Lastenrad, (5) eine Transportkiste nur für eine Lieferung nach Norwegen.
Lösung anzeigen
- (1) (Fertigungsmaterial) – über die Stückliste genau diesem Rad zuzuordnen.
- (2) Gemeinkosten – die Roboter schweißen für alle Räder.
- (3) Gemeinkosten – der Meister betreut die ganze Werkstatt.
- (4) Einzelkosten (Fertigungslöhne) – die Stunden sind auf dem Auftrag erfasst.
- (5) des Vertriebs – sie gehören zu genau einer Lieferung.
Übung 3Klausurniveau
Eine Möbelfabrik verteilt bisher alle mit einem einzigen Zuschlag auf das Fertigungsmaterial. Sie stellt Tische aus teurem Massivholz mit wenig Arbeit her und aufwendig gepolsterte Sessel aus günstigem Material mit viel Handarbeit. Beurteile das Verfahren und schlage eine Verbesserung vor.
Lösung anzeigen
Mit einem Zuschlag auf das Material tragen die Tische den größten Teil der Gemeinkosten, weil ihr Material teuer ist – auch die Kosten der Polsterei und der Nähmaschinen, die vor allem die Sessel verursachen. Die Tische werden zu teuer, die Sessel zu billig kalkuliert. Die Folge: Tische verlieren Aufträge an die Konkurrenz, Sessel bringen weniger Gewinn als gedacht, vielleicht Verlust.
Besser: die Gemeinkosten erst auf verteilen und je Stelle eine passende Bezugsgröße wählen – Materialgemeinkosten auf das Material, Fertigungsgemeinkosten auf die Löhne (oder über Maschinenstunden), Verwaltung und Vertrieb auf die . Dann trägt jedes Produkt die Kosten der Bereiche, die es tatsächlich beansprucht.
Das Wichtigste
- Die verteilt alle Kosten auf die : Abgrenzung → Kostenarten (welche?) → (wo?) → Kostenträger (wofür?).
- (FM, FL, ) gehen direkt zum Produkt, über die Kostenstellen.
- Hauptkostenstellen: Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb; arbeiten für andere Stellen.
- Kostenstellen dienen der Kontrolle, der Verantwortung und der Bildung von .
2.3 Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Die Brauerei zahlt im Monat 30.000 € Miete für Lager, Sudhaus, Büro und Laden. Welcher Teil davon gehört ins Sudhaus? Der beantwortet solche Fragen für alle auf einmal: Er verteilt sie auf die , zählt je Stelle zusammen und macht daraus Prozentsätze, mit denen sich jedes Produkt kalkulieren lässt.
Gemeinkosten verteilen
Definition
Der ist eine Tabelle: In den Zeilen stehen die Gemeinkostenarten, in den Spalten die Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Jede Zeile wird auf die Kostenstellen verteilt, jede Spalte am Ende addiert.
Definition
Ist bekannt, was eine Kostenstelle verbraucht hat, wird direkt zugeordnet – etwa Gehälter laut Gehaltsliste. Sonst verteilt ein , der die Verursachung möglichst gut abbildet:
| Gemeinkostenart | üblicher Schlüssel |
|---|---|
| Miete, Heizung, Reinigung | Fläche in m² |
| Strom | Verbrauch in kWh oder Verhältniszahlen |
| Abschreibungen, Versicherung der Anlagen | Wert der Anlagen |
| Sozialkosten | Lohn- und Gehaltssumme |
| Verhältniszahlen laut Aufgabe |
Beispiel aus dem Alltag
Die Nebenkostenabrechnung
In einem Mehrfamilienhaus zahlt jede Wohnung ihren Anteil an den Nebenkosten: die Heizung nach Wohnfläche, das Wasser nach Zähler, den Müll nach der Zahl der Bewohner. Für jede Kostenart gilt ein anderer Schlüssel – der, der am besten zeigt, wer die Kosten verursacht. Ein BAB macht dasselbe mit den Kostenstellen eines Betriebs.
Schritt für Schritt
Der BAB der Brauerei Kesselbach GmbH
des Monats: Hilfsstoffe 46.000 € und Gehälter 97.400 € laut Belegen; Miete 30.000 € nach der Fläche (Material 300 m², Fertigung 1.500 m², Verwaltung 200 m², Vertrieb 500 m²); Strom 18.000 € im Verhältnis 2 : 14 : 3 : 1; Abschreibungen 64.000 € nach den Anlagenwerten (40.000 €, 560.000 €, 60.000 €, 140.000 €).
Hilfsstoffe und Gehälter laut Belegen direkt eintragen.
Ergebnis:siehe Tabelle unten
Miete nach Fläche – erst der Betrag je m².
Ergebnis:30.000 € ÷ 2.500 m² = 12 € je m² → 3.600 € | 18.000 € | 2.400 € | 6.000 €
Strom nach Verhältniszahlen – erst der Betrag je Teil.
Ergebnis:18.000 € ÷ 20 Teile = 900 € je Teil → 1.800 € | 12.600 € | 2.700 € | 900 €
Abschreibungen nach Anlagenwerten – Anteil am Gesamtwert.
Ergebnis:64.000 € ÷ 800.000 € = 8 % → 3.200 € | 44.800 € | 4.800 € | 11.200 €
Spalten addieren und die Probe machen.
Ergebnis:24.600 € + 149.400 € + 46.200 € + 35.200 € = 255.400 € = Summe aller Gemeinkosten
Der fertige BAB (Beträge in €):
| Gemeinkostenart | Betrag | Material | Fertigung | Verwaltung | Vertrieb |
|---|---|---|---|---|---|
| Hilfsstoffe | 46.000 | 2.000 | 38.000 | 1.000 | 5.000 |
| Gehälter | 97.400 | 14.000 | 36.000 | 35.300 | 12.100 |
| Miete | 30.000 | 3.600 | 18.000 | 2.400 | 6.000 |
| Strom | 18.000 | 1.800 | 12.600 | 2.700 | 900 |
| Abschreibungen | 64.000 | 3.200 | 44.800 | 4.800 | 11.200 |
| Summe | 255.400 | 24.600 | 149.400 | 46.200 | 35.200 |
Typischer Fehler
Bei Verhältniszahlen durch die Zahl der Kostenstellen teilen. 2 : 14 : 3 : 1 heißt nicht „durch 4“, sondern 20 Teile. Erst den Betrag je Teil bestimmen, dann mit den Teilen jeder Kostenstelle malnehmen. Die Probe – jede Zeile ergibt wieder ihren Betrag – deckt den Fehler sofort auf.
Zuschlagssätze berechnen
Definition
Ein gibt an, wie viel Prozent einer Bezugsgröße die einer ausmachen. Mit ihm lassen sich die Gemeinkosten später auf jedes Stück aufschlagen.
Formel
Gemeinkostenzuschlagssatz
Zuschlagssatz = Gemeinkosten der Kostenstelle ÷ Bezugsgröße × 100
| Kostenstelle | Bezugsgröße |
|---|---|
| Material (MGK) | Fertigungsmaterial (FM) |
| Fertigung (FGK) | Fertigungslöhne (FL) |
| Verwaltung (VwGK) | (HKE) |
| Vertrieb (VtGK) | (HKU) |
Material und Fertigung beziehen sich auf ihre . Verwaltung und Vertrieb arbeiten für alle Produkte – deshalb die .
Formel
Herstellkosten der Erzeugung
HKE = Fertigungsmaterial + Materialgemeinkosten + Fertigungslöhne + Fertigungsgemeinkosten
Schritt für Schritt
Die Zuschlagssätze der Brauerei Kesselbach
Zum oben: Fertigungsmaterial 205.000 €, Fertigungslöhne 83.000 €. Der Bestand an fertigen Erzeugnissen ist im Monat um 22.000 € gestiegen.
Materialgemeinkostenzuschlag.
Ergebnis:24.600 € ÷ 205.000 € × 100 = 12 %
Fertigungsgemeinkostenzuschlag.
Ergebnis:149.400 € ÷ 83.000 € × 100 = 180 %
Herstellkosten der Erzeugung.
Ergebnis:205.000 € + 24.600 € + 83.000 € + 149.400 € = 462.000 €
Verwaltungsgemeinkostenzuschlag auf die HKE.
Ergebnis:46.200 € ÷ 462.000 € × 100 = 10 %
Herstellkosten des Umsatzes – die abziehen.
Ergebnis:462.000 € − 22.000 € = 440.000 €
Vertriebsgemeinkostenzuschlag auf die HKU.
Ergebnis:35.200 € ÷ 440.000 € × 100 = 8 %
Typischer Fehler
Verwaltung und Vertrieb auf die Einzelkosten beziehen. Die Basis sind die Herstellkosten – also Einzel- und Gemeinkosten von Material und Fertigung zusammen. Wer nur FM + FL nimmt, erhält viel zu hohe Sätze.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026, Abitur 2021/2022, Nachprüfung 2023/2024
Einen BAB vervollständigen – Gemeinkosten mit Schlüsseln verteilen, auch die nach den der Anlagen und den nach Verhältniszahlen – und daraus die Gemeinkostenzuschlagssätze ermitteln, wenn sich der Bestand an Erzeugnissen verändert hat.
Herstellkosten der Erzeugung und des Umsatzes
Definition
Die (auch: der Produktion) umfassen alle Stücke, die in der Periode hergestellt wurden – verkauft oder nicht. Mit ihnen wird auch der Lagerbestand an Erzeugnissen bewertet.
Definition
Die umfassen nur die Stücke, die in der Periode verkauft wurden. Den Unterschied machen die an fertigen und unfertigen Erzeugnissen.
Formel
Herstellkosten des Umsatzes
HKU = HKE − Bestandsmehrung + Bestandsminderung
Formel
Bestandsveränderung
Bestandsveränderung = Schlussbestand − Anfangsbestand
Positiv ist eine Mehrung, negativ eine Minderung. Fertige und unfertige Erzeugnisse einzeln rechnen und dann zusammenfassen.
Beispiel aus der Praxis
Spielzeug für Weihnachten
Ein Hersteller von Holzspielzeug produziert ab September auf Vorrat: Er stellt mehr her, als er verkauft – eine Bestandsmehrung, die HKU sind kleiner als die HKE. Im Dezember leert sich das Lager: Es wird mehr verkauft als hergestellt – eine Bestandsminderung, die HKU sind größer als die HKE.
Typischer Fehler
Anfangs- und Schlussbestand verwechseln. Sinkt der Bestand an fertigen Erzeugnissen von 210.000 € auf 175.000 €, ist das eine Minderung um 35.000 € – sie wird zu den HKE addiert, denn es wurden auch Stücke aus dem Vorjahr verkauft.
Achtung
Unterrichtsskript und Prüfungen beziehen die Verwaltungsgemeinkosten auf die der Erzeugung (oft „Herstellkosten der Produktion“ genannt) und die Vertriebsgemeinkosten auf die Herstellkosten des Umsatzes. Manche Übungen nehmen für beide die HKU. Es gilt immer, was in der Aufgabe steht.
Merksatz
Mehrung minus, Minderung plus. Verwaltung auf die HKE, Vertrieb auf die HKU.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Versicherungsbeiträge von 7.200 € werden im Verhältnis 1 : 4 : 2 : 1 auf Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb verteilt. Wie viel trägt jede ?
Lösung anzeigen
1 + 4 + 2 + 1 = 8 Teile; 7.200 € ÷ 8 = 900 € je Teil.
Material 900 €, Fertigung 3.600 €, Verwaltung 1.800 €, Vertrieb 900 €. Probe: zusammen 7.200 €.
Übung 2Anwendung
Ein ergibt: Materialgemeinkosten 15.000 €, Fertigungsgemeinkosten 132.000 €, Verwaltungsgemeinkosten 33.360 €, Vertriebsgemeinkosten 21.500 €. Fertigungsmaterial 150.000 €, Fertigungslöhne 120.000 €. Der Bestand an fertigen Erzeugnissen sank von 48.000 € auf 35.000 €. Berechne alle vier (Verwaltung auf die , Vertrieb auf die ).
Lösung anzeigen
- MGK: 15.000 € ÷ 150.000 € × 100 = 10 %
- FGK: 132.000 € ÷ 120.000 € × 100 = 110 %
- HKE: 150.000 € + 15.000 € + 120.000 € + 132.000 € = 417.000 €
- VwGK: 33.360 € ÷ 417.000 € × 100 = 8 %
- 13.000 € → HKU: 417.000 € + 13.000 € = 430.000 €
- VtGK: 21.500 € ÷ 430.000 € × 100 = 5 %
Übung 3Klausurniveau
Die einer Möbelfabrik betragen 600.000 €. Fertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 80.000 €, Schlussbestand 104.000 €. Unfertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 30.000 €, Schlussbestand 21.000 €. Die Vertriebsgemeinkosten betragen 46.800 €. Berechne die und den Vertriebszuschlag. Erkläre, warum es falsch wäre, den Vertriebszuschlag auf die HKE zu beziehen.
Lösung anzeigen
- Fertige Erzeugnisse: 104.000 € − 80.000 € = Mehrung 24.000 €
- Unfertige Erzeugnisse: 21.000 € − 30.000 € = Minderung 9.000 €
- Zusammen eine Mehrung von 15.000 € → HKU = 600.000 € − 15.000 € = 585.000 €
- Vertriebszuschlag: 46.800 € ÷ 585.000 € × 100 = 8 %
Der Vertrieb hat nur mit den Stücken zu tun, die verkauft wurden – Werbung, Versand und Verkauf für Möbel, die noch im Lager stehen, fallen erst später an. Auf die HKE bezogen, wäre der Satz zu niedrig (7,8 %), und die verkauften Möbel trügen zu wenig Vertriebskosten.
Das Wichtigste
- Der verteilt die : Kostenarten in den Zeilen, in den Spalten, direkt oder per .
- Verhältniszahlen: Teile addieren, Betrag je Teil, mal Teile der Kostenstelle. Probe: Jede Zeile ergibt wieder ihren Betrag.
- = Gemeinkosten ÷ Bezugsgröße × 100 – MGK auf FM, FGK auf FL, VwGK auf , VtGK auf .
- HKE = FM + MGK + FL + FGK; HKU = HKE − + Bestandsminderung.
2.4 Zuschlagskalkulation
Ein Café bestellt 30 Gartenbänke und will einen Preis wissen. Holz und Arbeitszeit für eine Bank kennt die Werkstatt genau. Mit den aus dem kommen die dazu, mit Gewinn, Skonto und Rabatt wird daraus ein Angebotspreis. Und wenn die Konkurrenz den Preis schon vorgibt, rechnet man dasselbe Schema rückwärts: Was darf das Holz höchstens kosten?
Von den Einzelkosten zu den Selbstkosten
Definition
Die rechnet zu den eines Stücks die mit den aus dem hinzu. Das Ergebnis sind die – alles, was das Stück das Unternehmen kostet.
| Zeile | Rechnung |
|---|---|
| Fertigungsmaterial (FM) | Einzelkosten |
| + Materialgemeinkosten (MGK) | % vom FM |
| = Materialkosten | |
| Fertigungslöhne (FL) | Einzelkosten |
| + Fertigungsgemeinkosten (FGK) | % von den FL |
| + der Fertigung | Betrag, falls vorhanden |
| = Fertigungskosten | |
| = | Materialkosten + Fertigungskosten |
| + Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) | % der Herstellkosten |
| + Vertriebsgemeinkosten (VtGK) | % der Herstellkosten |
| + Sondereinzelkosten des Vertriebs | Betrag, falls vorhanden |
| = Selbstkosten |
Formel
Selbstkosten
Selbstkosten = Herstellkosten + VwGK + VtGK + Sondereinzelkosten des Vertriebs
Herstellkosten = FM + MGK + FL + FGK + Sondereinzelkosten der Fertigung
Schritt für Schritt
Eine Gartenbank der Holzwerk Ebersbach GmbH
Zuschlagssätze: MGK 12,5 %, FGK 140 %, VwGK 9 %, VtGK 6 %. Für die Bank „Classic“ braucht die Werkstatt Holz und Beschläge für 64,00 € und 2 Stunden Arbeit zu je 24,00 €. Für den Versand ist eine Spezialverpackung für 4,50 € nötig.
Materialkosten.
Ergebnis:64,00 € + 12,5 % (8,00 €) = 72,00 €
Fertigungskosten.
Ergebnis:48,00 € + 140 % (67,20 €) = 115,20 €
Herstellkosten.
Ergebnis:72,00 € + 115,20 € = 187,20 €
Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten – beide auf die Herstellkosten.
Ergebnis:9 % = 16,85 €; 6 % = 11,23 €
Selbstkosten mit den Sondereinzelkosten des Vertriebs.
Ergebnis:187,20 € + 16,85 € + 11,23 € + 4,50 € = 219,78 €
Typischer Fehler
Den Vertriebszuschlag auf Herstellkosten plus Verwaltungsgemeinkosten rechnen. Verwaltung und Vertrieb beziehen sich beide auf die Herstellkosten – nicht nacheinander aufstocken. Und Sondereinzelkosten kommen mit ihrem Betrag hinzu, ohne Zuschlag.
Vom Hundert und im Hundert
Definition
Die führt von den zum Preis:
| Zeile | bezieht sich auf |
|---|---|
| Selbstkosten | |
| + Gewinn | % der Selbstkosten (vom Hundert) |
| = | |
| + Kundenskonto | % des Zielverkaufspreises (im Hundert) |
| = | |
| + Kundenrabatt | % des Listenverkaufspreises (im Hundert) |
| = (netto) | |
| + Umsatzsteuer 19 % | % des Listenverkaufspreises |
| = Bruttoverkaufspreis |
Formel
Barverkaufspreis
Barverkaufspreis = Selbstkosten × (1 + Gewinnsatz)
Formel
Zielverkaufspreis
Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ (1 − Skontosatz)
Formel
Listenverkaufspreis
Listenverkaufspreis = Zielverkaufspreis ÷ (1 − Rabattsatz)
Sätze als Dezimalzahl, also 2 % = 0,02.
Entscheidend ist, welcher Wert 100 % ist – beim Gewinn der Wert davor, bei Rabatt und Skonto der Wert danach.
Beispiel aus dem Alltag
Der Sneaker-Sale
Ein Onlineshop will nach 20 % Rabatt noch 80 € für einen Sneaker einnehmen. Wer 80 € × 1,20 = 96 € als Preis ansetzt, bekommt nach dem Rabatt nur 96 € − 19,20 € = 76,80 €. Richtig ist 80 € ÷ 0,80 = 100 €: Davon 20 % Rabatt sind 20 €, es bleiben genau 80 €.
Schritt für Schritt
Der Angebotspreis der Gartenbank
Selbstkosten 219,78 €, Gewinnzuschlag 12 %, Kundenskonto 2 %, Kundenrabatt 20 %, Umsatzsteuer 19 %.
Barverkaufspreis – Gewinn vom Hundert.
Ergebnis:219,78 € × 1,12 = 246,15 €
Zielverkaufspreis – Skonto im Hundert.
Ergebnis:246,15 € ÷ 0,98 = 251,17 €
Listenverkaufspreis – Rabatt im Hundert.
Ergebnis:251,17 € ÷ 0,80 = 313,96 €
Bruttoverkaufspreis.
Ergebnis:313,96 € × 1,19 = 373,61 €
Probe: Zieht der Kunde Rabatt und Skonto ab, bleibt der Barverkaufspreis.
Ergebnis:313,96 € × 0,80 = 251,17 €; × 0,98 = 246,15 €
Achtung
Ein Unterrichtsskript bezeichnet den Betrag, der nach Rabatt und Skonto beim Unternehmen ankommt, als Zielverkaufspreis. Nach beiden Abzügen bleibt aber der Barverkaufspreis. Der Zielverkaufspreis ist der Preis nach dem Rabatt und vor dem Skonto – der Betrag, den der Kunde bei Zahlung „auf Ziel“, also ohne Skonto, überweist.
Merksatz
Gewinn: mal (1 + Satz). Skonto und Rabatt: durch (1 − Satz). Umsatzsteuer: zuletzt.
Rückwärts- und Differenzkalkulation
Definition
Gibt der Markt den Preis vor, dreht sich die Frage um. Die sucht, wie hoch die Kosten höchstens sein dürfen, damit der gewünschte Gewinn bleibt – die oder sogar das Fertigungsmaterial. Die kennt Marktpreis und Selbstkosten und fragt, wie viel Gewinn übrig bleibt.
Rückwärts ist jeder Rabatt und jeder Skonto ein Anteil des bekannten Preises – er wird einfach abgezogen ( × 0,80). Nur den Gewinn rechnet man heraus: Der ist 112 % der Selbstkosten, also ÷ 1,12. Genauso bei den Zuschlägen: Sind Verwaltung 9 % und Vertrieb 6 %, sind die Selbstkosten ohne 115 % der .
Schritt für Schritt
Was darf das Holz für die Bank „Lounge“ kosten?
Vergleichbare Bänke kosten 450,00 € (Listenverkaufspreis netto). Holzwerk Ebersbach will 12 % Gewinn erzielen. Die „Lounge“ braucht 2,5 Arbeitsstunden zu 24,00 € und dieselbe Spezialverpackung für 4,50 €. Zuschläge, Skonto und Rabatt wie oben.
– Rabatt abziehen.
Ergebnis:450,00 € × 0,80 = 360,00 €
Barverkaufspreis – Skonto abziehen.
Ergebnis:360,00 € × 0,98 = 352,80 €
Höchstens zulässige Selbstkosten – Gewinn herausrechnen.
Ergebnis:352,80 € ÷ 1,12 = 315,00 €
Sondereinzelkosten des Vertriebs abziehen, dann Verwaltung und Vertrieb herausrechnen.
Ergebnis:315,00 € − 4,50 € = 310,50 €; ÷ 1,15 = 270,00 € Herstellkosten
Fertigungskosten abziehen.
Ergebnis:60,00 € + 140 % = 144,00 €; 270,00 € − 144,00 € = 126,00 € Materialkosten
Materialgemeinkosten herausrechnen.
Ergebnis:126,00 € ÷ 1,125 = 112,00 € – mehr darf das Fertigungsmaterial nicht kosten
Beispiel aus der Praxis
Die Verhandlung mit dem Sägewerk
Das Sägewerk bietet das Holz für die „Lounge“ für 104,00 € an. Weil die Grenze bei 112,00 € liegt, kann Holzwerk Ebersbach zusagen und hat sogar Spielraum: Mit 104,00 € Material bleibt mehr als der geplante Gewinn. Verlangt das Sägewerk dagegen 118,00 €, muss die Werkstatt verhandeln, ein anderes Holz wählen oder mit weniger Gewinn leben.
Typischer Fehler
Die Sondereinzelkosten im Rückwärtsgang vergessen. Sie hängen nicht an den Herstellkosten. Erst den festen Betrag abziehen, dann durch 1,15 teilen – sonst stimmen alle weiteren Zahlen nicht.
Prüfungsrelevant · Abitur 2021/2022, Nachprüfung 2023/2024, Abitur 2014/2015
Den Listenverkaufspreis mit Sondereinzelkosten des Vertriebs kalkulieren, einen Angebotspreis für eine Sonderanfertigung ermitteln und rückwärts den höchsten Preis für das Fertigungsmaterial bestimmen, wenn Marktpreis und Gewinnziel feststehen.
Normalsätze und Grenzen der Zuschlagskalkulation
Ein Angebot entsteht, bevor die Kosten der Periode feststehen. Kalkuliert wird deshalb mit – Durchschnitten vergangener Perioden. Ob sie gepasst haben, zeigt später die .
Grenzen des Verfahrens:
- Lohn als Bezugsgröße: In automatisierten Betrieben entstehen die Fertigungsgemeinkosten vor allem durch Maschinen. Auf den Lohn verteilt, werden maschinenintensive Produkte zu billig, lohnintensive zu teuer kalkuliert. Abhilfe: der .
- Sinkende Beschäftigung: Viele sind fix. Sinken Menge und damit Löhne und Material, steigen die und mit ihnen die Preise – die Nachfrage sinkt weiter. Die kann so einen Abwärtssog verstärken.
- Pauschale Verteilung: Ein Zuschlagssatz je bildet die tatsächliche Beanspruchung nur ungefähr ab.
Prüfungsrelevant · Abitur 2014/2015, Abitur 2021/2022
Die Problematik der Zuschlagskalkulation bei sinkendem erläutern; begründen, wie sich die Zuschlagssätze bei stärkerer Automatisierung (Fertigung) oder bei Just-in-time-Belieferung (Material) verändern.
Merksatz
Zuschläge verteilen Gemeinkosten nach – das passt nur, solange beide miteinander wachsen.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Fertigungsmaterial 40,00 €, MGK 10 %, Fertigungslöhne 25,00 €, FGK 120 %, VwGK 8 %, VtGK 5 %. Berechne die .
Lösung anzeigen
- Materialkosten: 40,00 € + 4,00 € = 44,00 €
- Fertigungskosten: 25,00 € + 30,00 € = 55,00 €
- : 99,00 €
- VwGK 7,92 €, VtGK 4,95 € → Selbstkosten 111,87 €
Übung 2Anwendung
800,00 €, Gewinn 15 %, Kundenskonto 3 %, Kundenrabatt 10 %. Berechne Listen- und Bruttoverkaufspreis und mache die Probe.
Lösung anzeigen
- : 800,00 € × 1,15 = 920,00 €
- : 920,00 € ÷ 0,97 = 948,45 €
- : 948,45 € ÷ 0,90 = 1.053,83 €
- Bruttoverkaufspreis: 1.053,83 € × 1,19 = 1.254,06 €
Probe: 1.053,83 € × 0,90 = 948,45 €; × 0,97 = 920,00 € – der geplante Barverkaufspreis bleibt.
Übung 3Klausurniveau
Holzwerk Ebersbach kauft das Holz für die „Lounge“ für 104,00 € (Daten wie im Beispiel oben, Marktpreis 450,00 €). Ermittle mit der den Gewinn in Euro und Prozent und beurteile, ob sich ein Preisnachlass von 5 % auf den Listenpreis für einen Großkunden noch lohnt.
Lösung anzeigen
- Materialkosten: 104,00 € × 1,125 = 117,00 €; Fertigungskosten 144,00 € → 261,00 €
- VwGK 23,49 €, VtGK 15,66 €, 4,50 € → 304,65 €
- 352,80 € (wie oben) → Gewinn 48,15 € = 15,81 % der Selbstkosten
Mit 5 % Nachlass sinkt der Listenpreis auf 427,50 €: × 0,80 × 0,98 = 335,16 € Barverkaufspreis, Gewinn 30,51 € – das sind nur noch rund 10 %. Der Auftrag deckt alle Kosten und bringt Gewinn, aber weniger als die angestrebten 12 %. Er lohnt sich, wenn der Großkunde viele Bänke abnimmt, die Werkstatt freie Kapazität hat oder Folgeaufträge zu erwarten sind; sonst sollte der Nachlass kleiner ausfallen.
Das Wichtigste
- = FM + MGK + FL + FGK (+ SEK-F) + VwGK + VtGK (+ SEK-V); VwGK und VtGK beide auf die .
- Gewinn vom Hundert (× 1,12), Skonto und Rabatt im Hundert (÷ 0,98, ÷ 0,80), Umsatzsteuer zuletzt.
- : Rabatt und Skonto abziehen, Gewinn und Zuschläge herausrechnen – bis zur Obergrenze für das Material.
- : − Selbstkosten = Gewinn; in Prozent der Selbstkosten.
- Kalkuliert wird mit ; Grenzen: Lohn als Bezugsgröße, sinkende Beschäftigung.
2.5 Maschinenstundensatzrechnung
Eine Laserschneidanlage für 360.000 € arbeitet fast allein, eine Fachkraft legt nur die Bleche ein. Die meisten Kosten der Fertigung entstehen hier durch die Anlage: Abschreibung, Zinsen, Strom, Wartung. Würde man sie wie bisher auf die Löhne verteilen, trüge der Auftrag mit viel Handarbeit die Kosten des Lasers. Gerechter ist es, die Maschinenkosten nach der Zeit zu verteilen, in der ein Auftrag die Maschine belegt.
Wenn die Maschine die Kosten macht
Die Stanztechnik Mössner GmbH hat 420.000 € Fertigungsgemeinkosten im Jahr, aber nur 120.000 € Fertigungslöhne – ein Zuschlag von 350 %. Zwei Aufträge im Vergleich:
| Auftrag A | Auftrag B | |
|---|---|---|
| Arbeitsstunden (Lohn 30 € je Stunde) | 1 h | 3 h |
| Laufzeit am Laser | 4 h | 0,5 h |
| Fertigungslöhne | 30 € | 90 € |
| Fertigungsgemeinkosten mit 350 % | 105 € | 315 € |
Auftrag A belegt den Laser achtmal so lange, bekommt aber nur ein Drittel der . A wird zu billig, B zu teuer kalkuliert – weil der Lohn nicht mehr zeigt, wer die Kosten verursacht.
Beispiel aus dem Alltag
Der Waschsalon
Ein Waschsalon verlangt 4,50 € je Waschgang. Darin stecken die Maschine, ihre Wartung, Wasser, Strom und die Miete. Wer drei Maschinen eine Stunde lang belegt, zahlt dreimal so viel wie jemand mit einer Maschine – ganz gleich, wie lange er selbst danebensitzt. Genau so verteilt der die Kosten: nach der Zeit an der Maschine.
Merksatz
Verursacht die Maschine die Kosten, wird nach Maschinenstunden verteilt – nicht nach Lohn.
Maschinenkosten und Laufzeit
Definition
Der gibt an, was eine Stunde Laufzeit einer Maschine kostet. Dazu sammelt man die Kosten der Maschine für ein Jahr – im Maschinenkostenblatt – und teilt sie durch die Laufstunden des Jahres.
| Maschinenkosten | Hinweis |
|---|---|
| Wertverlust | vom Wiederbeschaffungswert |
| auf das halbe Kapital | |
| Wartung, Instandhaltung | meist ein fester Jahresbetrag |
| Stellfläche | anteilige Raumkosten |
| Strom | oft je Laufstunde angegeben |
| Hilfsstoffe, Werkzeuge | etwa Schneidgas oder Kühlmittel |
Was nicht an der Maschine hängt – das Gehalt der Meisterin, die Reinigung der Halle –, bleibt als beim Lohnzuschlag.
Definition
Der ist der Preis, den eine gleichwertige neue Maschine heute kosten würde. Die Kostenrechnung schreibt von ihm ab, damit die Preise am Ende der Nutzung auch eine teurere Ersatzmaschine verdient haben.
Formel
Kalkulatorische Abschreibung (Kostenrechnung)
kalk. Abschreibung = Wiederbeschaffungswert ÷ Nutzungsdauer
Formel
Kalkulatorische Zinsen (Maschinenstundensatz)
kalk. Zinsen = (Wiederbeschaffungswert + Restwert) ÷ 2 × Zinssatz
Über die Nutzungsdauer ist im Durchschnitt nur die Hälfte gebunden; meist ist der null.
Definition
Die sind die Stunden, in denen die Maschine tatsächlich arbeitet – ohne Rüsten, Einrichten, Wartung und Stillstand.
Formel
Laufstunden im Jahr
Laufstunden = Arbeitstage × Schichten × tatsächliche Laufstunden je Schicht
Formel
Maschinenstundensatz
Maschinenstundensatz = Maschinenkosten im Jahr ÷ Laufstunden im Jahr
Ist die Energie je Stunde angegeben, erst die übrigen Kosten auf eine Stunde umrechnen und dann die Energie je Stunde addieren.
Schritt für Schritt
Der Laser der Stanztechnik Mössner
Wiederbeschaffungswert 360.000 €, Nutzungsdauer 10 Jahre, kein Restwert, kalkulatorischer Zinssatz 6 %. Wartung 8.400 €, Raumkosten 6.000 € und Schneidgas 3.600 € im Jahr, Energie 14,00 € je Laufstunde. Der Laser läuft an 225 Tagen in 2 Schichten; von 8 Stunden je Schicht gehen 2 für Rüsten und Einrichten ab.
Kalkulatorische Abschreibung.
Ergebnis:360.000 € ÷ 10 = 36.000 €
Kalkulatorische Zinsen.
Ergebnis:360.000 € ÷ 2 × 6 % = 10.800 €
Maschinenkosten ohne Energie.
Ergebnis:36.000 € + 10.800 € + 8.400 € + 6.000 € + 3.600 € = 64.800 €
Laufstunden im Jahr.
Ergebnis:225 × 2 × 6 h = 2.700 h
Kosten je Stunde ohne Energie.
Ergebnis:64.800 € ÷ 2.700 h = 24,00 €
Maschinenstundensatz mit Energie.
Ergebnis:24,00 € + 14,00 € = 38,00 € je Stunde
Typischer Fehler
Die Energie je Stunde zu den Jahreskosten zählen und dann teilen. 14 € je Stunde sind schon ein Stundenbetrag. Erst die Jahreskosten ohne Energie durch die Laufstunden teilen, dann die Energie dazuzählen.
Achtung
Die Investitionsrechnung schreibt von den Anschaffungskosten abzüglich Restwert ab (Kostenvergleich), die Kostenrechnung vom Wiederbeschaffungswert. Manche Aufgaben geben die Zinsbasis ausdrücklich vor, etwa den halben Anschaffungswert – dann gilt die Aufgabe.
Den Stundensatz in der Kalkulation einsetzen
Definition
Mit dem wird die Fertigungskalkulation zweigeteilt. Die Maschinenkosten gehen nach Maschinenstunden in den Preis, die übrigen Fertigungsgemeinkosten – die – weiter als Zuschlag auf die Löhne. Dieser Restzuschlag ist viel kleiner als der alte Fertigungszuschlag.
Formel
Fertigungskosten mit Maschinenstundensatz
Fertigungskosten = Maschinenstunden × Maschinenstundensatz + Fertigungslöhne + Restfertigungsgemeinkosten
Schritt für Schritt
50 Blechgehäuse für eine Lüftungsfirma
Der Auftrag belegt den Laser 6 Stunden. Eine Fachkraft arbeitet 4 Stunden daran (26,00 € je Stunde). Die Restfertigungsgemeinkosten betragen 80 % der Fertigungslöhne, der Maschinenstundensatz 38,00 €.
Maschinenkosten des Auftrags.
Ergebnis:6 h × 38,00 € = 228,00 €
Fertigungslöhne.
Ergebnis:4 h × 26,00 € = 104,00 €
Restfertigungsgemeinkosten – auf die Löhne.
Ergebnis:80 % von 104,00 € = 83,20 €
Fertigungskosten.
Ergebnis:228,00 € + 104,00 € + 83,20 € = 415,20 €
Vergleich mit dem alten Zuschlag von 320 % auf die Löhne.
Ergebnis:104,00 € + 332,80 € = 436,80 € – der Auftrag war um 21,60 € zu teuer kalkuliert
Beispiel aus der Praxis
„Jetzt wird alles teurer!“
Der Vertriebsleiter von Mössner fürchtet, dass mit dem Maschinenstundensatz alle Produkte teurer werden. Das stimmt nicht: Die Kosten insgesamt bleiben gleich, sie werden nur anders verteilt. Teurer werden Aufträge, die den Laser lange belegen, billiger solche mit viel Handarbeit und wenig Laufzeit. Für den Vertrieb ist das ein Vorteil: Er kann bei lohnintensiven Aufträgen günstiger anbieten und erkennt, welche Aufträge bisher zu billig verkauft wurden.
Typischer Fehler
Den Restzuschlag auf die Maschinenkosten rechnen. Die Restfertigungsgemeinkosten beziehen sich auf die Fertigungslöhne. Die Maschinenkosten tragen schon ihren eigenen Anteil.
Prüfungsrelevant · Abitur 2026, Nachprüfung 2023/2024
Den Maschinenstundensatz ermitteln – auch rückwärts aus der Veränderung der –, mit ihm prüfen, ob ein Preis bei einer Rabattaktion die Kosten noch deckt, die höchstens zulässige Laufzeit eines Auftrags berechnen und zur Sorge Stellung nehmen, alle Produkte würden teurer.
Merksatz
Maschinenkosten nach Maschinenstunden, Restkosten nach Lohn – teurer wird nur, was die Maschine lange belegt.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Eine Presse läuft an 230 Tagen in einer Schicht; von 8 Stunden entfällt eine auf das Rüsten. Ihr beträgt 180.000 €, der 20.000 €, der kalkulatorische Zinssatz 5 %. Berechne die und die kalkulatorischen Zinsen im Jahr.
Lösung anzeigen
- Laufstunden: 230 × 1 × 7 h = 1.610 h
- : (180.000 € + 20.000 €) ÷ 2 × 5 % = 5.000 €
Übung 2Anwendung
Eine Fräse: 200.000 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, kein , Zinssatz 6 %, Wartung 5.000 €, Raumkosten 3.000 € im Jahr, Energie 10,00 € je Stunde, 2.000 . Berechne den .
Lösung anzeigen
- Abschreibung: 200.000 € ÷ 8 = 25.000 €
- Zinsen: 200.000 € ÷ 2 × 6 % = 6.000 €
- Kosten ohne Energie: 25.000 € + 6.000 € + 5.000 € + 3.000 € = 39.000 €
- je Stunde: 39.000 € ÷ 2.000 h = 19,50 €; mit Energie 29,50 €
Übung 3Klausurniveau
Für einen Auftrag dürfen die Fertigungskosten laut höchstens 1.000 € betragen. Er braucht 4 Arbeitsstunden zu 25,00 €, die betragen 90 %, der 36,00 €. Wie lange darf der Auftrag die Maschine höchstens belegen? Die Arbeitsvorbereitung rechnet mit 24 Stunden – beurteile die Lage.
Lösung anzeigen
- Fertigungslöhne 100,00 €, Restfertigungsgemeinkosten 90,00 € → 190,00 €
- Für die Maschine bleiben 1.000,00 € − 190,00 € = 810,00 €
- Höchstlaufzeit: 810,00 € ÷ 36,00 € = 22,5 Stunden
Mit 24 Stunden lägen die Fertigungskosten bei 1.054,00 €, also 54,00 € über der Grenze – der Auftrag brächte zum Marktpreis nicht den geplanten Gewinn. Möglich sind eine schnellere Bearbeitung (anderes Programm, weniger Rüsten), ein höherer Preis oder die Annahme mit weniger Gewinn, wenn die Maschine sonst stillstünde.
Das Wichtigste
- Bei hoher Automatisierung verzerrt der Lohn als Bezugsgröße – die Maschinenkosten werden nach Maschinenstunden verteilt.
- Maschinenkosten: kalk. Abschreibung ( ÷ Nutzungsdauer), kalk. Zinsen ((WBW + ) ÷ 2 × Zinssatz), Wartung, Raum, Energie, Hilfsstoffe.
- = Tage × Schichten × tatsächliche Stunden; = Maschinenkosten ÷ Laufstunden (Energie je Stunde danach).
- Fertigungskosten = Maschinenstunden × Stundensatz + Fertigungslöhne + (% der Löhne).
- Die Kosten insgesamt ändern sich nicht – sie werden nur verursachungsgerechter verteilt.
2.6 Kostenträgerzeitrechnung
Im Januar hat ein Rucksackhersteller Dutzende Angebote verschickt – kalkuliert mit , die auf den Durchschnitten der letzten Jahre beruhen. Ende Januar liegt der vor, und die waren höher als gedacht. Haben die Preise trotzdem gereicht? Die stellt für den ganzen Monat gegenüber, was verrechnet wurde und was tatsächlich angefallen ist.
Normalkosten und Istkosten
Definition
sind , die mit verrechnet wurden – Durchschnitten aus mehreren vergangenen Perioden. Mit ihnen werden Angebote kalkuliert, bevor die Periode vorbei ist. sind die Gemeinkosten, die laut tatsächlich angefallen sind.
Formel
Normalgemeinkosten
Normalgemeinkosten = Istwert der Bezugsgröße × Normalzuschlagssatz
Die (Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne) sind in beiden Rechnungen gleich – abweichen können nur die Gemeinkosten.
Formel
Kostenabweichung
Abweichung = Normalgemeinkosten − Istgemeinkosten
Definition
Ist die Abweichung positiv, liegt eine vor: Es wurden mehr Gemeinkosten verrechnet, als angefallen sind. Die Kalkulation war vorsichtig, das Ergebnis fällt besser aus als geplant.
Definition
Ist die Abweichung negativ, liegt eine vor: Die Preise enthielten weniger Gemeinkosten, als tatsächlich anfielen. Der geplante Gewinn schrumpft.
Beispiel aus dem Alltag
Das Mensabudget
Jonas gibt für die Mensa im Schnitt 25 € im Monat aus und plant deshalb 25 € ein – sein „Normalsatz“. Im November sind es 31 €, weil das Essen teurer geworden ist: eine Unterdeckung von 6 €. Passiert das nur einmal, ist es ein Ausreißer. Passiert es jeden Monat, muss er seinen Plan anpassen – genau wie ein Unternehmen seine Normalsätze.
Merksatz
Normal größer als Ist = Überdeckung (+). Normal kleiner als Ist = Unterdeckung (−).
Das Kostenträgerzeitblatt
Definition
Die rechnet für eine ganze Periode in zwei Spalten bis zu den des Umsatzes: links mit , rechts mit den aus dem . Die Differenz der Selbstkosten ist die gesamte Über- oder .
Schritt für Schritt
Die Outdoor Wernberg GmbH im Januar
Normalzuschlagssätze: Material 9 %, Fertigung 125 %, Verwaltung 11 % (auf die ), Vertrieb 6 % (auf die ). Im Januar: Fertigungsmaterial 640.000 €, Fertigungslöhne 360.000 €. Istgemeinkosten laut BAB: Material 61.400 €, Fertigung 462.000 €, Verwaltung 171.000 €, Vertrieb 86.000 €. Fertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 90.000 €, Schlussbestand 130.000 €; unfertige Erzeugnisse: Anfangsbestand 52.000 €, Schlussbestand 46.000 €. Nettoverkaufserlöse 1.990.000 €.
– fertige und unfertige Erzeugnisse zusammen.
Ergebnis:Mehrung 40.000 € − Minderung 6.000 € = Mehrung 34.000 €
von Material und Fertigung.
Ergebnis:9 % von 640.000 € = 57.600 €; 125 % von 360.000 € = 450.000 €
der Erzeugung und des Umsatzes (Normal).
Ergebnis:HKE 1.507.600 €; HKU 1.507.600 € − 34.000 € = 1.473.600 €
Normalgemeinkosten von Verwaltung und Vertrieb.
Ergebnis:11 % von 1.507.600 € = 165.836 €; 6 % von 1.473.600 € = 88.416 €
Selbstkosten des Umsatzes – normal und ist.
Ergebnis:normal 1.727.852 €; ist 1.489.400 € + 171.000 € + 86.000 € = 1.746.400 €
Gesamtabweichung.
Ergebnis:1.727.852 € − 1.746.400 € = −18.548 € (Unterdeckung)
Das Kostenträgerzeitblatt (Beträge in €):
| Normalkosten | Istkosten | Abweichung | |
|---|---|---|---|
| Fertigungsmaterial | 640.000 | 640.000 | |
| + Materialgemeinkosten | 57.600 | 61.400 | −3.800 |
| Fertigungslöhne | 360.000 | 360.000 | |
| + Fertigungsgemeinkosten | 450.000 | 462.000 | −12.000 |
| = Herstellkosten der Erzeugung | 1.507.600 | 1.523.400 | |
| − Bestandsmehrung | 34.000 | 34.000 | |
| = Herstellkosten des Umsatzes | 1.473.600 | 1.489.400 | |
| + Verwaltungsgemeinkosten | 165.836 | 171.000 | −5.164 |
| + Vertriebsgemeinkosten | 88.416 | 86.000 | +2.416 |
| = Selbstkosten des Umsatzes | 1.727.852 | 1.746.400 | −18.548 |
| Nettoverkaufserlöse | 1.990.000 | 1.990.000 | |
| Umsatzergebnis | 262.148 | 243.600 |
Probe: Die Umsatzergebnisse unterscheiden sich genau um die Unterdeckung – 262.148 € − 243.600 € = 18.548 €.
Formel
Umsatzergebnis
Umsatzergebnis = Nettoverkaufserlöse − Selbstkosten des Umsatzes
Formel
Erreichter Gewinnzuschlag
Gewinnzuschlag = Umsatzergebnis ÷ Selbstkosten des Umsatzes × 100
Auf Istkostenbasis gerechnet – so viel Gewinn ist tatsächlich herausgekommen.
Typischer Fehler
Das Vorzeichen umdrehen. Gerechnet wird immer Normal minus Ist. Bei −18.548 € wurde zu wenig verrechnet – eine Unterdeckung. Wer Ist minus Normal rechnet, liest daraus fälschlich eine .
Prüfungsrelevant · Abitur 2025 (Nach-Nachtermin)
Normal- und Istkosten bis zu den Selbstkosten des Umsatzes gegenüberstellen – mit Anfangs- und Schlussbeständen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen –, einen Istzuschlagssatz ermitteln, die Abweichung einer beschreiben und Ursachen erläutern, die Wirkung steigender Rohstoffpreise begründen und nachweisen, ob der angestrebte Gewinnzuschlag erreicht wurde.
Abweichungen deuten
Drei sind unterdeckt – die kleine im Vertrieb gleicht das nicht aus.
Ursachen einer in einer Kostenstelle:
- Die sind gestiegen – höhere Energiepreise, Tariferhöhung, eine große Reparatur, Schwund im Lager.
- Die Bezugsgröße ist gesunken, die aber nicht – weil viele Gemeinkosten fix sind. Weniger Fertigungslöhne bei gleicher Halle und gleichen Maschinen ergeben weniger verrechnete Gemeinkosten.
Folgen: Bei einer Unterdeckung waren die Preise zu knapp, der Gewinn schrumpft. Hält sie an, müssen die Normalsätze steigen. Eine dauerhafte Überdeckung ist auch nicht ideal: Die Preise sind höher als nötig, und Aufträge gehen an die Konkurrenz.
Beispiel aus der Praxis
Wenn die Rohstoffe teurer werden
Outdoor Wernberg zahlt ab Februar 10 % mehr für Stoffe und Reißverschlüsse; die Kosten von Einkauf und Lager bleiben gleich. Mit dem Normalsatz von 9 % werden jetzt mehr Materialgemeinkosten verrechnet, weil das Fertigungsmaterial teurer ist: 9 % von 704.000 € sind 63.360 € statt 57.600 €. Die Unterdeckung im Material verschwindet und wird bei gleichen Istkosten von 61.400 € sogar zu einer Überdeckung von 1.960 €. Das liegt nicht an sparsamerem Arbeiten, sondern daran, dass die Bezugsgröße mit den Preisen gewachsen ist.
Gewinnziel prüfen: Die Preise waren mit rund 15 % Gewinn kalkuliert. Tatsächlich ergibt sich 243.600 € ÷ 1.746.400 € × 100 = 13,95 % – das Ziel ist verfehlt, und die Unterdeckung erklärt die Lücke.
Wird ein Gewinnzuschlag nur im Durchschnitt über alle Produkte erreicht, können einzelne Produkte trotzdem Verluste bringen. Für Entscheidungen über ein Produkt braucht man seine eigene Kalkulation.
Typischer Fehler
Nur auf die Gesamtabweichung schauen. Eine Überdeckung in einer Kostenstelle kann eine Unterdeckung in einer anderen verdecken. Wo die Normalsätze nicht passen, zeigt nur der Blick auf jede Kostenstelle.
Merksatz
Unterdeckung frisst kalkulierten Gewinn – jede Kostenstelle einzeln prüfen, dauerhafte Abweichungen durch neue Normalsätze beheben.
Übungen
Übung 1Grundlagen
Die Fertigungslöhne betrugen 250.000 €, der Normalzuschlag der Fertigung ist 140 %. Laut fielen 362.500 € Fertigungsgemeinkosten an. Berechne die Abweichung und benenne sie.
Lösung anzeigen
: 140 % von 250.000 € = 350.000 €. Abweichung: 350.000 € − 362.500 € = −12.500 € – eine .
Übung 2Anwendung
Ein Hersteller kalkuliert mit 16 % Gewinn. des Umsatzes: normal 940.000 €, ist 955.000 €. Nettoverkaufserlöse 1.100.000 €. Ermittle die Kostenabweichung und prüfe, ob das Gewinnziel erreicht wurde.
Lösung anzeigen
- Abweichung: 940.000 € − 955.000 € = −15.000 € ()
- Umsatzergebnis ist: 1.100.000 € − 955.000 € = 145.000 € → 145.000 € ÷ 955.000 € × 100 = 15,18 %
- zum Vergleich normal: 160.000 € ÷ 940.000 € × 100 = 17,02 %
Das Ziel von 16 % wurde verfehlt. Ohne die Unterdeckung wäre es erreicht worden; die Normalsätze sollten überprüft werden.
Übung 3Klausurniveau
In der Material besteht eine von 6.000 € (Fertigungsmaterial 500.000 €, Normalsatz 8 %, 46.000 €). Erläutere zwei mögliche Ursachen. Begründe dann, wie sich die Abweichung entwickelt, wenn die Rohstoffpreise um 10 % steigen, alles andere gleich bleibt und der Normalsatz beibehalten wird.
Lösung anzeigen
Ursachen: Die Materialgemeinkosten sind gestiegen – etwa höhere Miete oder Energie für das Lager, zusätzliche Aushilfen im Einkauf, mehr Schwund. Oder es wurde weniger Material verbraucht, die weitgehend von Einkauf und Lager blieben aber gleich.
Rohstoffpreise +10 %: Das Fertigungsmaterial steigt auf 550.000 €, die verrechneten auf 8 % × 550.000 € = 44.000 €. Bei gleichen Istkosten von 46.000 € sinkt die Unterdeckung auf −2.000 €. Grund: Der Zuschlag hängt am Wert des Materials, nicht an der Arbeit von Einkauf und Lager. Die Verbesserung ist also kein Erfolg der Kostenstelle – sie entsteht nur, weil die Bezugsgröße mit den Preisen gewachsen ist.
Das Wichtigste
- = Istbezugsgröße × ; laut .
- Abweichung = Normal − Ist: positiv , negativ – je und insgesamt.
- Das rechnet beide Spalten bis zu den des Umsatzes; Umsatzergebnis = Erlöse − Selbstkosten.
- Erreichter Gewinnzuschlag = Umsatzergebnis ÷ Istselbstkosten × 100; eine Unterdeckung schmälert ihn.
- Ursachen: gestiegene oder gesunkene Bezugsgröße; dauerhafte Abweichungen → Normalsätze anpassen.